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Von Hockern, Servierbrettern und internationalen Awards

Dass ein Hocker mehr sein kann als ein Brett mit drei Beinen oder Ausstellungen auch schön UND informativ zugleich sein können, stellt das Linzer Designerduo March Gut gekonnt unter Beweis. Christoph March und Marek Gut sind mit ihrer reduzierten Formensprache und klarer Ästhetik seit zehn Jahren fixer Bestandteil der heimischen Interior- und Möbeldesignszene. Renommierte KundInnen aus den unterschiedlichsten Branchen von Industrie über Hotellerie bis hin zu Museen vertrauen auf das feine Gespür der Gestalter für Material, Form und Farbe. Und das macht sich bezahlt: Nationale und internationale Awards zieren die Regale im Studio in der Linzer Altstadt. In der 26. Ausgabe der Creative Coffee Breaks erzählen sie unter anderem davon, wie ihre kulturelle Herkunft die Arbeit beeinflusst, warum Deadlines gut sind und was ihr Erfolgsgeheimnis ist.

Creative Coffee Break #26 mit March Gut zum Nachlesen

Madeleine Plass von der CREATIV REGION: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Creative Coffee Breaks. Ich bin Madeleine Plass und es freut mich ganz besonders, dass wir heute zu Gast bei Christoph March und Marek Gut sind. Mit March Gut ist eines der erfolgreichsten Designstudios zu Hause in der Linzer Altstadt. Das Designerduo feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Studiobestehen und entwickelte beispielsweise das Gesamtkonzept in der Grand Garage hier bei uns in der Tabakfabrik Linz. Was ihren bahnbrechenden Erfolg ausmacht und welche spannenden Projekte demnächst anstehen, erzählen sie uns jetzt bei einer Tasse Kaffee.

CREATIVE REGION: Was macht March Gut?

Marek Gut: Wir beschäftigen uns mit Innenraumdesign und Möbel. Und im Speziellen hat es uns in den letzten Jahren sehr stark in den Ausstellungsbereich getrieben. Hier machen wir Ausstellungsgestaltungen und Konzeptionen im Interiorbereich, aber genauso Möbel und dergleichen.

CREATIVE REGION: Ihr feiert dieses Jahr euer 10-jähriges Bestehen. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?

 Christoph March: EIN Erfolgsgeheimnis gibt es wahrscheinlich nicht. Das sind sicher sehr viele, eine Mischung, wahrscheinlich aus unserer Art zu arbeiten. Uns war relativ bald klar, von Anfang an, dass wir eine gewisse Beständigkeit brauchen, weil die Projekte über eine lange Zeit gehen. Das passt auch mit unserem 10-Jährigen zusammen. Man muss einfach Durchhaltevermögen haben und sich den Spaß und die Freude an der Arbeit erhalten. Man muss auch sagen, in den letzten zehn Jahren hat es viele Herausforderungen gegeben, aber im Grunde würden wir es wieder so machen, wie jetzt.

CREATIVE REGION: Ihr habt in Zeiten von Corona das Servierbrett Alma für das Biohotel Schwanen entwickelt. Wie kann Design durch Covid19 aufkommende Probleme lösen?

Christoph March: Design ist immer – gerade in diesem Bereich – ein Teil eines Ganzen und kann mit Sicherheit viel beitragen. Das Servierbrett ist ein super Beispiel für die ganze Situation, wie sich unser Arbeitsalltag verändert hat. Es ist komplett digital entstanden, d. h. wir haben uns nie gesehen, das Team, wir hatten wirklich nur ZOOM-Meetings. Der ganze Entwurf wurde digital abgewickelt; auch die Produktion. Mit dem Tischler in Vorarlberg, Markus Faißt, haben wir öfter telefoniert. Wir hatten gute Gespräche, aber nie face-to-face.

Marek Gut: Auch die Prototypen sind hin- und hergeschickt worden. Zuerst als digitale Daten und dann die Fräsdaten, der erste Prototyp, der weitere. Hier ging es auch darum, etwas ganz Einfaches zu machen. Einfach unter Anführungszeichen, weil reduzierte Sachen auch ganz komplex sind – alles innerhalb kurzer Zeit von null bis Produkt. Es sind ja auch nur einige Wochen vergangen, von daher hat das super funktioniert.

CREATIVE REGION: Stichwort „Awards“: Auszeichnung oder Akquisetool?

Christoph March: Das ist auf jeden Fall beides. Es ist eine Auszeichnung und auch ein Akquisetool. Das muss man sagen. Wir freuen uns über jeden Preis total, weil man so drinnen ist und kennt, wie so etwas funktioniert. Dann weiß man auch, dass nicht jedes Produkt automatisch einen Preis bekommt. Gerade wenn man den Red Dot Design Award sieht, bei dem es wirklich tausende Einreichungen gibt. Ein solcher ist auf jeden Fall eine Auszeichnung für Qualität, fürs Design, auch für den Hersteller, für verschiedenste Faktoren. Es ist auf jeden Fall so, dass wir das sehr gut und wichtig finden. Ja, es ist auch ein Akquisetool. Das muss man ganz klar sagen. Das machen wir auch bewusst so, das passt auch. Es ist auf jeden Fall beides.

Marek Gut: Es ist auch kein großes Geheimnis, dass man für die Award-Einreichungen zahlen muss. Oft wird das so verstanden, dass wenn man dafür bezahlt, ihn auch bekommt. Dem ist aber nicht so. Es ist oft auch eine finanzielle Herausforderung, die oft nichts zurückbringt. Das passiert genauso.

