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Leuchtende Farben und starke Formen

Carina Lindmeier ist freiberufliche Illustratorin in Linz. Ihre farbenfrohen und ausdrucksstarken Werke sorgen international für Aufmerksamkeit. Carinas Projekte sind so bunt wie ihre Illustrationen, egal ob Magazincover oder Packaging Design – sie erweckt mit leuchtenden Farben und starken Formen Charaktere und Szenen zum Leben. Womit sie am liebsten arbeitet, wie sie überhaupt Illustratorin wurde und warum Instagram für sie das perfekte Akquise- und Netzwerktool ist, erzählt sie in der aktuellen Creative Coffee Break der CREATIVE REGION LINZ & UPPER AUSTRIA.

Creative Coffee Break #24 mit Carina Lindmeier zum Nachlesen

Intro von Verena Kroupa: Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Coffee Break. Wir fahren heute zu Carina Lindmeier in ihr Linzer Home Studio. Ihr kennt Carinas farbenfrohe Illustrationen aus zahlreichen Magazinen und Produktgestaltungen. Wie es dazu kam und was sie täglich inspiriert, das erzählt sie uns in der heutigen Coffee Break.

CREATIVE REGION: Was macht Carina Lindmeier?

Carina Lindmeier: Carina Lindmeier macht Illustration.

CREATIVE REGION: Wer oder was hat dich dazu motiviert, den Beruf Illustratorin als Karriereziel zu verfolgen?

Carina Lindmeier: Das hat sich bei mir, ehrlich gesagt, so ergeben. Ich wollte eigentlich als Kind immer Kinderbuchillustratorin werden, Das war mein größtes Ziel, weil ich fasziniert war von Disney-Filmen und den ganzen Büchern. Mittlerweile möchte ich das nicht mehr, auf gar keinen Fall. Kinderbücher sind überhaupt nicht das Meine.

Motiviert dazu haben mich natürlich auch immer meine Eltern. Vor allem meine Mama, die das sehr gefördert und gepusht hat, und auch selbst sehr kreativ ist. Dann habe ich die Grafik-HTL besucht und dann war für mich eigentlich klar, dass ich irgendetwas in diesem Bereich machen möchte.

Ich habe dann auch nach der Schule diverse andere Zwischenstationen eingelegt. Und es hat sich dann erst im Nachhinein herauskristallisiert, dass es dann doch Illustratorin wird. Es hat sich dann mehr oder weniger durch ganz viele glückliche Zufälle so ergeben.

CREATIVE REGION: Mit welchen Medien und Materialien arbeitest du am liebsten?

Carina Lindmeier: Am liebsten eigentlich mit Polychromos. Ich liebe diese Stifte. Ich habe 1.000. Aber der Workflow hat sich in den letzten Projekten so ergeben, dass die Arbeiten digital am iPad gemacht werden. Es hat einfach extrem viele Vorteile: Man ist total flexibel, man kann ganz schnell Korrekturen machen, man kann es gleich in den richtigen Anwendungsformaten super easy verschicken und man muss nicht mit tausend Skizzenbüchern herumlaufen. Aber manchmal fehlt mir schon ein bisschen das analoge Feeling.

CREATIVE REGION: Was war für dich der ausschlaggebende Moment, als selbstständige Illustratorin zu arbeiten?

Carina Lindmeier: Irgendwann werden die Anfragen interessanter, die Projekte größer. Man muss sich dann entscheiden. An dem Punkt ist jeder einmal, das ist die heiße Phase, wo man selbst nicht weiß, ob man den Schritt wagen soll oder nicht. Da muss man dann auch vielleicht ins kalte Wasser springen – sich einfach drübertrauen.

CREATIVE REGION: Wo und wie holst du dir neue Ideen & Inspirationen?

