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Synergien beim Grafik- und Möbeldesign nutzen

Michael Holzer hat beim CAESAR-Werbepreis 2018 ordentlich abgesahnt. Gleich vier Mal konnte er die begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen, unter anderem für seine Arbeiten für unser Forum Creative Industries 2017 und die Open Studios Linz 2018. Was die Auszeichnungen für den detailverliebten Produkt- und Grafikdesigner bedeuten erzählt er bei der 14. Ausgabe der Creative Coffee Break. Außerdem spricht über die synergetische Kombination aus Grafik- und Möbeldesign, sein ambivalentes Verhältnis zu Messen, warum er sein Büro in die Tabakfabrik Linz verlegt hat und über aktuelle Projekte.

 

Creative Coffee Break #14 mit Michael Holzer zum Nachlesen

CREATIVE REGION: Was macht Michael Holzer?

Michael Holzer: Ich mache Grafik- und Produktdesign. Grafikdesign mit dem Schwerpunkt Branding, Markenentwicklung und visuelle Identitäten. Produktdesign mit dem Fokus auf Möbeldesign. Dann gibt es noch ein breites Spektrum dazwischen, oft an der Schnittstelle 2D/3D, wie z. B. Verpackungsdesign-Projekte oder Grafik im Raum, sprich z. B. Orientierungssysteme.

CREATIVE REGION: Dein Portfolio ist sehr vielseitig. Wie kam es zur Kombination aus Grafik und Produktdesign?

Michael Holzer: Ich habe an der Kunstuniversität in Linz Industriedesign studiert und dann schon relativ bald im Studium bemerkt, dass die Leidenschaft für die Grafik ähnlich groß ist, wie jene für Produktdesign. Ich habe dann auch versucht, dass ich alle möglichen Kurse besuche und dann auch während des Studiums – zum Geld verdienen – habe ich auch schon größere und kleinere Grafikprojekte selbstständig abgewickelt. Die Resonanz war dann so gut, dass sich das dann über die Jahre immer weiter gesteigert hat. Und im Endeffekt bin ich dann fließend in die Selbstständigkeit übergegangen.

Parallel dazu hat sich auch das Möbeldesign als Schwerpunkt für mich immer mehr herauskristallisiert. Möbel habe ich immer schon spannend gefunden, weil sie eine gewisse emotionale Wirkung auf Menschen und auf das Umfeld haben. Das habe ich über die Jahre weiter intensiviert. 2013 habe ich dann gemeinsam mit Stefan Bartel das auf Möbeldesign spezialisierte Designstudio BARTEL/HOLZER gegründet. Wir entwerfen Möbel für europäische Produzenten, die dann unsere Entwürfe herstellen und unter ihrer Marke vertreiben. Wie man sieht, hat sich diese Kombination im Laufe der Jahre so entwickelt.

Ich war oft vor der Entscheidung, ob ich mich in irgendeine Richtung spezialisieren soll, weil es doch oft auch sehr viel ist, gerade wenn mehrere Projekte parallel laufen. Ich habe das aber nicht gemacht, worüber ich momentan sehr froh bin. Ich bin sehr zufrieden mit der Kombination und im Endeffekt macht das dann auch die Spannung aus. Das macht es interessant, diese große Abwechslung.

CREATIVE REGION: Gibt es Synergien zwischen diesen unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern?

Michael Holzer: Ja, natürlich gibt es Synergien. Wie vorher erwähnt, ist sicher die Abwechslung der unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche und der unterschiedlichen Problemstellungen einer der größten Vorteile. Jedes Projekt ist anders und in gewisser Weise neu. Das heißt, man muss sich von Grund auf in Themen der Problemstellungen einarbeiten, das geht dann meist mit einer intensiven Recherche einher. Im Entwurfsprozess selbst versucht man dann sehr viel, man probiert viel aus, vieles funktioniert nicht. Man probiert dann noch mehr aus und irgendwann kommt man dann zum gewünschten Ergebnis.

