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Das war der Workshop HIGH PERFORMANCE KREATIVITÄTSTRAINING

Erfolgreich ist der, der kreativ ist. Beim dritten Workshop der Reihe FOKUS: KOMMUNIKATION in der Grand Garage der Tabakfabrik in Linz haben sich am 21. November 2019 fünfundzwanzig kreative Köpfe aus der heimischen Kreativwirtschaft getroffen. Nicht nur, um sich untereinander auszutauschen, sondern vor allem auch deshalb, um zu lernen, wie man noch effizienter Ideen generiert. Den Workshop leitet Dieter Weidhofer, seines Zeichens erfolgreicher Kommunikationsberater und Coach. Seit über 30 Jahren begleitet er Unternehmen bei ihren Innovationsprozessen, bei der Ideenentwicklung und im Innovationsmanagement. Er ist Partner von Mario Pricken und im Laufe seiner Karriere vielfach mit renommierten nationalen und internationalen Werbepreisen ausgezeichnet worden. Darunter finden sich Auszeichnungen bei Werbefestivals wie CCA, DMVÖ, IAA EFFIE Awards oder Clio Awards, Cannes Lions und Golden Drum. Beim WorkshopHigh Performance Kreativitätstraining“ beschreiten Kreativschaffende gemeinsam mit Dieter Weidhofer neue Wege der Ideenfindung. „Ich möchte den TeilnehmerInnen Methoden und Instrumente an die Hand geben, die außerhalb der Norm liegen. Der heutige Workshoptag kann eine Initialzündung sein, sich selbst bei der Ideenentwicklung auszuprobieren.“, so Dieter Weidhofer über das Tagesziel.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird schnell klar: Jede Menge Profis sind im Raum! Viele Kolleginnen und Kollegen namhafter heimischer Agenturen haben sich eingefunden. Wer vermutet, dass Konkurrenzgedanken aufkommen, täuscht sich, denn man sieht sich augenzwinkernd als „Marktteilnehmer“, weniger als „Konkurrent“, wie ein Workshopteilnehmer gleich zu Beginn einwirft. Nun denn, auf die Frage, warum denn Kreative bei ihrer täglichen Arbeit manchmal das Gefühl haben, in ihren Ideen bzw. in ihrem Ideenfindungsprozess eingeschränkt zu werden oder sich selbst einzuschränken, hat Dieter Weidhofer eine einfache Erklärung: „Früher waren Methoden und Techniken fixer Bestandteil der Ausbildung. Heute werden sie zwar grundlegend vermittelt, aber innerhalb der Ausbildung nicht praktisch angewendet. Daher sind manchmal einfach zu wenige Skills vorhanden.“ Beim Workshop eignen sich die TeilnehmerInnen neue Skills an, um in kürzester Zeit außergewöhnliche Ideen zu generieren und daraus inspirierende Strategien entwickeln zu können. Mit den vermittelten Anregungsmethoden kann eine Vielzahl an unterschiedlichsten Ideen strukturiert produziert werden, denn Kreativität ist nicht nur Bauchgefühl.

Die Truppe mit Workshopleiter Dieter Weidhofer und Verena Kroupa (CREATIVE REGION). Credits: Frameworker

Die Zielformulierung

Essenziell für kreatives Arbeiten ist die Zielformulierung. Dorthin soll das Briefing führen. Die drei wesentlichen Stufen eines guten Briefings:

  • Briefing
  • Re-Briefing
  • Creative Briefing

Das Briefing umfasst mehr oder weniger den Auftrag des Kunden, es ist vorzugsweise schriftlich und beinhaltet die Wünsche aus Sicht des Kunden. Darauf folgt das Re-Briefing, bei dem das Briefing anhand marktseitiger Einflussfaktoren überprüft wird. Das Creative Briefing erfolgt aus der Sicht der Agentur. Dieter Weidhofer gibt den TeilnehmerInnen des Workshops wertvolle Tipps mit auf den Weg, worauf sie beim Gespräch mit den Kunden achten sollen. So sollte die gestellten Fragen immer auf drei Schlüsselthemen abzielen:

  • Was ist das Problem?
  • Was ist das Ziel?
  • Und sind die Informationen Wissen oder Annahme?

Aus Briefing und Re-Briefing entstehen die Zielformulierung und somit die strategische Ausrichtung der Kommunikationsaufgabe. Dieter Weidhofer erklärt die Bedeutung der Zielformulierung genauer: „Ohne ein klar definiertes Ziel können keine Ideen entstehen, die die Zielgruppe verstehen wird.“ Wichtig für die Zielformulierung ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, Zielformulierungen sind also Single-Minded Propositions. Und auch bei der Formulierung an sich gilt es einige Regeln zu beachten. So sollte das Ziel immer als Frage formuliert sein, keine Fremdwörter oder Fachbegriffe enthalten und so kurz wie möglich sein. Gemeinsam wird intensiv in Kleingruppen an Zielformulierungen realer Anwendugnsfälle gearbeitet. Ein Beispiel: Wie können wir Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahre auf unterhaltsame Weise motivieren, ihre persönlichen Nachhaltigkeitsprojekte auf unserer Website einzutragen?

