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National und international hat sich das Studio für Grafikdesign von Kira Schinko und Wolfgang Ortner bereits einen Namen gemacht. Von Linz aus erobern sie die große, weite Welt des Designs, mit der Teilnahme am Latin American Design Festival in Peru und der Plakatausstellung United Notions Poster Exhibition in Moskau feierte das kreative Duo internationale Erfolge. Im Rahmen der Open Studios haben sie uns und interessierte Linzerinnen und Linzer bereits zwei Mal hinter die Kulissen blicken lassen und unter anderem ihr Rebranding für den Oberösterreich Tourismus präsentiert. Und im April rocken sie die Bühne beim Forward Festival in Wien. Warum OrtnerSchinko kein Start-Up mehr ist, was die Beweggründe für die Standortwahl Linz waren und wie es ist, in dieser Stadt ein internationales Team zu führen, darüber plaudern sie bei der 11. Ausgabe der Creative Coffee Breaks mit uns.

Creative Coffee Break #11 mit Wolfgang Ortner und Kira Schinko von OrtnerSchinko zum Nachlesen

CREATIVE REGION: Was macht OrtnerSchinko?

Wolfgang Ortner: Kira Schinko… und Wolfgang Ortner. Wir haben vor etwas mehr als drei Jahren ein Studio für Grafikdesign gegründet. Wir machen ziemlich viel im Bereich Branding, ziemlich viel im Kulturbereich und haben riesengroße Kunden bis ganz kleine.

CREATIVE REGION: Mit euch zusammenarbeiten sollte man, wenn?

Wolfgang Ortner: … man trotz der Lage in Linz eine Gestaltung haben möchte, die international aussieht und vielleicht ein bisschen radikaler ist. Genau.

CREATIVE REGION: Wie wichtig sind für euch Speakereinladungen?

Kira Schinko: Momentan ist es sogar sehr wichtig, eigentlich schon seit drei Jahren. Erstens ermöglicht es uns etwas auszubrechen aus unserem daily business. Das andere sind natürlich die Connections, die wir haben, das ganze Netzwerk, das wir dadurch international aufbauen können. Das ist natürlich großartig. Das haben wir jetzt in Russland gesehen, wo sich Freundschaften und Arbeitsbeziehungen ergeben oder auch in Peru, wo wir dann einen Nachmittag bei Paula Scher in New York sitzen dürfen.

Das sind natürlich schon Sachen, die uns nicht nur in der fachlichen Arbeit helfen, sondern auch wie wir Design sehen oder wo wir Organisationsstrukturen sehen. Das ist es, was uns das Leben und Arbeiten in Linz wahrscheinlich etwas erleichtert und den Standard kompensiert. Das ist nicht nur Inspiration, es ist auch irgendwo manchmal ein „matching“. Man schaut wo man überhaupt steht und vor allem aus der Suggestion heraus versuchen wir, in der Gestaltung dann doch ein bisschen auf internationalen Boden zu kommen. Das war schon immer unser Wunsch, ein wenig unsere Ausrichtung. Und da ist es jedes Mal gut ein Regelwerk zu haben, zu schauen wo ist man denn im Moment.

CREATIVE REGION: Warum habt ihr Linz als Studio-Standort gewählt?

Kira Schinko: Das war damals eine große Diskussion, wo wir hingehen. Es stand zur Frage, ob wir nach Wien gehen sollten. Das Netzwerk wäre vorhanden gewesen. Die bewusste Entscheidung ist dann deshalb auf Linz gefallen, weil die Wege in Linz kurz sind, das heißt, man kommt relativ schnell dorthin wo man hinmöchte. Da geht es auch um den Kunst- und Kulturbereich oder um Förderungen oder auch um Ideen. Es ist auch schön zu sehen, dass sich in Linz dann doch relativ viele Leute bewusst zum Rückkehren entschieden haben. Das nehmen wir auch wahr.

Ob das jetzt ein Clemens Bauder ist oder eine Letitia Lehner. Menschen, die wirklich jahrelang im Ausland gelebt haben, sind jetzt auch wieder da und leisten hier einen unmittelbaren Beitrag zur Gesellschaft und zum Leben in Linz. Da sieht man als Stahlstädterin und Stahlstädter, dass das auch Ergebnisse und Früchte trägt. Das ist schön. Letitia hat es einmal so schön gesagt: „Lieber schneller sein in einer langsamen Stadt, als zu langsam in einer schnellen Stadt.“ Und ich bin mir sicher, dass wir mit unserer Eigenart und unserer Stilistik, die wir im Büro haben, sicher etwas ganz Eigenständiges zusammenbekommen. Woanders hätten wir wahrscheinlich einen anderen Mitbewerb.

Wolfgang Ortner: Man darf aber auch nicht vergessen, dass Linz eigentlich doch eine tolle Szene hat, auch eine freie Szene. Allein der Musikconnect, der mir persönlich und ich glaube auch dir (Anm. der Redaktion: Kira) ganz wichtig ist. Für die Größe der Stadt passiert doch sehr viel und das führte dann eigentlich auch zum Entschluss in Linz zu bleiben. Und man braucht sich auch keinen neuen Freundeskreis aufbauen in einer anderen Stadt. Man kann auch dazu beitragen, dass etwas fruchtet und entsteht, das ist einfacher als dort anzufangen, wo es das schon gibt. Das war ein bewusster Schritt.

