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Die Verbindung digitaler und analoger Spielewelten

Das Linzer Unternehmen Rudy Games kombiniert digitale und analoge Spielstrukturen und macht daraus coole Hybridgames, die das Beste aus beiden Spielwelten auf den Küchentisch bringen. Das Smartphone wird dabei integraler Bestandteil von klassischen Brettspielen und somit auch für Kinder und Jugendliche wieder spannend.

Die Idee für Rudy Games ist – wie könnte es anders sein – bei einem Spieleabend mit Freunden entstanden und mittlerweile hat sich das Start-up zu einem gefragten Spieleentwicklerstudio entwickelt. Wir haben das Team damals im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne zu ihrem Spiel Interaction begleitet und holen uns in der aktuellen Ausgabe der Creative Coffee Break ein Update.

Die drei GründerInnen Manfred, Gertrude und Reinhard erzählen uns in der Coffee Break unter anderem, was ihr Auftritt in der Fernsehshow 2 Minuten 2 Millionen mit ihrem Business gemacht hat, warum sie die beste Community haben und warum Manfred und Reinhard Ausgehverbot haben.

Creative Coffee Break #21 mit Rudy Games zum Nachlesen

CREATIVE REGION: Was macht Rudy Games?

Manfred Lamplmair: Bei Rudy Games kombinieren wir Brettspiele mit Apps. Man kann sagen, wir haben das Brettspiel digitalisiert. Wichtig ist uns, dass wir Familien wieder an einen Tisch zusammenbringen, dass sie gemeinsam spielen. Wir haben festgestellt, dass für Kinder und Jugendliche Apps und Digitales extrem spannend sind. Sie sind Eyecatcher, über die wir die Begeisterung der Kinder bekommen, sodass sie wieder gemeinsam mit den Eltern spielen.

 CREATIVE REGION: Weshalb habt ihr euch dazu entschieden, analoge Spiele mit digitalen Elementen zu kombinieren?

Manfred Lamplmair: Wir haben gesehen, dass Kinder und Jugendliche im Schnitt 220 Minuten täglich alleine auf dem Smartphone verbringen. Das ist schon ganz schön viel Zeit. Und dann hatten wir die Überlegung: Wie können wir das aufbrechen? Wir sagen nicht, Smartphones sind böse, sondern uns geht es darum, wie wir das gemeinsam nutzen können.

Damit es eben nicht zur sozialen Vereinsamung kommt und jeder alleine auf das Gerät schaut, sondern wieder ein gemeinsames Miteinander entsteht. Ich glaube, das ist für Kinder ganz wichtig. Sie lernen irrsinnig viel dabei, – gerade beim Spielen lernen sie zu gewinnen und zu verlieren, mit Emotionen umzugehen und solche Dinge. Das kann man nur gemeinsam erleben.

Es macht einen großen Unterschied, ob ich am Tisch sitze und würfle, die App sagt mir, dass ich etwas Tolles erreicht habe oder ob ich alleine dasitze und kurz irgendwo drücke und am Bildschirm fällt vielleicht jemand um, oder so. Es ist völlig emotionslos, wenn es nur am Display alleine passiert. Genau.

So ist das eben entstanden. Natürlich war auch der Aspekt, dass wir gerne Spiele spielen, ausschlaggebend. Es macht Spaß und wir wollten etwas machen, das auch uns Spaß macht. So ist das dann entstanden.

CREATIVE REGION: Wie kann man sich euren Arbeitsprozess vorstellen?

Reinhard Kern: Am Anfang steht immer die Idee natürlich. Die Ideen haben wir meistens, wenn wir unterwegs sind, zu zweit oder zu dritt. Dann sprudeln unsere Gedanken. Meistens haben wir fünf neue Spielideen, wenn wir wieder nach Hause kommen.

Manfred Lamplmair: Deshalb haben wir mittlerweile Fortgehverbot.

Reinhard Kern: Wir dürfen jetzt nicht mehr alleine fortfahren, denn Manfred ist ganz schlimm beim Ideengenerieren. Ansonsten versuchen wir die Spielekonzepte zu Papier zu bringen und dann binden wir unsere Community sehr bald ein. Das heißt, wir gehen sehr schnell raus zu unseren Leuten oder zu Spiele-interessierten Leuten und holen uns dort Feedback. Das heißt wir entwickeln mit der Community gemeinsam, damit wir schnell reagieren können und in die richtige Richtung arbeiten.

Mittlerweile haben wir auch sehr viele Daten aufgrund unserer anderen Spiele, wo wir gewisse Dinge schon kennengelernt haben bzw. optimieren können. Das ist auch ganz wichtig beim Weiterentwickeln der Spiele. Wenn wir Erweiterungen rausbringen, können wir dadurch besser auf die Wünsche der Community eingehen. Wir sehen auch, was gut ankommt und was weniger gut ankommt. Dort können wir super ansetzen. Das ist ein großer Vorteil bei der Digitalisierung im Brettspielbereich.

