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Carmen Deisinger und Timo Nau sind Aist Möbel und wurden 2019 mit dem Austrian Interior Design Award in der Kategorie Produktdesign/Schlafen für ihr Bett „Heiter bis Wolkig“ ausgezeichnet. Bei der 17. Ausgabe der Creative Coffee Break verraten sie, wie sie zum Möbeldesign gekommen sind und warum sie das Home-Office dem Studio vorziehen. Außerdem erzählen sie uns die Geschichte von Agnes, warum in Aist-Betten gekrümelt werden darf und an welchen Projekten sie neben Aist noch arbeiten. 

Creative Coffee Break #17 mit Aist Möbel zum Nachlesen

CREATIVE REGION: Erzählt uns bitte von eurem Werdegang…

Carmen Deisinger: Hallo! Ich bin Carmen Deisinger. Ich war von klein auf kreativ, habe immer gewerkt und an irgendwelchen Projekten gearbeitet. Ich habe dann nach der Grafik-HTL Industriedesign studiert und mich danach im Bereich Produktdesign selbstständig gemacht. Dann haben wir uns kennengelernt. Timo hat in Salzburg studiert. Magst du auch etwas sagen? 

Timo Nau: Vor dem Designstudium habe ich Tischler gelernt. Das ist alles durch Bauchentscheidungen organisch gewachsen. Ich habe zuerst am Tischlern extrem Spaß gehabt und dann dachte ich, das Logische ist Möbeldesign hinterher. Nach dem Studium war der Weg in die Selbstständigkeit mehr ein Versuch am Anfang. Mit den Jahren habe ich dann immer mehr gemacht und gemerkt, dass das genau das Richtige für mich ist. Seitdem wir das zusammen machen, können wir uns auch ein wenig mehr arrangieren.

CREATIVE REGION: Wie bringt ihr die Produktion und den Vertrieb unter einen Hut?

Timo Nau: Man muss tatsächlich sagen, dass wir uns in vielen Bereichen viele neue Dinge aneignen mussten, auch gerade mit der Marke Aist. Das ist eigentlich das erste Projekt, wo wir wirklich auch als Produzent und im Vertrieb – wo wir wirklich vom Entwurf bis zum Verkauf – alles machen. Es wird uns keiner glauben und es entspricht auch nicht der Realität, dass wir wirklich alles zu zweit machen. Wir haben im Entstehungsprozess, während der letzten drei Jahre, viel tolle Hilfe gehabt. Hier möchten wir gerne Ron Sandmayr nennen, der uns geniale Fotos geschossen hat, die Grafikagentur Himmel Design & Kommunikation, die in Innsbruck sitzt, und Michi Holzknecht, der uns die Homepage gemacht hat.

Carmen Deisinger: Und Clara Gallistl, die uns bei der Community-Building-Strategie geholfen hat.

Timo Nau: Es sind ganz viele Leute, die uns nämlich nicht so sehr förmlich unterstützt haben, sondern das sind eher Bekannte und Freunde, die uns professionell geholfen haben. Das ist auch ein bisschen unsere Philosophie, dass es auch im Beruf sehr familiär funktioniert.

CREATIVE REGION: Wer sind eure KäuferInnen? Wie sieht eure „Persona“ aus?

Timo Nau: Wir haben in der Tat mit Clara Gallistl, Carmen hat es schon erwähnt, Marketingpersonas kreiert. Lustigerweise trifft das ziemlich genau zu.

Carmen Deisinger: Sogar der Name des Öfteren.

Timo Nau: Wir haben unsere Marketingpersona Agnes genannt und jetzt haben wir plötzlich zwei Agnes, die angefragt haben. Sogar dieser Zufall stimmt. Aber es ist sehr bunt gemischt und auch der Weg, wie die Leute zu uns kommen ist manchmal sehr skurril, da werden wir manchmal überrascht. Ein Pärchen aus Hannover hat angefragt, wir haben natürlich als Erstes gefragt: „Wie kommt ihr aus Hannover zu uns?“ Sie haben den Donauradweg gemacht, sind in Linz bei Brotsüchtig auf einen Kaffee gegangen und haben dort unser Prospekt gesehen. Es sind oft nicht die geplanten Marketingwege, die funktionieren, sondern oft auch sehr viele überraschende.

CREATIVE REGION: Habt ihr Aktionen wie den „Brunch im Bett“ im 25hours Hotel in einem Marketing-Plan verankert?

Timo Nau: Eigentlich ist das ein kontinuierlicher Plan. Es ist jetzt nicht so, dass wir uns hinsetzen und genau die Aktionen schreiben, sondern es passiert manchmal, wenn man auf ein Bier geht, dass man auf so eine Marketingaktion kommt. Es sind oft spontane Ideen, die wir umsetzen. 

Carmen Deisinger: … bei denen wir unsere Persona im Hintergrund haben und überlegen, wo man z. B. Agnes – wir haben drei Personae entwickelt – am besten antreffen würde. Dann kristallisieren sich verschiedene Locations heraus, wie eben z. B. dieses Hotel.

Timo Nau: Wir wissen durch die Persona recht genau, welche Medien wir anschreiben und in welchen Medien wir gerne präsent wären. Es ist ja auch nicht immer so leicht, dass man das schafft. Weil wir keine gelernten Marketingexperten oder Vertriebler sind, lernen wir jeden Tag dazu und werden überrascht. Ich glaube, es gibt für keine Firma einen ganz „straighten“ Plan.

