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Kochen lernen im Abo-Modell

Während des Corona-Lockdowns wurde in den heimischen Küchen vermehrt gebacken und gekocht. Als Inspirationsquelle am Herd ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Wer aber nicht nur Rezepte nachkochen, sondern seine Kochkünste weiterentwickeln möchte, ist mit den Online-Kochkursen von 7Hauben bestens beraten. Johannes Sailer haben wir vor ein paar Jahren bei seiner aws Creative Impact-Einreichung zum „Netflix für Kulinarik“ erfolgreich beraten. Von ihm und seinen Co-Gründern Markus Auzinger und Wolfgang Strimmer erfahren wir in der 22. Ausgabe der Creative Coffee Break der CREATIVE REGION LINZ & UPPER AUSTRIA, wie mit Georg Essig alles begonnen hat, warum sie eine japanische Übersetzerin brauchen und wo ihre kulinarische Reise hingehen wird.

Creative Coffee Break #22 mit 7Hauben zum Nachlesen

CREATIVE REGION: Was macht 7Hauben?

Markus Auzinger: Wir, 7Hauben, produzieren im Endeffekt Premium Online-Content für die Kulinarik. Sprich wir produzieren Online-Kochkurse für den Hobbykoch daheim, der nicht nur Rezepte nachkochen möchte, sondern in die Tiefe gehen möchte. Dort bekommt er Wissen vermittelt in allen möglichen Bereichen. Wir versuchen ein so breit wie mögliches Angebot zu produzieren.

Johannes Sailer: Wir verstehen uns, ganz kurz zusammengefasst, irgendwie als Netflix fürs Kochen. Das heißt, bei uns gibt es Online-Kochkurse on demand, die man jederzeit und überall abrufen kann. Mit den wirklich besten Köchen im deutschsprachigen Raum.

CREATIVE REGION: Was hat euch dazu bewegt, das Unternehmen zu gründen?

Johannes Sailer: Die Idee ist ursprünglich, keine Ahnung, mit mir oder durch mich entstanden. Während meinem Studium habe ich mit einem Koch in einer WG zusammengewohnt. Und wir hatten im Studium sehr viel Zeit, wir haben sehr viel miteinander gekocht, fast jeden Tag. Eigentlich haben wir auch sehr aufwändig gekocht. Im englischsprachigen Raum haben wir ein paar Plattformen gefunden, die sehr guten Content geliefert haben. So etwas hat es im deutschsprachigen Raum nicht gegeben.

Dadurch, dass ich schon immer den Trieb hatte, mich selbstständig zu machen, ein Start-up oder Unternehmen zu gründen, habe ich mich, wie wir in der vorigen Frage schon gehört haben, Mitstreiter gesucht, die in Bereichen gut sind, die ich einfach nicht abdecken konnte. Ich hatte den Trieb einfach immer schon, selbstständig zu sein, selbstständig etwas zu schaffen. Das kann ich von mir jedenfalls sagen. Ich weiß nicht… Wolfi und Markus, ihr könnt euren Teil noch dazu beitragen.

Wolfgang Strimmer: Also, bei mir war es ein wenig die monotone Arbeit in der Werbeagentur. Ich war 10 Jahre Webentwickler und ich habe eine Abwechslung gesucht, damit ich nicht acht bis zehn Stunden am Tag vorm Computer sitze. Das war bei mir das Thema. Fotografiert habe ich eigentlich immer schon, deshalb wollte ich, zusätzlich zum reinen Programmieren, die Abwechslung haben. Das war eigentlich der Hauptgrund bei mir.

Markus Auzinger: Für mich war das Thema Selbstständigkeit immer schon allgegenwärtig, sozusagen, da ich direkt vom Studium meine Selbstständigkeit als eigener Unternehmer vorangetrieben habe. Irgendwie reizt es mich an neuen Projekten mitzuarbeiten. Das Interesse an neuen Themen ist sehr stark vorhanden, insofern war das auch mein Punkt zu sagen: Ok, passt, da bin ich dabei als Mitgründer.

CREATIVE REGION: Wie gestaltet sich euer täglicher Arbeitsablauf?

Markus Auzinger: Ich weiß nicht, ob es einen täglichen per se gibt, weil unser Projekt 7Hauben an sich, erfordert, dass wir immer verschiedene Phasen durchlaufen. Wir haben einmal die Produktionsphase, wo wir am Set sind, meistens zu dritt bis zu fünft. Es dauert dann doch eine Woche, dass wir Kurse produzieren. Dann haben wir unsere Post-Production-Phase und Pre-Poduction-Phase, wo wir eher im Büro sind, wobei wir da eher eine Sondersituation haben, aus dem heraus, dass ich mein Unternehmen damals schon hatte und daheim meinen Arbeitsplatz eingerichtet habe. Ich bin deshalb etwas hybrid unterwegs. Darum bin ich nie oder kaum im Büro anwesend, außer wir haben ein Meeting.

