Mentoring ist nicht nur ein wertvolles Werkzeug zur beruflichen Entwicklung, sondern auch ein Katalysator für persönliches Wachstum. Besonders in der Kreativwirtschaft, wo Führung, Struktur und Selbstmanagement entscheidend sind, kann ein erfahrener Blick von außen viel bewirken.
Im Rahmen unseres Mentoringprogramms (hier gehts zum aktuellen Call) hatte Julia Hemmelmayr (andUP) mit ihrer Mentorin Silvia Lackner (Die Jungen Wilden) eine erfahrene Unternehmerin an der Seite und im Interview erzählen die beiden von ihrem gemeinsamen Mentoring-Prozess.
Der Ausgangspunkt – Warum Mentoring?
Der Fokus von Julias Agentur andUP liegt auf Employer Branding und Social Media für Unternehmen aus den Bereichen Bau, Baunebengewerbe und Industrie. Das Hauptziel des aktuell 7-köpfigen Teams ist es, diese Unternehmen als attraktive Arbeitgeber*innen sichtbar zu machen und planbar mehr Bewerbungen zu generieren. Für Julia, die ihre Agentur zum Zeitpunkt des Mentorings bereits auf vier Mitarbeiter*innen ausgebaut hatte, war der Bedarf klar: Wachstum bringt Herausforderungen mit sich. „Wie gehe ich mit den neuen Strukturen um? Wie führe ich Mitarbeiter*innen richtig und wo ziehe ich klare Grenzen?“ Diese Fragen standen im Fokus. Julia besuchte den Creative Region Lehrgang “Leadership for Creatives”; zusätzlich war ihr der regelmäßige Austausch mit einer Frau in einem Mentoring-Prozess sehr wichtig:
„Ich wollte einen weiblichen Ansatz, vor allem im Führungsstil, der zu mir passt. Ein männlicher Coach kann auch super sein, aber oft fehlt mir dort das Verständnis für meine Perspektive als Frau in der Branche.“
Silvia wiederum sah in der Rolle als Mentorin die Chance, ihre Erfahrungen weiterzugeben und gleichzeitig selbst zu reflektieren:
„Man lernt auch als Mentorin dazu. Durch den Austausch habe ich gemerkt, dass auch ich manche Dinge wieder neu überdenken könnte.“
Die Herausforderungen – Struktur, Führung und Abgrenzung
Ein zentrales Thema im Mentoring-Prozess war die persönliche Abgrenzung zwischen der Rolle als Chefin und Kollegin – eine Herausforderung, die viele junge Führungskräfte kennen. Julia beschreibt es so:
„Wie weit gehe ich in die Ebene der Freundschaft? Wo ziehe ich die Grenze, damit ich als Führungskraft respektiert werde?“
Im Austausch mit Julia teilte Silvia ihre eigenen Erfahrungen und betonte, wie wichtig klare Kommunikation ist. Führung bedeutet oft, Verantwortung zu übernehmen und sich bewusst zu machen, dass Entscheidungen nicht allen gefallen können. Besonders in Wachstumsphasen einer Agentur entstehen oft Konflikte, weil Erwartungen und Rollen sich verändern:
„Es ist wichtig, die Balance zu finden: Klar, empathisch und konsequent zu sein. Du kannst nicht immer Everybody’s Darling sein – das funktioniert in einer Führungsrolle nicht. Entscheidungen müssen im Sinne des Teams und der Agentur getroffen werden, auch wenn sie nicht populär sind.“
Silvia erklärte, dass es gerade in schwierigen Situationen darauf ankommt, die richtigen Worte zu finden und Konflikte nicht zu scheuen:
„Es hilft niemandem, Probleme auszusitzen. Transparenz und klare Ansagen sind notwendig, um Vertrauen zu schaffen – auch wenn es kurzfristig Widerstand gibt. Mitarbeiter*innen wollen geführt werden, sie erwarten Struktur und Sicherheit. Als Führungskraft muss man diese Leitplanken setzen.“
Ein weiteres Thema war die Optimierung von Arbeitsprozessen und das Onboarding neuer Mitarbeiter*innen. Besonders bei einer schnell wachsenden Agentur kann die Einarbeitung neuer Kolleg*innen viele Ressourcen in Anspruch nehmen. Im Austausch mit Silvia hat Julia gelernt, dass es normal ist, dass der Prozess viel Zeit in Anspruch nimmt, bevor neue Mitarbeiter*innen den Mehrwert liefern, den man sich von ihnen erwartet.
