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New-Work-Experte und "Antiberater" Sven Franke zeigt, wie neue Ansätze funktionieren

Wie setzt man New-Work-Gedankenansätze in der Praxis um? Beim „New Work, New Leadership“-Workshop mit „Antiberater“ Sven Franke am 31. Jänner wurde diese Frage erörtert. Lisa-Marie Linhart, Content Managerin bei karriere.at, war dabei und hat ihre Learnings für euch zusammengefasst.


Eine harmlos erscheinende Übung zum Einstieg verdeutlichte, worum es in New Work geht: Vertrauen, Freiheit und Wertschätzung. Innerhalb von zwei Minuten sollte in Kleingruppen eine Figur aus Legosteinen gebastelt werden. Jedes Gruppenmitglied hatte dazu genau einen Stein zur Verfügung. In Windeseile wurden Raumschiffe, Hunde, Schnabeltiere und ein Modell des Raum-Zeit-Kontinuums gebaut – die zwei Minuten waren gar nicht nötig.

Wer hat die Führung? New Leadership verteilt die Rollen neu

„Wer hatte bei euch das Sagen?“ – Die Antwort auf Sven Frankes anschließende Frage fiel bei allen Gruppen annähernd gleich aus: Irgendjemand hatte die Grundidee, die für alle in Ordnung war, und jeder setzte seinen Stein so, dass sie verwirklicht werden konnte. Pures Teamwork also – eine Führungsperson konnte keine Gruppe nennen. Und damit waren wir beim Kern der Sache angelangt: New Leadership verteilt die Rollen neu. Statt top-down werden Entscheidungen gemeinsam getroffen und die Führungsverantwortung an die ausführenden Personen aufgeteilt. Wartezeiten werden dadurch enorm verkürzt und die Arbeit geht sehr viel schneller voran, wie unsere Legomodelle zeigten.

Wie viel Kontrolle braucht New Work? Ein heikles Thema

Damit das beschriebene Arbeitsmodell in der Praxis funktioniert, braucht es zwei Dinge: Mitarbeiter, die mit Verantwortung umgehen können, und Führungskräfte, die loslassen können. Letzteres wurde intensiv im Workshop diskutiert, denn wie viel Kontrolle verträgt New Work und wer hat die Endverantwortung über das Arbeitsergebnis? Sven Frankes Plädoyer dazu: Jeder Mitarbeiter ist für seinen Arbeitsschritt verantwortlich und trägt damit einen Teil der Endverantwortung. Das Team kontrolliert sich somit selbst.

Die Aufgabe von Führungskräften im New Work

Haben Führungskräfte im New Work überhaupt noch eine Daseinsberechtigung? Ja, wie Sven Franke im Workshop betont, wenn auch mit veränderten Aufgabengebieten: „Die einzige Aufgabe von Führung ist Kommunikation.“ Damit Mitarbeiter die ihnen übertragene Verantwortung auch übernehmen können, ohne sich überfordert zu fühlen oder aber ihre Kompetenzen falsch einzuschätzen, braucht es regelmäßige Standortbestimmungen, so Franke.

„Was traust du dir zu? Was traue ich dir zu?“ Simple Fragen wie diese zeigen schnell auf, wo es Überschneidungen und Differenzen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung gibt. Darauf aufbauend kann echte Mitarbeiterentwicklung stattfinden. Und auch die ist eine Frage der richtigen Kommunikation. „Einmal im Jahr zwei Stunden einen Fragebogen beim Mitarbeitergespräch auszufüllen, ist nicht zielführend. Besser führt man regelmäßig kurze Gespräche, um herauszufinden, was der Mitarbeiter braucht, um seine Arbeit gut zu erledigen, um Feedback zu geben und gemeinsam Wege und Lösungen zu finden.“

New Pay: Entlohnungsmöglichkeiten abseits von Kollektivvertrag und Co.

Gemeinsame Entscheidungen werden in vielen Unternehmen auch schon bezüglich des Gehalts getroffen, verriet Sven Franke als New-Pay-Experte. Die unterschiedlichen Modelle reichen dabei von Einheitslohn für alle über Gehälter, die das Team festlegt, bis zum individuellen Wunschgehalt. Wie schwierig „gerechte Entlohnung“ tatsächlich ist, zeigte Sven Franke an den anfangs gebauten Legomodellen. „Wie verteilt ihr 100 Euro, die ihr für euer Modell bekommt?“ – Eine Frage, die viele weitere aufwirft: Ist jeder Schritt gleich viel wert? Was ist wichtiger: die Grundidee oder die Ausführung? War Erfahrung im Legobauen ausschlaggebend fürs Endergebnis oder nicht?

Diese letzte Übung verdeutlichte, dass New Work kein „one fits all“-Modell ist, sondern ein nie endender Prozess von Hinterfragen, Eruieren und Ausprobieren, in dem es lediglich eine Konstante gibt: die Veränderung. Damit beantwortet sich auch die Anfangsfrage: Um die New-Work-Ansätze erfolgreich in der Praxis anzuwenden, braucht es Offenheit, Mut und eine gute Fehlerkultur im Unternehmen. Daran zu arbeiten ist die Aufgabe jedes Einzelnen. Und eine sehr schöne noch dazu.

Einfach zum Weiterlesen: Noch mehr Inputs von Lisa-Marie Linhart zum Thema New Work gibt es hier.

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