Führung steht unter Veränderungsdruck, besonders dort, wo Kreativität, Innovation und interdisziplinäre Zusammenarbeit den Alltag prägen. Klassische Führungsmodelle stoßen an ihre Grenzen, wenn Teams heterogener werden, Innovationszyklen kürzer und Erwartungen an Arbeit sinn- und wertegetriebener sind. Gefragt sind heute Führungspersönlichkeiten, die Orientierung geben, ohne einzuengen, die Klarheit schaffen, ohne Kontrolle auszuüben, und die kreative Prozesse ermöglichen, statt sie zu steuern.
Stefan Promper beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Leadership im kreativen Umfeld – als Trainer, Berater und Lehrgangsleiter. Im Gespräch teilt er seine Perspektive darauf, wie sich Führung verändert hat, warum Selbstführung für Kreativschaffende essenziell ist und welche Rolle Führungskräfte als Kontextgeber*innen in vielfältigen Teams einnehmen sollten.
1. Wie hat sich Leadership im kreativen Umfeld deiner Erfahrung nach verändert – und welche Qualitäten sind heute besonders wichtig, um Teams wirkungsvoll zu führen?
„Innovationszyklen sind kürzer, Teams multidisziplinärer. Führung bedeutet zunehmend Hindernisse aus dem Weg räumen, Entscheidungswege zu verkürzen und Prozesse flexibel halten. Schnelle Lernzyklen schlagen Perfektionismus und bei einer gesteigerten Interdisziplinarität werden in Teams das Übersetzen, Verbinden und Moderieren von Spannungen zu zentralen Führungsqualitäten.
Daneben geht es in einer Welt voller Reize und Möglichkeiten auch verstärkt um Klarheit und Priorisierung – gute Führung sagt nicht nur Ja, sondern auch bewusst Nein. Zudem wird Arbeitskultur mehr und mehr zum Wettbewerbsfaktor, denn die Erwartungen haben sich verändert: Sinn, Selbstwirksamkeit und gesunde Arbeitsweisen sind heute zentrale Attraktivitätsmerkmale und Leadership muss diese aktiv mitgestalten.“
2. Beim Lehrgang „Leadership for Creatives“ legst du viel Wert auf Selbstwahrnehmung, Selbstführung und einen individuellen Führungsstil. Warum sind diese Aspekte deiner Meinung nach gerade für Kreativschaffende so relevant?
„Kreative Arbeit ist meist nicht nur sehr persönlich, sondern stark personen-, prozess- und kulturgetrieben. Kreativität wie Innovation entstehen nicht linear – sie hängen von inneren Zuständen, Beziehungen und der Fähigkeit ab, Ambiguität auszuhalten. Führungskräfte, die das nicht in (Selbst-)Reflexion bringen, blockieren schnell das Potenzial ihres Teams.
Selbstführung fördert Stabilität in Teams und wenn kreative Arbeit mit Unsicherheiten umgehen muss, muss Führung entsprechenden Halt bieten. Ein individueller bzw. authentischer Führungsstil schafft Vertrauen und wirkt glaubwürdig – kein aufgesetztes Leadership-Lehrbuch-Verhalten. Menschen spüren sofort, wenn Führung nicht echt ist.“
3. Kreativ-Teams unterscheiden sich oft stark in Arbeitsweisen, Persönlichkeiten und Projekten. Wie schafft man es als Führungskraft, in solchen heterogenen Teams ein Umfeld zu gestalten, in dem Kreativität, Eigenverantwortung und Teamkultur gedeihen?
„Führung muss als Kontextgeberin statt Entscheiderin verstanden werden. In diversen Kreativ-Teams entsteht Orientierung nicht durch enge Vorgaben, sondern durch klare Ziele, Kontext und Prioritäten. Es gilt in der Führung somit ein gemeinsames Verständnis von Zweck, Qualitätsansprüchen und Entscheidungslogiken zu schaffen – ohne den kreativen Prozess zu übersteuern.
So entsteht ein gemeinsamer Rahmen, in dem unterschiedliche Arbeitsweisen koexistieren können. Gleichzeitig braucht Vielfalt psychologische Sicherheit. Das bedeutet: Raum für Ideen, konstruktiven Widerspruch und mutige Experimente. Führungskräfte fördern das, indem sie Vertrauen vor Kontrolle, offene Kommunikation und eine respektvolle Feedbackkultur etablieren.“
Leadership for Creatives: Führung bewusst gestalten
Wie zeitgemäße Führung im kreativen Umfeld gelingen kann, ist auch zentraler Bestandteil des Lehrgangs „Leadership for Creatives“, der ab 30. Jänner 2026 in Wien startet. Der Lehrgang richtet sich an Führungskräfte, Projektleiter*innen und Kreativschaffende, die ihre Führungsrolle reflektieren, ihren eigenen Stil schärfen und konkrete Werkzeuge für den Arbeitsalltag entwickeln möchten.
Im Fokus stehen Selbstführung, Kommunikation, Teamdynamiken und der bewusste Umgang mit Komplexität und Unsicherheit. Praxisnah, dialogorientiert und speziell auf die Anforderungen kreativer Arbeitsfelder zugeschnitten.
👉 Mehr Informationen und Anmeldung:
https://creativeregion.org/events/lehrgang-leadership-for-creatives-2026-wien/
Titelfoto: Jürgen Grünwald