Carina Lindmeier: Ganz unterschiedlich. Ich mache tatsächlich sehr viele Fotos von irgendwelchen Dingen, Farbkombinationen, Gebäuden, Blumen, Tieren, alles Mögliche. Und ich versuche Farbkombinationen oder auch Strukturen, die ich selbst spannend finde, mitzunehmen.

Es kommt darauf an, wie die Projekte sind, aber ganz oft inspiriert mich einfach meine Umgebung. Ich kann eigentlich auch ohne Musik nicht arbeiten. Ich brauche immer eine Melodie im Ohr. Genau. Jetzt kann man sagen, dass das große Inspirationsquellen sind. Ganz oft sind es wirklich auch meine Freunde, Familie, Blogs, Magazine, Bücher, alles Mögliche.

Blog- und Magazinklassiker, die jeder in dieser Branche kennt, die ich auch regelmäßig lese bzw. kaufe, sind Blogs wie itsnicethat.com, page-online.de oder novum.graphics.

CREATIVE REGION: Wie schaffst du es, trotz Deadlines und unterschiedlichsten Arbeitsaufträgen motiviert, kreativ und produktiv zu bleiben?

Carina Lindmeier: Sehr schwere Kombi, sehr schwere Frage. Manchmal geht das sehr gut, da habe ich den vollen Plan und bin voll drinnen. Und dann geht es wieder gar nicht gut und man muss sich selbst motivieren, dass man dranbleibt. Ich glaube das ist einfach Lebensphasen-abhängig und oft ist es so, dass man sich vielleicht schon gedanklich auf etwas anderes vorbereiten muss.

Ich versuche sehr strukturiert zu sein, ich mache mir jeden Tag in der Früh einen Plan, schreibe das auch mit der Hand, nicht irgendwie am iPad oder am Laptop, sondern schreibe das wirklich in der Früh mit der Hand in mein Notizbuch und an das wird sich gehalten.

Es gibt klassisch drei wichtige Punkte, die erledigt werden müssen, und der Rest ist optional. Das versuche ich dann so durchzuarbeiten und es funktioniert bis jetzt ganz gut. Manchmal dauert es dann bis zwei in der Früh, aber das macht nichts.

CREATIVE REGION: Du bist auf Social Media sehr aktiv, vor allem auf Instagram. Sind das die Kanäle, über welche du die meisten Aufträge bekommst?

Carina Lindmeier: Es ist tatsächlich so, dass die meisten wirklich über Instagram aufmerksam werden auf mich, weil das mit der Verschlagwortung ganz gut funktioniert. Ich versuche auch parallel immer gewisse Arbeiten auch auf behance.net zu posten und dort aufzuarbeiten, weil das trotzdem noch einmal eine andere Plattform mit einer anderen Community ist. Prinzipiell muss man sagen, dass Instagram ganz gut funktioniert, weil es eine visuelle Plattform ist.

CREATIVE REGION: Betreibst du auch aktive Kundenakquise?

Carina Lindmeier: Gerade weil Instagram so super funktioniert, mache ich eigentlich keine Kundenakquise. Es hat sich eben jetzt, auch durch Corona, herausgestellt, dass Instagram eine super Plattform ist, weil man seine Arbeiten ganz schnell vom Handy aus immer und überall hochladen kann. Viele Leute, die in Zeiten der Pandemie daheim gearbeitet haben oder sich nicht anders vernetzen konnten, über Instagram viele Dinge gesucht haben und sich dadurch auch ergeben haben.

Das Spannende ist auch … – wie soll man sagen – Es haben sich durch Instagram, so blöd sich das jetzt anhört, so „weird“, auch mittlerweile Freundschaften mit anderen Illustratorinnen und Illustratoren, über die ganze Welt verstreut, ergeben, wo man sich auch gegenseitig Tipps geben kann, pushen kann oder auf Competitions oder solche Dinge aufmerksam machen kann.