CREATIVE REGION: Wie schafft ihr es, in stressigen Zeiten kreativ zu bleiben?

Kira Schinko: Nach der Reflexion der ersten zweieinhalb Jahre, in denen wir im Aufbau waren, nachdem wir von Peru nachhause gekommen sind, habe ich zu Wolfgang gesagt: „Ich glaube wir nennen uns jetzt nicht mehr Start-up, ich möchte das jetzt ablegen, dass wir ein junges Designbüro sind.“ Man hat immer das Gefühl, man muss rund um die Uhr verfügbar sein und arbeiten und schaffen. Das ist zwar super, denn am Anfang braucht man Referenzen und da hat uns gut zugespielt, dass wir beide sehr hochfrequentiert und hochenergetisch arbeiten können. Nur habe ich dann auch immer wieder die Angst, dass Sachen oder Details verloren gehen und das eigene Leben.

Man hat ja auch noch andere Rollen, als die Arbeitsrolle. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fliegen übers Wochenende auch mal weg, kommen zurück und sind alle wieder erholt, erzählen wieder was sie erlebt haben. Das ist eine gewisse Wertigkeit. Was wir verlangen, wenn wir hier sind, ist einfach: Es wird einfach gearbeitet. Aber das ist ohnehin normal. Und ich glaube wir sind eines der wenigen Designstudios, das behaupten kann, dass sich unsere Nachtschichten an zwei Händen in drei Jahren abzählen lassen. Ich bin die, die wirklich schaut, dass um 6 Uhr alle rausgehen, dass wir Wochenenden und Ruhephasen haben. Weil es auch einfach nichts bringt, man wird nicht besser dadurch.

Wolfgang Ortner: Ja. Stress kann aber auch antreiben. Druck ist auch wichtig. Ich persönlich und ich glaube auch alle, die bei uns gestalten brauchen schon auch diese Deadline. Dann wird einfach durchgearbeitet. Wir haben gerade eine Phase in der wir nicht viel miteinander sprechen, man sitzt mit Kopfhörern da, jeder hat seine eigenen Projekte und es wird einfach gemacht. Das macht es am Abend noch spannender beim Wirt zusammenzusitzen und über etwas zu diskutieren. Da kann man die Freizeit ganz gut „matchen“ und schafft einen guten Übergang.

CREATIVE REGION: Habt ihr eine besondere Methode, auf die eure Arbeitsprozesse aufbauen?

Wolfgang Ortner: Ich glaube, die Methode gibt es tatsächlich gar nicht. Bei uns basiert ziemlich viel auf Zufällen. Ganz viel Spielen, ganz viel Schauen, sich mit Dingen beschäftigen, ganz oft gegen die Wand rennen und dann wieder darauf kommen, dass vielleicht der Erstentwurf der beste war. Inputs, nach dem Motto „Mir fällt da etwas ein“, dann kurz dazwischen greifen und sagen „He, mach das anders.“ Das läuft eher in diese Richtung. Wir waren schon auf der Suche einer Methode, die funktioniert, aber die hat es für uns gegeben. Manchmal funktioniert es so, dass wir drei Stunden beisammensitzen und dann eine Idee haben. Und das Produkt oder das Buch ist danach fast fertig. Am spannendsten ist es, wenn die Dinge so passieren, wie sie sich eben ergeben.

CREATIVE REGION: Welche Tipps habt ihr für Grafikdesign NewcomerInnen?

Wolfgang Ortner: Wir haben ganz lang darüber nachgedacht, was das sein könnte. Ich sehe es jetzt tatsächlich so, dass es wichtig ist zuvor irgendwo zu arbeiten, wo nicht jeder Job Spaß macht, nicht alles „Super-Creativity-Scheiß“ ist, wo einfach auch einmal Dinge fertigzumachen sind, zum Beispiel ein fetter Katalog, ein ganz dickes Buch. Irgendwann kommt dann die Phase in der man schnell Entscheidungen treffen kann und dann dauert ein Plakat nicht mehr drei Tage – ich meine, das darf es auch dauern, wenn es ein gutes Konzept hat – aber man kann Dinge dann ganz schnell abwickeln, macht keine Fehler mehr, es kommt Routine hinein. Wenn man die Routine schon vorab aufbaut – nicht im Sinne, dass Dinge schlecht werden sollen – eher ganz klassisch die Software beherrschen, Regeln kennen, diese dann wieder brechen, wirklich einmal die Drecksarbeit machen, hilft einem das später enorm. 

