Digitale Sichtbarkeit war lange klar definiert: Wer bei Google gefunden werden wollte, optimierte für Suchmaschinen, Keywords und Rankings. Doch mit dem rasanten Aufstieg von KI-basierten Systemen wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini verschiebt sich dieses Verständnis grundlegend. Informationssuche findet zunehmend dort statt, wo Nutzer*innen direkte Antworten erwarten – nicht mehr nur Linklisten.
Alexander Kurzwernhart von otago beschäftigt sich seit Jahren mit SEO, Content-Strategie und digitaler Auffindbarkeit. Im Interview spricht er darüber, wie KI die Spielregeln verändert, worauf Unternehmen jetzt achten sollten und was künftig darüber entscheidet, ob Inhalte von KI-Systemen überhaupt wahrgenommen und genutzt werden.
1. Wie verändert KI gerade grundlegend, was wir unter digitaler Sichtbarkeit verstehen?
Bisher war Sichtbarkeit vor allem Google-zentriert, geprägt durch SEO und SEA. Das bleibt auch weiterhin wichtig, doch durch ChatGPT & Co verlagert sich ein großer Teil der User Journey – insbesondere die Informationssuche – massiv in Richtung LLMs. Diese Systeme liefern direkte Antworten statt Linklisten. Wer LLMs heute nicht als eigenständigen Kanal im Online-Marketing begreift, verpasst den direkten Draht zur Zielgruppe in der entscheidenden Recherchephase.
2. Worauf sollten Unternehmen jetzt in ihrer Content-Strategie achten?
Content muss – neben einer soliden technischen Basis – der absolute Schwerpunkt sein. Im Grunde sollte man Tugenden, die im SEO schon lange gepredigt werden, jetzt endlich konsequent umsetzen: Hilfreiche Texte ohne Marketingsprech, dafür mit einzigartigen Fakten. Statt hohler Phrasen wie „Wir stehen für innovative Lösungen ohne Kompromisse“ zählt heute Konkretes wie: „Mit Produkt X erzielen Sie innerhalb von drei Monaten eine Ersparnis von 15 %“.
Wichtig ist zudem die Struktur: Keine Textwüsten, sondern prägnante Absätze, die jeweils einen klaren, verwertbaren Gedanken enthalten.
3. Was entscheidet künftig darüber, ob Inhalte von KI-Systemen überhaupt „ernst genommen“ werden?
Aktuell erleben wir leider eine Phase, in der Spam-Taktiken wie ungefilterte Listicles oft noch erstaunlich gut funktionieren, weil KI-Systeme noch nicht über die jahrzehntelang gewachsenen Filter von Google verfügen. Das wird eine entscheidende Entwicklung im Jahr 2026: Wie schnell lernen LLMs, hochwertig kuratierte Inhalte von generischem KI-Spam zu unterscheiden?
Wer langfristig „ernst genommen“ werden will, sollte auf echte Autorität und verifizierbare Qualität setzen, bevor die Systeme ihre Schutzmechanismen hochfahren.
Von SEO zu GEO: Qualität wird zum entscheidenden Faktor
Was sich klar abzeichnet: Sichtbarkeit wird nicht verschwinden, aber sie wird komplexer. Neben klassischem SEO rückt GEO (Generative Engine Optimization) immer stärker in den Fokus – also die Frage, wie Inhalte so aufbereitet sind, dass sie von KI-Systemen verstanden, zitiert und weiterverwendet werden.
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Weg von austauschbarem Content, hin zu klaren Aussagen, überprüfbaren Fakten und echter Expertise. Denn je intelligenter die Systeme werden, desto wichtiger wird Substanz.
Workshop: Von SEO zu GEO
Wer sein Unternehmen für die neue Ära der Suche vorbereiten möchte, kann das im Workshop mit Alexander machen:
Wann: 3. März 2026, 9-17 Uhr
Wo: Tabakfabrik Linz