CREATIVE REGION: Was war so ein Überraschungsmoment im Marketing, das gut funktioniert hat?

Timo Nau: Man merkt immer, wenn wir Zeitungen oder Verlage anschreiben, dass dort auch ganz normale Menschen sitzen, die vielleicht auch einfach sagen: „Mir gefällt das Produkt.“ Der Weg zu einem Bericht führt dann nicht immer über die Kosten, sondern auch über ein Bauchgefühl oder den Geschmack, weil die Leute dort sagen: „Mir taugt das.“ Bei der Wienerin haben wir einen ganz tollen Bericht bekommen und haben zusammen mit dem Fotografen in der Werkstatt eine Fotoserie gemacht. Das hat uns extrem viel Spaß gemacht und auch sehr gut gefallen, da es nicht von uns ausgegangen ist, sondern von der Wienerin zu uns gekommen ist.

CREATIVE REGION: Warum seid ihr vom Studio ins Home-Office gewechselt und wie geht‘s euch damit?

Carmen Deisinger: Wir haben das Riesenglück, eine sehr große Wohnung im Herzen von Linz zu haben, wo es möglich ist, dass jeder sein eigenes Büro hat mit dem Ausblick auf vier oder fünf Kirchtürme und den ganzen Tag Sonnenschein. Es gibt wenige Büroflächen im Zentrum, wo man das hat.

Timo Nau: Für mich ist es hauptsächlich ein Stück Bequemlichkeit, weil man zu Hause alles zur Verfügung hat. Man kocht sich Mittagessen wann man will, man muss relativ wenig organisieren, man kann im Schlafanzug vorm Computer sitzen, wenn man mag, man hört auf und fängt an wann man will. Für mich hat das viele Vorteile. Manche sagen, man könne wenig abschalten, aber wir haben zwei eigene Büros und wenn man aus den Büros rausgeht, ist auch Feierabend. Wir können das ganz gut trennen.

CREATIVE REGION: An welchen Projekten arbeitet ihr neben den Aist Betten gerade?

Timo Nau: Spannend ist es immer, wenn man von Projekten erzählt, die gerade frisch rauskommen, aber natürlich sind für uns die spannenden Projekte die an denen wir gerade arbeiten. Gerade abgeschlossen ist ein Sofa von Extraform, einer serbischen Poltermöbelfirma und ich arbeite zurzeit mit Uniqum, die machen 3D-Betondruck. Das ist eine neue Technik, die interessant ist und im Vergleich zum restlichen 3D-Druck vielleicht noch ein bisschen in den Kinderschuhen steckt, weil es noch teilweise wuchtig und grob ist, aber lässig fürs Design nutzbar ist. Das ist ein spannendes Projekt. Ansonsten machen wir eine Brauereigestaltung – ein Brauereishop ist gerade in der Pipeline. Und sonst laufen über das ganze Jahr viele Möbelprojekte.

Carmen Deisinger: Zusammen arbeiten wir gerade an verschiedenen Dining-Tables für Schösswender. Ich habe mich in den letzten Monaten damit beschäftigt für die Grüne Erde eine Leuchtenserie zu entwickeln, die im Frühling rauskommen wird, bei der es um die Verbindung 3D-Gestrick und Holz geht. Also auch darum alte Materialien mit neuen Fertigungstechniken zusammenzubringen. Dann habe ich für Rossin, einer italienischen Firma, ein Polstermöbeldesign entwickelt, bei dem wir gerade in der Prototypenentwicklung sind. Vorwiegend also verschiedene Sitzmöbel und viele kleinere Projekte.

CREATIVE REGION: Was wird man sonst noch von euch in nächster Zeit sehen?

Timo Nau: Letzte Woche am Freitag waren wir gerade bei unserem Schindelhersteller, die Schindelproduktion ist für uns selber extrem spannend. Es gibt eigene Schindelbäume! Daraus machen wir jetzt eine Story.

Carmen Deisinger: Die wird es dann auch bald auf unserer Homepage nachzulesen geben.

Timo Nau: Da beschreiben wir auch die Kooperation zwischen dem Schindelbauer und uns. Genau.

CREATIVE REGION: Mit wem sollten wir unbedingt demnächst eine Creative Coffee Break machen?

Carmen Deisinger: Wir haben gesagt: Zwei Stockwerke runter! Zu den Muh – Moser und Hager Architekten! Das ist sicher sehr spannend.

Timo Nau: Mit denen haben wir leider gar nicht so viel beruflich zu tun, aber wir sehen sie immer im Treppenhaus und reden ein bisschen.

Carmen Deisinger: Und tauschen uns aus.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

Collaboration Collider for Cultural and Creative Industries

Dieses Interview ist Teil des Projekts COCO4CCI, das sich die Vernetzung zwischen der Kultur- und Kreativwirtschaft (CCI) und produzierenden Unternehmen zum Ziel gesetzt hat. Gemeinsam mit dem Möbel- und Holzbaucluster der Business Upper Austria legen wir den Fokus in Oberösterreich dabei auf das Thema „advanced architecture“, um Innovationen voranzutreiben und Kooperationen zu fördern. COCO4CCI wurde mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert.

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