CREATIVE REGION: In welcher Art und Weise testet ihr die Prototypen eurer Spiele?

Reinhard Kern: Sobald die Idee geboren ist, d. h. wie die Kombination von Analogem und Digitalem funktionieren soll, gehen wir in den ersten Schritt. Das bedeutet, einen Paper-Prototypen herzustellen, da ist die App noch gar nicht so im Spiel. Die Funktionen der App versuchen wir erstmal auf Papier darzustellen, um auch schneller reagieren zu können, nicht alles programmieren zu müssen, so können gewisse Dinge schon im Vorhinein abgetestet werden. So gehen wir inhouse in die erste Testrunde. Wir schauen uns Dinge an, wie sie funktionieren, was wir verbessern können, was wir anders machen müssen. Und dann, wie gesagt, gibt es eine starke Community, an die wir die Paper-Prototypen senden. Das sind unsere Testspieler, die uns darauf Feedback geben.

CREATIVE REGION: Inwieweit nutzt ihr eure Community in der Entwicklung und Bewerbung eurer Spiele?

Gertrude Kurzmann: Unsere Community erreichen wir einerseits durch Newsletter oder Direktkontakt, indem wir sie anschreiben, z. B. um neue Spielenamen zu generieren oder nachzufragen, welche Spiele den Leuten gefallen. Da bekommen wir unterschiedlichstes Feedback. Da wir jetzt schon eine sehr große Community haben, bekommen wir valide Daten zurück, was uns irrsinnig unterstützt. So bekommen wir gleich einen ersten Einblick, was den Leuten da draußen überhaupt gefällt. Zum Bewerben ist es natürlich toll.

Wir haben jetzt während der Corona-Zeit gesagt: „Wir sind ein kleines Unternehmen, wir bräuchten eure Unterstützung!“ Es ist wirklich super schnell gegangen. Sie sprechen es weiter, sie posten es auf Facebook, Instagram, etc. Da kann ich nur sagen, das ist das Beste. Weil wir einfach auch die beste Community hinter uns haben. Es ist so.

CREATIVE REGION: Wo/Wie findet ihr Inspiration für eure Projekte?

Gertrude Kurzmann: Wie Reinhard vorhin schon angesprochen hat, wenn Manfred und Reinhard unterwegs sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, kommen sie immer mit neuen Ideen nach Hause. Wir haben dann irgendwann einmal gesagt, in Zukunft fahren sie nur mehr mit dem Auto. Weil immer, wenn sie heimgekommen sind, hat es sofort geheißen: sofort entwickeln, neues Spiel und neue Idee. Das ist das eine …

Reinhard Kern: Mittlerweile ist es gar so, dass uns viele Leute anschreiben, die auf uns stoßen, weil wir einen gewissen Bekanntheitsgrad haben in der Community. Sie sagen uns: „Wir würden gerne Spiele entwickeln, wir hätten da Ideen“. Das gibt auch von außen sehr viel Input mittlerweile, was Spieleideen betrifft. Oft müssen wir ihnen sagen, dass wir nicht alles gleichzeitig entwickeln können. Wir würden es zwar gerne und es sind auch sehr gute Ideen dabei. Wir versuchen auch, dass wir uns mit den Leuten treffen, beim Essen oder zu uns einladen, um voranzukommen. Der Input kommt von außen, er kommt von uns, das ist sehr bunt gemixt.

Gertrude Kurzmann: Letztes Jahr, 2019, waren wir auf vielen Messen. Dort bekommt man entsprechend großes Feedback. Durch den nahen Kontakt zur Community, scheut sich niemand mehr einfach herzukommen und zu sagen: „Ich habe eine Idee“; und uns verschiedenen Dinge zeigen und Ideen schicken. Das ist wirklich großartig. Auch ganz normale Nachrichten, Spielezeitungen und Co. blättert man durch. Ich frage meine Neffen und Nichten, was sich gerade tut und was gerade im Trend ist. Das ist bei den Kleinen einfach g’schickt.

CREATIVE REGION: Ihr wart erfolgreiche Teilnehmer der Puls-4-Sendung 2 Minuten 2 Millionen. Welche Chancen haben sich durch diese Sendung eröffnet?

Manfred Lamplmair: 2 Minuten 2 Millionen war eine richtig coole Aktion. Das eine ist der mediale Auftritt, die Reichweite, die du damit bekommst. Vom einen auf den anderen Schlag sehen viele Leute dein Produkt. Du kannst das Produkt in der Sendung vorstellen. Das ist unbezahlbar, gerade für ein junges Unternehmen.

