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Nachhaltiges Einkaufen von passgenauer Kleidung

Stell dir vor, du shoppst online Klamotten und wenn sie geliefert werden, dann passen sie auch noch. Wohoo! Genau das hat sich Show My Size zum Ziel gesetzt. Aber nicht nur das: Vor allem Nachhaltigkeit und Ressourcen schonendes Shopping stehen im Fokus der MacherInnen und der Community von Show My Size.

Die App vereint einen nachhaltigen Marktplatz für neue und gebrauchte Kleidung mit einem lang ersehnten Wunsch passionierter Online-ShopperInnen: Das frisch erstandene Lieblingsstück sitzt, passt und hat Luft.

Was technisch hinter der personalisierten Größenempfehlung von Show My Size steckt, was die Community in ganz Europa eint und warum sich Etienne Koo’s Tag fast ausschließlich um die UserInnen dreht, erzählt die Gründerin bei einer Tasse Kaffee in der aktuellen Creative Coffee Break der Creative Region.

Creative Coffee Break #27 mit Show My Size zum Nachlesen

Verena Traunmüller/CREATIVE REGION: Herzlich Willkommen zur Creative Coffee Break. Wir sind heute in der Tabakfabrik Linz und trinken einen Kaffee mit Etienne Koo.

Etienne ist die Gründerin von Show My Size und sie gibt uns heute spannende Einblicke zum Thema Online Shopping und was das eigentlich für die Umwelt und die Nachhaltigkeit bedeutet.

Sie erzählt uns, wie Show My Size dazu beiträgt, dass die online gekaufte Kleidung tatsächlich passt und weniger zurückgeschickt werden muss. Ebenso berichtet sie uns, welche Einflüsse die Corona-Krise auf das junge Start-up hat.

Dies und noch vieles mehr erfährt ihr jetzt. Viel Spaß!

CREATIVE REGION: Was macht Show My Size?

Etienne Koo: Show My Size ist eine kostenlose App und in dieser App befindet sich ein nachhaltiger Marktplatz, wo User ihre Kleidung an andere User verkaufen können, die ihnen ähnlich sind, aber auch von Usern kaufen können, die ihnen ähnlich sind. Das Coole bei unserer App ist, dass wir den gesamten Lebenszyklus eines Kleidungsstücks abdecken. Man kann coole Einzelstücke finden, die z. B. neu sind, kann sie tragen und weiterverkaufen an Personen, die einem ähnlich sind. Derjenige bekommt dann ein neues Lieblingsstück.

CREATIVE REGION: Was war der Auslöser, deine Ideen praktisch umzusetzen?

Etienne Koo: Das Ziel war, von Anfang an, Kleidung passend kaufen zu können, ohne sie vorab probieren zu müssen, wenn man online etwas kauft. Schlicht und einfach deswegen, weil gerne unterschätzt wird, welch einen großen Einfluss der Kleiderkauf auf die Umwelt hat. Es gibt sehr viele Dinge in unserem Leben, wo wir sehr stark auf die Umwelt achten, aber beim Kleiderkauf gerät das oft ein wenig ins Hintertreffen.

Wenn man bedenkt, dass derzeit in der Industrie die Produktionszyklen sehr kurz sind und Fast Fashion-Trends dafür sorgen, dass alle zwei Wochen neue Kollektionen auf dem Markt sind, die gar nicht alle an den Mann oder an die Frau gebracht werden können, dass viele Kleidungsstücke vernichtet werden, umsonst produziert werden, dass Wasser verschwendet wird und Emissionen generiert werden durch diese Kleidungsstücke.

Da sagen wir: „Das muss nicht sein“. Uns war einfach wichtig, eine Lösung zu schaffen, die es den Usern ermöglicht, neue Kleidungsstücke auf eine nachhaltigere Art und Weise zu kaufen, sehr gezielt, passend, aber auch Kleidungsstücke, die sie schon getragen haben, an andere weiterzuverkaufen, die dann eine Freude mit dem neuen Lieblingsstück haben.

CREATIVE REGION: Stichwort: Sizing Algorithmus. Welche Vorteile verbergen sich hinter diesen personalisierten Größenempfehlungen?

Etienne Koo: Am Sizing Algorithmus haben wir lange gearbeitet. Wir haben gut zwei Jahre nur daran entwickelt, probiert, auch immer wieder Feedback eingeholt, Testgruppen gestartet, Testjobs aufgesetzt etc. – bevor wir dann damit in diese App reingegangen sind.