CREATIVE REGION: Designstudio, Selbstständigkeit und Familie. Wie bringt ihr alles unter einen Hut?

Marek Gut: Es ist sicher in vielen Momenten schwierig, es unter einen Hut zu bringen und funktioniert auch nur, weil wir beide Verständnis dafür haben und in der gleichen Situation sin. Und weil unsere Partnerinnen und Familien, mit denen wir zusammenleben, auch großes Verständnis haben. Es können aber auch Gespräche und Diskussionen einmal ausarten. Das ist schon eine Herausforderung.

Christoph March: Aber im Grunde ist die Selbstständigkeit das Beste für die Familie, was man machen kann. Man hat alle Freiheiten, man kann arbeiten, wann man will, häufig eher dann, wenn es schon dunkel wird, wenn man es wieder hereinarbeiten kann. Man hat aber einfach die Möglichkeit, vollkommen flexibel und frei zu agieren.

CREATIVE REGION: Hat eure kulturelle Herkunft Einfluss auf euer Arbeiten?

Christoph March: Kultureller Background, ob der einfließt? Da sind wir uns nicht ganz sicher. Das diskutieren wir immer wieder, ein laufender Prozess darüber zu sprechen. Wir arbeiten momentan schon relativ viel in Südtirol. Marek – darüber können wir auch noch reden – hat Richtung Polen gute Kontakte. Wobei man sagen muss, dass unsere Arbeit immer sehr stark davon abhängig ist, nahe dran zu sein. Wenn man in der Innenarchitektur tätig ist, muss man sehr viel vor Ort sein. Das heißt, je kürzer der Weg ist, desto besser kann man Projekt abwickeln. Deshalb sind wir immer sehr stark angewiesen auf gute Partner, die wir vor Ort haben. Das ist in Südtirol zum Beispiel so. Deswegen haben wir dort einige Projekte laufen und es ist auch nicht ganz so weit zu fahren. Das muss man dazu sagen.

CREATIVE REGION: Wie schafft ihr es trotz Deadline kreativ, produktiv und motiviert zu bleiben?

Marek Gut: Ein Stichtag ist schon etwas Gutes. Es ist sehr angenehm, Projekte abzuschließen, auf etwas hinzuarbeiten und sich bestimmte Ziele zu stecken. Das ist gut und liegt uns auch. Wir haben nie Probleme damit, zum Glück.

Christoph March: In unserer Arbeit ist es wichtig und darauf setzen wir auch bewusst, dass unsere Projekte sehr unterschiedlich sind, dass wir von Produktdesign in die Innenarchitektur springen, von der Museumsgestaltung in irgendetwas anderes, das uns interessiert oder wo wir hinmöchten. Dadurch hat man immer die Neugier, man ist immer auf der Suche. Es ist immer etwas Neues, man muss sich mit neuen Dingen auseinandersetzen. Das hält es sehr spannend. Wir kommen selten in einen Trott hinein, wo immer das Gleiche passiert oder das Gleiche abgewickelt werden muss. Das hält das Ganze aus meiner Sicht – im Entwurf – auch sehr lebendig.

CREATIVE REGION: Wo und wie findet ihr Inspiration für eure Entwürfe?

Christoph March: Man kann da bei den Standardmessen anfangen, bei den Standardmagazinen: Wir versuchen jährlich, wenn sie stattfinden, in Mailand zu sein oder in Köln zu sein, wo man sich natürlich auch trifft, oder in Wien, bei der Design Week. Also alles, wo man sich trifft und sich mit Leuten austauschen kann und gute Gespräche hat mit anderen Kollegen. Natürlich ist auch digital extrem wichtig.

Marek Gut: Meine Inspirationsquelle ist es auch zu reisen, was derzeit etwas schwieriger und extrem schade ist. Auch ferne Reisen, z. B. vor zehn Jahren, als wir eine lange Reise durch Afrika gemacht haben, waren jedenfalls Inspirationsquellen. Man muss offen durch die Welt gehen, dann tauchen plötzlich Sachen auf, die man als Inspirationsquelle hernimmt.

CREATIVE REGION: Welche Projekte können wir von March Gut in naher Zukunft erwarten?

Christoph March: Ein Projekt, das uns momentan wirklich intensiv beschäftigt, ist die Landesausstellung 2021. Da dürfen wir einen Teil, den Innerberger Stadel in Steyr, gestalten – also die Ausstellung. Das ist in jeder Hinsicht ein extrem spannendes Projekt, wie jedes Projekt eines Museums oder einer Ausstellung, weil man mit Themen zu tun hat, mit denen man sich wieder einmal beschäftigen muss. Das macht extrem viel Spaß und Freude. Wir versuchen, eine spannende und abwechslungsreiche Ausstellung dort zu gestalten. Natürlich alles megageheim. Deshalb können wir nicht ganz in die Details gehen.

Marek Gut: Es ist sehr umfassend. Das Schöne an dem Bereich, den wir gestalten, ist, dass er als Dauerausstellung – als Museum – bestehen bleibt, über die Landesausstellung hinaus.

CREATIVE REGION: Bei wem sollten wir unbedingt auf eine Creative Coffee Break vorbeikommen?

Marek Gut: So wie wir Steyr kennengelernt haben, wäre es spannend, bei NEU/ZEUG vorbeizukommen. Die machen sehr schöne Sachen und arbeiten immer wieder mit neuen Technologien, wie Porzellan-3D-Druck. Und daher: Schöne Grüße an NEU/ZEUG.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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