Das andere ist die Investment-Geschichte, die natürlich auch eine Rolle spielt. Wir waren ein wenig in der glücklichen Situation, dass wir schon Bestandsinvestoren hatten, und mit Heinrich Prokop der Retail-Experte dazugekommen ist, er hat uns die ein oder andere Tür geöffnet. Wir konnten den ersten Schritt in den stationären Handel machen, konnten erste Erfahrungen sammeln, konnten sehen was gut läuft und was nicht funktioniert.

Wir haben sehr schnell gesehen, das Produkt einfach ins Regal zu stellen, funktioniert nicht. Das war immer so unser Glaube, wenn man drinnen steht, dann hast du es geschafft. Natürlich gibt es dann auch viele Aspekte, die man nur indirekt der Show zuordnen kann.

Ein Beispiel ist DKT smart. Der Lizenzgeber hat uns in der Show gesehen, sich dann nicht weiter damit beschäftigt hat und dann irgendwann dachte er, dass es gut wäre, wenn DKT doch ein wenig moderner wird. Er hat dann mit uns Kontakt aufgenommen. So ist das Ganze ins Rollen gekommen. Das ist natürlich auch ein Effekt der Show. Das Ganze ist erst Ende 2019 entstanden, als es die Gespräche gegeben hat. Da sieht man wie lange die Show auch noch nachwirkt. Es war für uns eine super Erfahrung und hat uns irrsinnig viel gebracht.

CREATIVE REGION: Ihr habt zahlreiche Auszeichnungen für eure Spiele erhalten. Welche Bedeutung haben solche Preise für ein Spiel und für euch?

Reinhard Kern: Ich glaube, grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen der Firma und der Innovation in der Firma, die ausgezeichnet wird, dem Produkt an sich, d. h. dem Spiel. Das sind zwei unterschiedliche Sachen. Zum einen ist man in der Wirtschaft, in der Community, im Business super dargestellt, wenn man den ein oder anderen Preis abholt. Ich weiß jetzt gar nicht, was wir alles gemacht haben.

Manfred Lamplmair: Edison, Pegasus, u. s. w.

Reinhard Kern: Genau, diese Wirtschaftspreise. Das ist natürlich medial super, z. B. ist man dann in Zeitungen und kann so Bekanntheit schüren. Und für uns wichtig ist natürlich auch, wenn das Produkt ausgezeichnet wird. Da sind wir noch nicht ganz so erfolgreich. Wir haben schon den ein oder anderen Preis für unsere Spiele bekommen, den ganz großen leider noch nicht.

Manfred Lamplmair: Also, Spiel des Jahres sind wir noch nicht.

Reinhard Kern: Spiel des Jahres ist eine Auszeichnung, die für das Regal im Handel ganz wichtig ist, weil der Handel darauf aufspringt und die Produkte in größeren Mengen abnimmt, und auch gut verkauft werden.

CREATIVE REGION: Welche Projekte können wir von Rudy Games in naher Zukunft erwarten?

Reinhard Kern: Heuer aktuell arbeiten wir an zwei Projekten. Das eine ist, wie von Manfred schon angesprochen, DKT zu digitalisieren; DKT smart oder wie auch immer es dann heißen wird. Da arbeiten wir daran, die Lizenz zu bekommen, um das machen zu können. Das wird noch etwas dauern.

Ganz intensiv beschäftigen wir uns zurzeit mit crazy driver, der im Herbst auf den Markt kommen wird. Das ist eine Kooperation mit Carrera, da haben wir die Lizenz schon bekommen. Crazy driver ist ein verrücktes Rennspiel, bei dem die Spieler über eine Rennbahn, bzw. eine Rennstrecke fahren und verschiedene Mechanismen nutzen können, um nach vorne zu kommen und Erster zu sein. Da gibt es auch die App-Integration, mit der wir gewisse Mechanismen steuern werden. Ich weiß nicht, wie viel ich verraten darf, man darf gespannt sein.

Und es ist das erste Lizenzprodukt, das von uns, Rudy Games, auf den Markt kommen wird. Das ist für uns wichtig, um bekannter zu werden, indem wir die Marke nutzen. Carrera ist bekannt, gerade im Rennsegment. Es passt wie die Faust aufs Auge, dass wir diesen crazy driver mit Carrera machen können.

CREATIVE REGION: Bei wem sollten wir unbedingt auf einen Creative Coffee Break vorbeikommen?

Manfred Lamplmair: Poah, da gibt es viele, die ich spannend finde.

Gertrude Kurzmann: Wir haben uns überlegt, es wäre eine lässige Sache, wenn ihr bei Innoviduum, vorbeischaut, bei Anna und Markus Pollhamer. Wir kennen uns von Start-up-Geschichten, von früher. Sie machen lässig Sachen. Sie haben ein Tool entwickelt, mit dem man Talente fördern und erkennen kann. Ich denke mir, für die jungen Leute heutzutage, die einfach nicht wissen, wo es im Berufsleben hingehen soll, ist das eine tolle Sache, um das herauszufinden. Schaut vorbei und lasst euch überraschen.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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