„Ich habe gelernt, dass ich Zeit investieren muss, um langfristig entlastet zu sein. Onboarding-Lösungen, klare Zuständigkeiten und Vertrauen sind essenziell.“
Silvia erinnerte dabei an ihre eigenen Fehler:
„Manchmal wollte ich zu schnell Ergebnisse sehen, ohne genug Zeit in die Einarbeitung zu stecken. Daraus habe ich gelernt – Fehler müssen gemacht werden, damit Mitarbeiter*innen wachsen können.“

Ein Prozess des gemeinsamen Lernens
Das Mentoring war für beide Seiten bereichernd. Julia schätzte den offenen und unkomplizierten Austausch mit einer Person, die im beruflichen Dasein bereits ein paar Schritte voraus ist.
„Es war erleichternd zu wissen: Es geht nicht nur mir so. Auch Silvia hatte dieselben Herausforderungen und hat Lösungen gefunden.“
Besonders ermutigend war für Julia zu hören, dass auch eine erfahrene Unternehmerin wie Silvia früher dieselben Herausforderungen und Unsicherheiten hatte. Ob es um die Balance zwischen Freundschaft und Führung ging, um Konflikte in wachsenden Teams oder um das Aufbauen effizienter Strukturen – Silvia konnte nachvollziehen, was Julia gerade durchlebte.
„Zu wissen, dass Silvia ebenfalls einmal vor diesen Herausforderungen gestanden hat und Lösungen finden konnte, hat mir Mut gemacht. Es zeigt: Man kann diese Herausforderungen meistern, und dieses Wissen hilft mir, gelassener zu bleiben.“
Silvia gab Julia nicht nur Tipps, sondern teilte auch eigene Fehltritte, die sie im Laufe der Jahre gemacht hatte:
„Ich habe früher auch Fehler gemacht – zu schnell entschieden, zu lange gewartet oder Dinge falsch kommuniziert. Daraus habe ich gelernt. Diese Erfahrungen weiterzugeben, damit Julia nicht dieselben Fehler wiederholen muss, ist mir besonders wichtig.“
Dieser ehrliche und offene Austausch schuf eine Atmosphäre des Vertrauens, in der Julia nicht nur konkrete Lösungsansätze für ihr Unternehmen fand, sondern auch die Bestätigung, dass Herausforderungen Teil des Wachstumsprozesses sind. Für Julia war das ein Schlüsselmoment im Mentoring-Prozess:
„Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen, sondern darum, Probleme aktiv anzugehen und daraus zu lernen. Das hat mir wirklich die Augen geöffnet.“
Auch für Silvia als Mentorin war der Prozess gleichzeitig eine Gelegenheit zur Selbstreflexion:
„Man gibt Ratschläge und merkt plötzlich: Das sollte ich eigentlich auch wieder machen. Es ist ein Reminder, dass man nie aufhört zu lernen.“

Fazit – Wann ist Mentoring sinnvoll?
Das Mentoring zwischen Julia und Silvia zeigt: Es lohnt sich, Hilfe anzunehmen, konkrete Fragen zu stellen und sich gezielt eine erfahrene Mentorin oder einen Mentor zu suchen. Der Austausch mit einer erfahrenen Kollegin ist wertvoll, um Mut zu fassen, strukturiert zu wachsen und die eigenen Führungskompetenzen zu stärken.
Silvia fasst es treffend zusammen:
„Man braucht eine Person, die schon weiter ist, die einen spiegelt, bestärkt und manchmal auch herausfordert. Es ist ein gegenseitiges Lernen auf Augenhöhe.“
Julia würde Mentoring jedem empfehlen:
„Traut euch, Hilfe zu holen! Gerade wenn ihr wachst und Orientierung sucht, könnt ihr unglaublich davon profitieren.“
Ein inspirierendes Beispiel dafür, wie ein Perspektivenwechsel zu mehr Klarheit, Struktur und stärkerer Führung führen kann – und wie wichtig es ist, sich gegenseitig in der Branche zu unterstützen und zu stärken.