Der Kreativprozess

Die Zielformulierung ist bereits der erste Schritt im Kreativprozess. Nach der Mittagspause beschäftigt sich die illustre Runde mit den nächsten Steps. Hat man nämlich das Ziel vor Augen, kann man sich an die Materialsammlung machen und deshalb wird ein allseits bekanntes Tool der Ideengewinnung intensiv besprochen. Brainstorming eignet sich nämlich ganz gut, um an Ideen zu kommen, doch wird es häufig nicht richtig angewendet. Ein paar Regeln für zielführendes Brainstorming sind angebracht. So braucht Brainstorming einen zeitlichen Rahmen, 20 bis 40 Minuten sind ein guter Richtwert, und es sollten maximal vier bis fünf Personen teilnehmen. Dieter Weidhofer meint außerdem: „Brainstorming ist keine Diskussion, es geht nicht darum, über etwas intensiv nachzudenken, sondern um schnelles Assoziieren, denn es dient dazu so viel Material wie möglich zu sammeln. Außerdem soll es vor allem Spaß machen.“

Spaß macht auch die anschließende Übung: 30 Sekunden lang machen sich die TeilnehmerInnen darüber Gedanken, was man mit einer Büroklammer machen kann, außer Papier zusammenzuklammern. Zu zweit wird mit den Gedankenblitzen Pingpong gespielt und die Einfälle sind mehr als unterhaltsam: Man könnte sie als Dietrich verwenden, Blitze ableiten oder gar – ähm -Nasenbohren. Die Übung fällt den TeilnehmerInnen leicht. Runde zwei ist weitaus kniffliger, denn nun soll die Büroklammer für etwas verwendet werden, was es bisher noch nicht gab. Vom Gartenzaun über die Katzenbürste bis hin zur Tätowiernadel kommen dennoch schlaue Vorschläge. „Schwieriger zu lösen ist die Aufgabe deshalb“ so Dieter Weidhofer, „weil die Idee besser sein muss als alles Bestehende.“ Weiter geht die amüsante, wenn auch vorerst etwas absurd wirkende, Übung: Was ist das Gute daran, wenn dein Haus abbrennt? Schon steigt auch die Temperatur der Mitwirkenden: „Endlich Ordnung in der Bude!“, „Ich brauche keine Miete mehr bezahlen!“, „Weil Dokumente vernichtet wurden, steht der neuen Identität nichts mehr im Weg!“, „Ich bekomme Mitleid aus meinem Umfeld und Geld von einer Charity-Aktion!“, „Ich brauche mir über die Leichen im Keller keine Gedanken mehr machen!“, hallt es aus den Reihen.

Und der Sinn der Sache? Eben genau diese Absurdität! Denn es geht darum, bekannte Wege zu verlassen und neue Perspektiven zuzulassen!

Das passt ins Bild, denn auch beim Brainstorming soll nicht bewertet werden und alle Gedanken sind erlaubt, das ermöglicht „Chancen zu denken.“ Verschiedene Anregungsmethoden für den Denkprozess hat Dieter Weidhofer selbstverständlich auch im Gepäck und die WorkshopteilnehmerInnen können sie auch sofort anwenden. Der Nachdenkprozess wird z. B. durch visuelle Zufallsanregung, den Mind Jumble Pictures, unterstützt. Dabei werden ungewöhnliche, verrückte oder inspirierende Zufallsbilder gezeigt, die mit dem Thema nichts zu tun haben, die TeilnehmerInnen jedoch emotionalisieren und ihre Fantasie anregen. Auf die Leinwand im Workshopraum werden Bilder von Spielzeugautos, Müllhalden, Filmplakaten oder Superhelden geworfen, die neue Gedankenwege in den kreativen Köpfen auslösen sollen. Eine weitere Anregungsmethode ist Mind Jumble Words, nach Edward de Bono, bei der Schlüsselbegriffe mit themenfremden Zufallswörtern zu neuen Wortkombinationen zusammengesetzt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass es sich sowohl beim Schlüsselbegriff als auch beim Zufallsbegriff jeweils um Substantive handelt und die Zufallsbegriffe provokant oder zumindest ungewöhnlich sind. So entsteht z. B. aus dem Wort „Messe“ und dem Zufallswort „Rausch“ das neue Wort „Messerausch“. Der Begriff erzeugt neue gedankliche Verbindungen, die inspirativ wirken. Ebenso können Filmtitel, Computerspiele oder Boulevard-Headlines für die Zufallsanregung herangezogen werden. In jedem Fall macht Ideengewinnung mit diesen Methoden richtig viel Spaß und wie gesagt: Außergewöhnliche Ideen brauchen eben ungewöhnliche Methoden!

Das gesammelte Material wird mit etwas gedanklichem Abstand im vorgestellten Kreativprozess zu ersten Ideenansätzen weiterentwickelt und mehrere Ansätze können zu neuen Ideenkonzepten kombiniert werden. Im nächsten Schritt des Prozesses werden die Ideenansätze weiter reduziert und auf die Markttauglichkeit und Zielgruppenrelevanz hin überprüft. Schließlich soll das dann in der Kreation und konkreten Umsetzung der Idee münden. Fazit: Mit rauchenden Köpfen, seitenweise hilfreichen Unterlagen und mindestens genau so vielen neuen Sichtweisen, Skills und Methoden gehen die TeilnehmerInnen zurück an ihre (Kreativ-)Arbeit. Mission accomplished!

Noch zwei Workshops bis Ende Jänner

Der Workshop „High Performance Kreativitätstraining“ ist Teil der Reihe FOKUS: KOMMUNIKATION, die von der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria in Kooperation mit dem CREATIV CLUB AUSTRIA ins Leben gerufen wurde. Zwei Workshops stehen noch auf dem Programm: Am 12.  Dezember steht das Thema Branding im Mittelpunkt, am 30. Jänner 2020 Storytelling & Content Creation.

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