Aber es funktioniert trotzdem sehr gut, weil unsere Arbeitskompetenzen sehr gut aufgeteilt sind. Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Da wir alle sehr digitalaffin sind, funktioniert unsere Kommunikation online relativ gut, wir sind mit Slag sehr gut vernetzt und wissen, wie der Status des jeweiligen Projekts ist und woran wer gerade arbeitet. Von daher funktioniert das sehr gut, auch wenn ich nicht im Büro bin. Das hat uns auch in der Coronazeit, glaube ich, extrem geholfen, wo dann doch Homeoffice für alle da war und trotzdem ist der Arbeitsfluss nie zum Stillstand gekommen. Das hat super weiter funktioniert.

CREATIVE REGION: Wie habt ihr es geschafft, von Beginn an namhafte ExpertInnen und ProfiköchInnen für euere Online-Kochkurse zu gewinnen?

Johannes Sailer: Von Beginn an hat es eigentlich eh nicht funktioniert. Für uns war das ein stetiger Prozess. Wolfi hat vorhin schon einmal gesagt, wir haben angefangen, dass wir Videos bei uns zu Hause produzieren. Dann sind wir zu den ersten Gastronomen in Linz gegangen und haben gefragt, ob wir für sie kostenlos Food-Videos machen sollen. Damit haben wir uns wahrscheinlich einen gewissen Namen gemacht und dann sind ein paar größere Firmen auf uns zugekommen, wie TransGourmet oder Red Bull zum Beispiel. Für die haben wir dann auch Dienstleistungsaufträge gemacht.

Und mit dem Content, den wir – vor allem durch Markus – sehr gut produziert haben, erhielten wir in Linz Kontakt zu Georg Essig, der seit Jahren einer der besten Köche hier ist – wenn nicht der Beste – und seit Jahren zwei Hauben hat. Mit ihm haben wir die ersten Kurse produziert. Danach ist es wiederum genauso weitergegangen: Durch den Kurs mit Georg Essig, den wir schon sehr professionell produziert haben, haben wir immer namhaftere Köche dazubekommen und mittlerweile haben wir wirklich die besten Köche im deutschsprachigen Raum bei uns oder bekommen sie vor allem in nächster Zeit. Das war einfach ein stetiger Prozess. Da wir alle nicht aus der Gastro kommen, haben wir uns einfach raufhanteln müssen.

CREATIVE REGION: Wie ist es euch bis jetzt mit Corona ergangen?

Markus Auzinger: Man muss sagen, dass Corona, so traurig die ganze Situation an sich ist, sich auf unser Business sehr positiv ausgewirkt hat. Das merken, glaube ich, viele, die im digitalen Bereich präsent sind und dort ein gutes Angebot haben, weil die Leute nicht anders können oder in dieser Situation auf das Internet ausweichen mussten, sowohl was den Konsum anbelangt als auch was die Beschäftigung anbelangt. Wenn man Tage und Wochen mehr oder weniger daheim sitzt und trotzdem einmal Abwechslung haben will beim Kochen, dann schadet es nicht, wenn man sich neuen Input holt. Wir haben schon bemerkt, dass die Leute sich durchaus gerne mit dem Thema beschäftigen, wenn die Zeit da ist. Insofern waren die Verkäufe, gerade in den Monaten März, April, Mai, wesentlich höher. Von daher haben wir schon sehr profitiert, muss man sagen. Ja.

Wolfgang Strimmer: Dazu kann man noch sagen, beidseitig profitiert. Wir haben zum einen leichter User generiert und wir haben auch leichter Köche für uns gewinnen können. Weil z. B. die ganzen Events flachgefallen sind, das heißt, die haben Aufträge gesucht. Das war für uns ein Win-win.

CREATIVE REGION: Euer Fokus liegt auf KochexertInnen des deutschsprachigen Raums. Könntet ihr euch vorstellen, euer Unternehmen internationaler zu positionieren?

Wolfgang Strimmer: Also, wie gesagt, begonnen haben wir mit Georg Essig. Das ist ein Linzer Koch. Deshalb hat unser Marketing auch mit dem Linzer Raum begonnen. Da hat man recht schnell gemerkt, dass es in Deutschland nicht so gut funktioniert hat, weil der Koch nicht so die Bekanntheit hatte. Mit dem Bäcker ist es dann ein wenig nach Deutschland ausgewandert und mittlerweile bewerben wir mehr in Deutschland als in Österreich.