Der Sizing Algorithmus ist für uns eines der Hauptmerkmale, das uns von anderen Apps unterscheidet, weil wir den Usern die Möglichkeit bieten, nicht nur Kleidung zu verkaufen und zu kaufen oder neu zu kaufen, sondern dies tatsächlich passend zu tun.

Wenn der User das möchte – wir machen das auf freiwilliger Basis, man muss das nicht machen, aber wenn er das möchte – dann kann er den Algorithmus nutzen und ein paar Fragen beantworten – Körpergröße, Gewicht und ein paar andere Dinge. Wir matchen dann das, was er verkauft, mit Personen, die ihm ähnlich sind, sodass die User, die sich ähnlich sind, untereinander verkaufen und kaufen können.

Sodass der Kauf gleich passt und auch glücklicher macht, weil ich sagen kann: ‚“Ich habe ein cooles, neues Teil gefunden und das gleich in meiner Größe, ich habe nicht lange stöbern müssen“. Das sind die Vorteile des Algorithmus und die kommen bei den Usern auch gut an. Also, das passt.

CREATIVE REGION: Wie wichtig sind die Aspekte der Nachhaltigkeit für dein Unternehmen und deine KundInnen?

Etienne Koo: Sehr wichtig. Bei uns dreht sich im Unternehmen, in der App, rund um den Kunden, alles um Nachhaltigkeit. Das heißt, z. B. wenn wir Versandlösungen anbieten, bei der sich User Versandetiketten erstellen können und die Ware versenden, achten wir darauf, dass der Versand-Dienstleister auch CO2-neutral verschickt.

Bei den Käufen, die in der App getätigt werden, achten wir darauf, dass wir eine gewisse Menge Bäume pflanzen, um von dem, was gekauft wird, etwas zurückzugeben. Bei neuen Kleidungsstücken von Marken, die angeboten werden, ist es nicht so, dass wir mit Marken arbeiten, die unzählige Lager haben und Tausende Stück von etwas auf Lager haben und sagen: „Das muss einfach nur raus“, sondern es geht darum, Einzelstücke in einzelnen Größen anzubieten, relativ gezielt an User, denen es passen könnte und gefallen könnte, damit es nicht unnötige Wege macht, damit es nicht übrig bleibt, damit es nicht weggeworfen wird.

Im Second Hand-Bereich wird Nachhaltigkeit sowieso großgeschrieben, weil das Kleidungsstück nicht entsorgt wird, sondern jemandem gegeben wird, der wieder eine Freude damit hat und es wieder trägt und dem Ganzen ein zweites Leben gibt.

CREATIVE REGION: Inwieweit hat Covid19 deinen Arbeitsalltag und dein Business beeinflusst?

Etienne Koo: Beeinflusst hat es uns definitiv. Wen nicht?!

Arbeitstechnisch, wenn ich an die Mitarbeiter denke: Wir haben es den Mitarbeitern schon immer ermöglicht, dass sie von zu Hause aus arbeiten können, dass sie remote arbeiten können, speziell denjenigen, die noch studieren. Es war ein Thema, zu sagen: „Kann ich das aufsplitten?“ Geändert hat sich, dass es mehr geworden ist, weil wir regelmäßig alle ins Homeoffice geschickt haben.

Wenn man sich aufs Positive fokussieren möchte, wie du gesagt hast, dann würde ich sagen, dass durch das Remote-Arbeiten – was am Anfang etwas komplexer ist, wenn wirklich alle remote sind und keiner dir gegenübersitzt – wird einem relativ schnell klar, dass jeder Einzelne eine relativ große Verantwortung trägt und dass das, was er macht, einfach passen muss, damit andere entsprechend weiterarbeiten können.

Das ist natürlich im Büro auch so, aber da stimme ich mich schneller persönlich ab, wenn irgendetwas nicht passt. Remote ist das ein bisschen schwieriger, d. h. es ist den Leuten bewusster geworden, wie viel Verantwortung sie tragen, auch was sie zum Unternehmen beitragen. Das ist schon etwas Positives, das ich daraus mitnehmen kann. Das Team ist eigenständiger geworden und hat sehr gute Arbeit geleistet in dieser Zeit.

CREATIVE REGION: Wo und wie holst du dir neue Ideen & Inspirationen?