Und gerade der Prozess von der Recherche bis zum Endergebnis ist jener, von dem ich Disziplinen-übergreifend am meisten profitiere. Oft ist es so, dass z. B. im Grafikdesign verworfenen Ideen, keine verlorenen Ideen mehr sind, denn die kann man dann aufgreifen – oder Details davon – und in abgewandelter Form in einem anderen Projekt wieder einsetzen. Das können simple Dinge wie Materialkombinationen oder Farbkombinationen sein, aber auch Proportionen, Linienführungen, usw.

CREATIVE REGION: Nach acht Jahren Selbstständigkeit hast du dein Büro jetzt in die Tabakfabrik Linz verlegt. Warum?

Michael Holzer: Die Tabakfabrik ist kein neues Pflaster für mich. Ich habe schon sehr früh für die CREATIVE REGION, die auch in der Tabakfabrik sitzt und für die Tabakfabrik Linz Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft mbH Projekte abwickeln dürfen. Das heißt, ich war wirklich von Beginn an dabei und habe den Entwicklungsprozess der Tabakfabrik selbst miterlebt. Ich bin in gewisser Weise selbst mitgewachsen, auch beruflich mitgewachsen. Ich habe im Laufe der Zeit auch ein Netzwerk aufgebaut und einige Auftraggeber/-innen hier. Ich finde auch das Areal an sich sehr spannend, auch geschichtlich und architektonisch. Somit war es für mich irgendwie naheliegend, dass ich das neue Büro jetzt hierher verlege. Ich bin sehr froh, dass das schlussendlich geklappt hat und freue mich darauf, was hier in Zukunft noch Spannendes passieren wird.

CREATIVE REGION: Im November 2018 hast du gleich vier Mal den CAESAR-Werbepreis gewonnen. Welche positiven Veränderungen bringt so ein Preis mit sich?

Michael Holzer: Natürlich ist das eine sehr schöne persönliche Erfahrung und stärkt das Selbstbewusstsein. Auf der einen Seite ist es auch eine Bestätigung, dass man gute Arbeit abliefert. Es ist aber auch eine Bestätigung für Kunden, dass sie mit mir als Projekt- oder Kooperationspartner die richtige Wahl getroffen haben. Was natürlich in weiter Folge auch bestehende Geschäftsbeziehungen stärken kann.

Solche Preise bringen im Allgemeinen natürlich auch Aufmerksamkeit, auch medial. Gerade beim CEASAR-Werbepreise, der stark regional und oberösterreichbezogen ist, ist man schlagartig kein No-Name mehr, in der oberösterreichischen Werbelandschaft, was natürlich zur Folge hat, dass man eventuell zu neuen Auftraggebern, Aufträgen und Kooperationen kommt oder bestehende Geschäftsbeziehungen stärken kann.

In letzter Zeit ist mir auch aufgefallen, dass man scheinbar auch als potenzieller Arbeitgeber interessant wird, das finde ich auch sehr spannend. Insgesamt hat es auf jeden Fall für mich einige positive Auswirkungen gehabt.

CREATIVE REGION: Wie wichtig sind Messeteilnahmen für DesignerInnen? Welche Messen sollte man nicht verpassen?

Michael Holzer: Messen sind ein schwieriges Thema. Es kommt stark darauf an, welchen Fokus man hat oder welche Schwerpunkte man verfolgt. Für mich machen Messen im Möbelbereich Sinn, und zwar dahingehend, dass auf Messen die großen Hersteller versammelt sind, die potenzielle Auftraggeber sind. Man kann dort relativ effizient Akquisegespräche führen oder bestehende Kunden besuchen, Neuheiten besprechen, sich gegenseitig updaten.