In der nächsten Zeit schauen wir, dass wir den Schweizer Raum das Ganze bewerben. Und auch zufällig durch den Bäcker, der eine recht große Community in Japan und eine Übersetzerin in Japan at – und das Brotthema ist ein großes Thema in Japan – werden wir einen Kurs mit Untertitel für Japan übersetzen.

Johannes Sailer: Das ist das erste Projekt außerhalb des deutschsprachigen Raums und unsere Vision kann sich in zwei Bereiche aufsplitten. Und zwar, kann es sein, dass wir außerhalb des deutschsprachigen Raums Kochkursen anbieten, das heißt, dass wir einmal das Ganze in Englisch produzieren oder Spanisch, wie auch immer. Das werden wahrscheinlich die Hauptsprachen sein.

Was für uns auch durchaus spannend ist, wenn das Kochthema im deutschsprachigen Raum gesättigt ist, dass wir überhaupt auf ein anderes Thema übergehen. Uns drei reizt alle das Thema Sport relativ stark. Es kann durchaus sein, dass wir auch in diesen Bereich gehen. Der Fokus ist nach wie vor, dass wir uns im deutschsprachigen Raum unsere Position sichern oder ausbauen. Dann schauen wir einmal weiter.

CREATIVE REGION: Was schätzt ihr als Start-up an der Stadt Linz?

Markus Auzinger: Ich glaube, der einfachste und naheliegendste Grund ist einfach, weil wir alle drei aus Linz sind. Ich schon seit Geburt an, ich war fürs Studium einmal weg, aber bin wieder nach Linz zurückgekommen und das war ein Grund, warum ich hier ansässig bin.

Was ich an Linz doch sehr schätze, es ist eine gute mittlere Größe. Es ist keine Riesenmetropole, wo du nur Hektik um dich hast, und es ist auch keine Provinzstadt, sondern es ist für mich eine genau richtig dimensionierte Stadt, wo man beides hat. Man hat das Stadtfeeling, braucht aber nur fünf Minuten hinausfahren und man ist quasi am Land. Das ist, was ich extrem schätze und genieße.

Zudem darf man den geografischen Standort von Linz gar nicht unterschätzen, weil es mitten in Europa ist. Du bist sofort in Deutschland, du bist aber gleichzeitig in Wien, in der Schweiz und in Italien oder sonst wo. Also, wenn wir zu unseren Produktionen fahren, ist Linz eigentlich ein super Standort, um von hier aus, die einzelnen geografischen Ziele anzupeilen.

CREATIVE REGION: Welche Projekte können wir von 7Hauben in naher Zukunft erwarten?

Wolfgang Strimmer: Sicher das größte Projekt für heuer, das ansteht, ist die neue Website mit dem Abo-Modell. Die wird im letzten Quartal vermutlich online gehen. Da werden einige neue spannende Kurse produziert. Dazu kann Markus vielleicht etwas sagen.

Markus Auzinger: An Kursen haben wir jetzt noch geplant, dass es eine Fortsetzung vom Grillkurs geben wird, der jetzt gerade herausausgekommen ist. Das wird diesen Sommer noch erfolgen. Dann haben wir noch Cocktailkurse, auch hoffentlich noch jetzt zur Sommersaison, die gut thematisch reinpassen. Dann wird es im Herbst wahrscheinlich ein bisschen erdiger. Da wird es um Saucen gehen und um Fonds. Und dann so Richtung Weihnachtszeit wird es einen Keksekurs geben. Damit man das fundiert daheim nachbacken kann.

CREATIVE REGION: Bei wem sollten wir unbedingt auf eine Creative Coffee Break vorbeikommen?

Markus Auzinger: Also, wen ich spannend finden würde, dadurch dass wir auch Filme produzieren und wo ich weiß, dass richtig guter Content immer entsteht, ist Forafilm.

Johannes Sailer: Ich würde noch gerne OKTAV vorschlagen. Zum einen, weil sie ein relativ ähnliches Business-Modell haben wie wir, zum anderen, weil wir uns mit ihnen extrem gut verstehen. OKTAV macht eine digitale Musiknotenplattform.

Über die Creative Coffee Breaks

In regelmäßigen Abständen macht sich das Team der CREATIVE REGION Linz & Upper Austria auf, um junge Start-ups und in der Kreativwirtschaft Tätige aus Linz und Oberösterreich bei einer Tasse Kaffee vor die Kamera zu bitten. Alle bisherigen Videos findest du auf YouTube: CREATIVE COFFEE BREAKS

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