Etienne Koo: Also ganz ehrlich, mein ganzer Tag dreht sich nur um die User. Es ist nicht so, dass ich sage, ich kann ein Instagram-Profil empfehlen oder ich schmökere keine Ahnung wo. Ja, es gibt schon Zeitschriften und Bücher, die ich lese. Das ist nicht so viel anders als bei anderen Gründerinnen und Gründer. Was bei mir wirklich 24/7 da ist, sind die User. Ich lese ihre Feedbacks, ich lese Bewertungen, ich lese Support-E-Mails, ich lese die Sachen, die reinkommen, ich bin im direkten Austausch mit ihnen, ich mache Testergruppen, ich mache Remote-Testgruppen.

Bei mir dreht sich alles, was den Arbeitsalltag betrifft und in welche Richtung wir gehen, wo wir hingehen sollen, um den User. Was wir machen sollen, das bestimmt bei uns zu 100 % immer der User oder die Userin. Das heißt, das ist die letzten Monate und wahrscheinlich noch das ganze nächste Jahr das Hauptsächliche, woran wir uns orientieren oder ich mich orientiere – in welche Richtung es gehen soll.

CREATIVE REGION: Was ist ausschlaggebend, um in der heutigen digitalen Welt als Startup erfolgreich durchzustarten?

Etienne Koo: Was immer gern genannt wird und notwendig ist, ist natürlich – und das stimmt auch – eine gewisse Hartnäckigkeit, eine gewisse Resilienz, auch die Fähigkeit, sich negatives Feedback, Kritik usw. anzuhören und konstruktiv umzusetzen, nicht im Kopf dagegen zu reden und zu sagen: „Aber du hast es nicht verstanden“ oder „Du hast es falsch angewendet, so etwas gibt es nicht“.

Es ist schon wichtig, eine gewisse Aufgeschlossenheit zu haben und immer weiterzugehen und zu lernen. Manchmal muss man auch einen Schritt zur Seite machen. Es geht nicht immer nur nach vorne. Wichtig ist, dass man keinen Schritt zurück macht. Ich persönlich glaube, dass es heutzutage wichtig ist – und das ist ein bisschen schizophren –, auf der einen Seite die Möglichkeit zu bieten, dass es so individuell wie möglich ist für den User – der User muss sich gut aufgehoben fühlen, muss das Gefühl haben, es geht um ihn oder sie –, aber gleichzeitig muss er auch die Möglichkeit bekommen, Teil von etwas Größerem zu sein, Teil einer Community zu sein, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Teil von etwas zu sein, wozu er etwas beitragen kann, wenn er das möchte. Das heißt, man muss die Balance schaffen zwischen Individualität und Gemeinschaftsgefühl.

CREATIVE REGION: Welche Projekte können wir von Show My Size in naher Zukunft erwarten?

Etienne Koo: Vieles. 2021 liegt der Fokus ganz klar auf User-Wachstum. Wir sind nach wie vor und seit Beginn der App eine Community. Wir haben Personen aus verschiedensten Ländern, aus Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, natürlich Österreich. Es ist wichtig, dass viele Leute bei der nachhaltigen Community mitmachen und sagen: „Ja, uns ist wichtig, dass es hinter Kleidung einen Lebenszyklus gibt“, die darauf schauen, was sie neu kaufen und vielleicht weiterverkaufen, wenn sie es getragen haben; je mehr diese Denkweise auf viele Personen übergreift, je mehr Leute mitmachen, desto besser.

Nicht nur für die Umwelt, sondern natürlich auch für die Personen, die in dieser Community sind, weil dadurch mehr Angebot entsteht, mehr Matching-Funktionalitäten – das eine ist ohne das andere nicht möglich. Da haben wir einige Dinge geplant, die dem User helfen sollen, untereinander zu matchen, einfacher zu verkaufen, zu kommunizieren, sich gegenseitig auszutauschen, um das Wachstum anzukurbeln. Und wir haben coole Kooperationen geplant, was Marken und Organisationen betrifft, für die nächsten ein bis zwei Jahre, wo ich noch nicht so viel verraten darf, aber haben wir ein paar coole Sachen in petto.

CREATIVE REGION: Bei wem sollten wir unbedingt auf eine Creative Coffee Break vorbeikommen?

Etienne Koo: Definitiv bei Katrin Strasser. Sie ist Teil von Women in Artificial Intelligence Upper Austria. Alle Frauen, die da dabei sind, sind absolute Powerfrauen und engagieren sich für mehr Diversität und mehr Frauenpower im Bereich AI, auch im Bereich Female Coding und das finde ich super. Ich glaube, da hätte man sehr guten Gesprächsstoff und tolle Inputs.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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