In der Praxis hat sich das für mich aber teilweise als sehr schwierig herausgestellt, weil es nicht einfach ist, dass man im Vorfeld persönliche Termine bei einem Hersteller bekommt, vor allem, wenn man sie vorher noch nicht persönlich kennt. Und auch spontan vor Ort sind meist die zeitlichen Ressourcen nicht gegeben, dass man tiefgreifendere Gespräche führt. Der für mich eher interessantere Teil: Gerade als Gestalter sollte man schauen, dass man immer am neuesten Stand ist, was Trends, Materialien, neue Technologien, allgemeine Marktneuheiten betrifft, und da sind natürlich Messen eine gute Möglichkeit, sich jedes Jahr aufs Neue wieder informiert. Ganz konkret finde ich spannend, dass es viele Produkte gibt, die man irgendwo im Internet oder wo auch immer auf Bildern sieht, und dass man die Produkte auch wirklich physisch vor sich hat, sie angreifen kann, sich Detaillösungen ansehen kann. Das ist für mich sehr wichtig, bzw. empfinde ich das als wichtig. Welche Messen man besuchen könnte, kommt stark auf den Fokus an. Für mich gibt es die imm cologne in Köln und die Salone del Mobile.Milano in Mailand, das sind möbelmäßig die Messen, die für mich am wichtigsten sind. Da sind auch alle großen Hersteller vertreten. Dann gibt es noch die MAISON&OBJET PARIS in Paris und die ORGATEC in Köln, die ich auch noch interessant finde. National ist vielleicht noch die möbel austria in Salzburg zu nennen, dich auch immer einen Besuch wert ist.

CREATIVE REGION: Woher holst du dir neue Inspirationen und Ideen?

Michael Holzer: Zum einen ist es wichtig, mit offenen Augen und Ohren aufmerksam durchs Leben zu gehen. Es gibt überall viel zu entdecken. Natürlich hole ich mir auch gezielt Inspirationen z. B. bei anderen Disziplinen, wie Architektur, Kunst oder Mode, aber auch bei anderen Gestaltern, bzw. neue Technologien und vor allem bei gut gelösten Projekten oder Produkten, bei allem was mich selbst zum Staunen bringt und begeistert und mich in weitere Folge auch motiviert, das inspiriert mich auch. Zum Thema „Kopie“: Natürlich versuche ich als Gestalter immer möglichst eigenständige Lösungen zu generieren. Gerade im Möbeldesign hat man oft das Gefühl, dass es alles in irgendeiner Form schon einmal gegeben hat. Das ist auch ein bisschen geschichtlich bedingt, weil sich ab einer gewissen Zeit Möbel nicht mehr so stark verändert haben, wie Produkte in anderen Bereichen durch neue Technologien. Das ist ähnlich wie bei der Mode. Zusätzlich ist man als Gestalter ja immerhin Dienstleister und je nach Auftraggeber gebunden an Materialien, Preise oder Fertigungstechniken. Man bewegt sich oft in einem sehr engen Rahmen und versucht immer die größtmögliche Innovation herauszuholen.

CREATIVE REGION: Was kann man von dir in nächster Zeit erwarten?

Michael Holzer: Was die Grafik betrifft, wird es von der Brennerei Dambachler, für die ich auch die Essigverpackung letztes Jahr gemacht habe, eine neue Schanklinie geben, bei der ich die Markenentwicklung mitgestalte und auch das Verpackungsdesign. Ein weiteres Branding-Projekt läuft mit einer Kaffeerösterei, wo es auch um die Marke und das Verpackungsdesign geht. Auch in der Tabakfabrik tut sich einiges: Das neue Innenleitsystem wird demnächst produziert, das Projekt selbst läuft schon zirka ein Jahr, jetzt geht es dann an die Produktion. Bei Möbeln ist momentan letzte Woche auf der imm cologne in Köln ein Kooperationsprojekt mit einem polnischen Produzenten präsentiert worden. Da geht es um Beistell- und Couchtische, da wird es in Zukunft auch noch ein Korpusmöbel-Projekt geben, über das ich im Moment noch nicht zu viel verraten darf.

CREATIVE REGION: Mit wem sollten wir unbedingt demnächst eine Creative Coffee Break machen?

Michael Holzer: Wo ihr unbedingt vorbeischauen solltet, ist bei den Kollegen von MARCH GUT, bei Marek und Christoph. Weiters ist sicher das Quartier Studio Linz auch interessant, das ist ein relativ neues Studio, bei dem mehrere unterschiedliche Persönlichkeiten mitwirken, z.B. Natalie Pichler, Interior Design, oder Florian Schwarz, Video und Fotografie, oder auch Stefan Mayerhofer, ebenfalls Fotograf. Die freuen sich sicher, wenn ihr auf einen Kaffee vorbeischaut.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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