Kira Schinko: Wir haben bei uns im Studio schon alles gehabt, Personen, die studiert haben, die nicht studiert haben, die zu viel studiert haben, die nie gearbeitet haben, die vorher als Kellnerinnen gearbeitet haben. Ich sehe mir natürlich den Lebenslauf an, aber es ist mir egal wie viel Arbeitserfahrung jemand hat. Wichtig für mich ist, dass das Portfolio überzeugend ist und ich mir denke, der könnte eine bestimmte Aufgabe abnehme. Da geht es nicht darum, dass jemand eine besondere Stilistik hat oder fachlich immer top ist. Mehr aus einer Auseinandersetzung heraus. Man kennt das relativ schnell. Kann er/sie einen Kunden lesen, kann er/sie ein Briefing lesen? Versucht er/sie seinen/ihren eigenen Stil irgendwo auf alles aufzupressen oder kann er/sie sich auch einer Sache einfach annehmen.

Wolfgang Ortner: Wichtig ist auch, passt er oder sie zu uns? Versteht er/sie die Gestaltung, verstehen wir die Person?

CREATIVE REGION: Wie wichtig sind Social Media für euch? Wie setzt ihr sie ein?

Kira Schinko: Grundsätzlich glaube ich, dass Selbstmarketing total wichtig ist. Davon bin ich seit Anfang an überzeugt. Wir halten uns dafür gewisse Ressourcen frei. Natürlich sind Kanäle wie Facebook für uns gar nicht mehr relevant, man merkt man kommt nicht mehr durch, es ist nicht mehr State of the Art. Instagram wird immer wichtiger, das lässt sich nicht mehr verleugnen. Peru wäre ohne Instagram nicht möglich gewesen.

Wolfang Ortner: …naja, ohne Artikel eher. Das ist oft eine Verstrickung von Zufällen. Das war in unserem Sonderfallfall It’s Nice That. Dort hat es ein Feature gegeben über ein Projekt, der Veranstalter hat es gesehen, für gut befunden und dann eigentlich direkt über Instagram geschrieben.

Kira Schinko: Das Lustige ist, dass man nicht mehr über die Website kontaktiert wird. Menschen rufen auch nicht mehr an. Sondern, es ist eben dann Instagram. Das funktioniert einfach.

CREATIVE REGION: Euer Team ist sehr international. Wie kommt ihr zu neuen MitarbeiterInnen?

Kira Schinko: Da ist auch die wirtschaftliche Lage in anderen Ländern ein Mitgrund, was ich so mitbekomme. Zum Beispiel bei Schweizer Grafikern. Im Schweizer Umfeld, ein hoch kompetitiver Markt, mit den besten Grafikern der Welt, ist der Zweit- und Drittbeste zu schlecht, er/sie ist aber fünf Mal so gut als unsereins. Das klingt jetzt komisch, aber davon profitieren wir sehr. Zu 80-90 % haben wir Bewerbungen aus dem Ausland. Das rührt vor allem daher, dass alles über Instagram kommt und den anderen Publikationen. Wir verstehen es zwar zum Teil nicht, warum sich so wenige Österreicherinnen und Österreicher bei uns bewerben, wir wollen eigentlich keine Barrieren aufbauen. Ein Teil unserer MitarbeiterInnen sind ja ÖsterreicherInnen.

Wolfgang Ortner: Wir bauen ja keine Barrieren auf, es ist ja besser, wenn man international denkt.

Kira Schinko: Es versteht keiner. Keine Ahnung. Ich weiß es nicht. Wir profitieren wirklich davon, weil es Menschen sind mit einer sehr, sehr, sehr guten Ausbildung. Sie kommen von renommierten Hochschulen und ich sage dann aber immer: „Bitte googelt Linz.“ Ich möchte nicht, dass jemand über den Standort enttäuscht ist und dann in einer kleinen Stadt ist und sich denkt: „Um Gottes Willen?!“. Die meisten kommen aber aus Dörfern und die freuen sich darüber, was in Linz da ist. 

CREATIVE REGION: Wo holt ihr euch Inspiration für eure Arbeit?

Wolfgang Ortner: Bei mir persönlich sind es Dinge wie der Baumarkt. Dinge, die zu unserer Arbeit passen, wie z. B. kleine price tags, irgendwelche Details, die für manche völlig unbedeutend erscheinen und die findet man eher in der industrielleren Richtung. Auch Dinge, die man mit grafischer Gestaltung nicht in Verbindung bringt. Plus, unser Bücherregal. Ich will mir gar nicht ausrechnen was wir im Jahr für Bücher und Magazine ausgeben, auf der anderen Seite ist das so wichtig. Es gibt so viele gute Verlage auf der ganzen Welt, es gibt so viele gute alte Sachen. Das fängt irgendwann in den 50ern an, da ist immer etwas mit Zeitgeist dabei. Wir sammeln einfach Bücher.

CREATIVE REGION: Mit wem sollten wir unbedingt demnächst eine Creative Coffee Break machen?

Wolfgang Ortner: Nachdem es immer sehr jugendlich aufgebaut ist, bei jungen Studios, IllustratorInnen, FotografInnen vorbeigeschaut wird, würde ich es sehr interessant finden bei Sigi Mayer vorbeizuschauen. Er hat extrem viel geleistet in dieser Stadt, er ist ein älterer Herr und hat sicher ganz viel zu erzählen. Das wäre ein guter Bruch zu dem was sonst so passiert bei euch bei der Creative Coffee Break, eine gute Extension irgendwohin.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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