Das ist mittlerweile auch schon ein Netzwerktool geworden. Also nicht nur so im Vermarktungssinn, dass man sich selbst dort präsentiert, sondern dass man die Plattform auch im Sinn der Community nutzen kann.

CREATIVE REGION: Welche beruflichen Tipps würdest du Personen geben, die in dieser Branche arbeiten möchten?

Carina Lindmeier: Generell würde ich als Tipp schon sagen: So viel wie möglich rausgehen. Also auch die Arbeiten zeigen, sich selbst zeigen, bei Sachen mitmachen, egal ob das online ist oder irgendwelche Veranstaltungen und Events. Man wir auch nicht gebucht, wenn keiner weiß, was du machst. Es wird dich keiner für irgendetwas beauftragen, wenn noch nie jemand von dir etwas gesehen hat.

Oft sind das gar nicht die Projekte, bei denen man sich denkt: Boah, ich muss maßgeschneidert für meinen Wunschkunden oder mein Wunschprojekt etwas machen. Sondern oft wirst du genau deshalb gebucht, weil du … bzw. hauptsächlich wirst du genau deshalb für ein Projekt herangezogen, weil man als Illustratorin oder Illustrator einen eigenen Stil hat.

Das ist auch etwas, das ich sehr gerne oder unbedingt meinen Schülern vermitteln möchte. Jeder hat seine eigene Handschrift und die soll er sich auch bitte behalten. Das macht dich einzigartig. Und ich will ja selbst auch nicht gebucht werden für ein Projekt, damit ich es so mache, wie es ein anderer schon gemacht hat.

CREATIVE REGION: Was waren bisher deine persönlichen Auftrags-Highlights?

Carina Lindmeier: Eines meiner persönlichen Highlights war definitiv, dass ich eine Ausschreibung bei Bombay Sapphire gewonnen habe. Da habe ich mich sehr gefreut, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet habe, und ganz last minute noch etwas hingeschickt habe.

Dann war definitiv noch ein extremes Highlight als die erste Anfrage von einem großen Verlag aus New York eingetrudelt ist. Da hab ich mich natürlich auch gefreut, dass dort meine Arbeit gesehen wird. Das ist auch über Instagram passiert.

Auf jeden Fall ein Highlight war die Gestaltung der mymuesli Linz Edition. Es war einmal ganz interessant die Stadt abzubilden, in der man lebt und wie man sie aus seiner Perspektive sieht. Ja, es sind immer wieder solche Highlights.

Eigentlich sind alle Projekte spannend. Ich nehme mir das auch bewusst heraus, dass ich keine Projekte mehr mache, mit denen ich mich nicht identifizieren kann.

Definitiv auch ein Highlight war natürlich auch die Einladung von Adobe Deutschland, die Fresco Folio Session zu posten. Das waren vier Termine wöchentlich, wo ich und eine andere Illustratorin aus Hamburg gemeinsam zu einem Thema immer eine Stunde live illustriert haben und die ganze Creative Community eingeladen war mitzumachen. Es sind ganz spannende Sachen entstanden, das hat richtig Spaß gemacht.

CREATIVE REGION: Welche Projekte können wir von Carina Lindmeier in naher Zukunft erwarten?

Carina Lindmeier: Es sind auf jeden Fall einige Buchprojekte dabei, auf die ich mich schon sehr freue, wenn sie veröffentlicht werden. Ich darf noch nicht sagen, was das wird. Aber es werden ganz unterschiedliche und spannende Sachen sein. Dann gibt es bald ein Packaging-Projekt, ein Cover für ein Magazin, ganz unterschiedliche Sachen eigentlich.

CREATIVE REGION: Bei wem sollten wir auf eine Creative Coffee Break vorbeikommen?

Carina Lindmeier: Ich würde an eurer Stelle auf jeden Fall bei Silke Müller oder bei Petra Braun, wenn ihr ein wenig weiter fahren wollt, anklopfen. Und sonst gleich um die Ecke beim Studio 4020.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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