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Ness Rubey drückt sich mit der Kamera aus

Reini Gruber von den Oberösterreichischen Nachrichten hat Ness Rubey, Fotografin und Teilnehmerin unseres Creative Business Lehrgangs FOR YOUR INSPIRATION, zum Gespräch getroffen.


LEONDING. Glücklich schätzen kann sich, wer früh weiß, was er vom Leben will. Ness Rubey ist so gesehen ein glücklicher Mensch. Mit ihren 25 Jahren ist sie schon ein Stück weit eines Weges gegangen, in dem Alterskollegen noch den einen oder anderen Um- oder Irrweg vor sich haben. Ness Rubey fällt auf, ohne auffallen zu wollen. Sie wirkt zwar offen und neugierig, aber auch zurückhaltend. Dieses erste Gefühl erklärt sich später im Gespräch. Smalltalk kann sie gar nicht leiden. Oberflächlichkeit empfindet sie als wertlos. Da bleibt sie lieber alleine mit sich und ihren Gedanken.Wer sich für sie interessiert, erhält aber sehr rasch einen Einblick in das Gefühlsspektrum einer jungen Frau, die schon als 12- bis 13- Jährige in ihrem Heimatort Aschach an der Steyr wusste, was sie werden will, nämlich Künstlerin. Ganz konkret, wie sie sagt.


Ness Rubey, portraitiert von Florian Voggeneder:

Ness Rubey, portraitiert von Florian Voggeneder

Rebellion mit Lehre

Ihre Erkenntnis löste anfangs keine familiären Beifallsstürme aus. „Es war ein Entschluss gegen den Willen meines Vaters“, sagt sie zur Entscheidung, eine Fotografenlehre in Steyr zu beginnen, um im gleichen Atemzug darauf hinzuweisen, dass der Papa mittlerweile sehr stolz auf sie ist. Das Handwerk zu lernen, das sie bereits zuvor für künstlerische Selbstporträts nutzte, war eine besondere Erfahrung. Mit dem großen Vorteil, dass sie nach der Ausbildung genau wusste, was sie wollte. „Ich habe alles in Frage gestellt“, erklärt sie die Sinnsuche als Fotografin. Und sie bekam von sich die Antworten „Ich will das machen, was ich will. Ich will mich nicht mehr einschränken lassen.“ So kehrte sie dorthin zurück, wo sie als Teenager schon war.

Doch was war damals neben dem Berufswunsch Künstlerin so prägnant, dass sie zum Fotoapparat griff? Ness Rubey kann nicht zeichnen. „Also musste ich mir ein anderes Medium suchen, mit dem ich mich ausdrücken kann.“ Intuitiv kam sie zur Kamera. „Das ist mein Werkzeug geworden.“
Schnell war sie schon in diesen jungen Jahren in ihrem Metier. Und schnell lernte sie, dass sie auf viel Widerspruch stieß. Oft bekam sie zu hören, dass man dies nicht machen könne. Dies waren die Fotos, die Selbstporträts. Die Bestätigung waren Ausstellungen und Preise, die Ness Rubey erhielt. So wurde sie vor zwei Jahren als erste Österreicherin unter mehr als tausend Bewerbern aus ganz Europa in das Finale der größten internationalen Fotowettbewerbes „Master of Photography“ des Fernsehsenders Sky ausgewählt. „Da habe ich gewusst, dass ich gar nicht so falsch am Platz sein kann, weil es Menschen gibt, die das interessiert, was ich mache.“

Was waren die Themen ihrer fotografischen Arbeiten, die so viel Widerspruch wie Zuspruch gefunden haben? „Ich habe viel Zeit alleine verbracht. So ging es natürlich auch um die Einsamkeit“, erklärt sie. „Ich glaube ja auch, dass ich ein sehr seltsamer Mensch bin.“ Wieder lacht sie. Wie kommt sie darauf? „Ich tue mir total schwer, wenn ich in einer größeren Gruppe bin und oberflächliche Gespräche führen muss. Das kann ich nicht. Ich konzentriere mich lieber auf ein, zwei Leute, um ein inhaltlich wertvolles Gespräch zu führen. Wertschätzende Gespräche mag ich, man erfährt so viel über andere Menschen.“
In der Pubertät war dieser Wesenszug nicht besonders förderlich. Fortgehen, betrinken, Party machen – das war nie ihre Welt. „Ich war zu Hause und habe meine Bilder gemacht“, sagt sie. Ihr Wille und ihre Beharrlichkeit haben sie mittlerweile zu ihrem Lebenstraum gebracht. Seit vier Jahren ist sie in Leonding, praktisch am Stadtrand von Linz, zu Hause und lässt ihrer Kreativität in künstlerischen Fotos freien Lauf. Ness Rubey geht es in ihrer Arbeit um den Erzählfaktor. Sie ist eine Geschichtenerzählerin mit der Kamera. „Wenn ich meine Projekte verwirkliche, dann brauche ich immer helfende Hände. Ich lade mir immer andere Leute zu meinen Shootings ein. Mit ihrer Hilfe kann ich meine Geschichten erzählen. Sie sind meine Statisten in meinem eigenen Stück, in meiner eigenen Realität. Sie transportieren meine Geschichte.“

Wie kommen die Geschichten zu ihr? Es gibt Bilder, die sich in ihrem Kopf formen, wie sie sagt, und die binnen ein paar Tage umgesetzt werden. Aber dann gibt es auch Themen, die länger brauchen. „Da muss ich das Puzzle in meinem Kopf vorher zusammensetzen.“ Konkretes Beispiel: Zuletzt hat sich Ness Rubey viel mit Nudeln beschäftigt. In Corona-Zeiten rasch ausverkauft, haben die Nudeln generell viel Aufmerksamkeit bekommen. Es wäre aber nicht sie, hätte die Pasta-Liebhaberin die Nudeln nicht in einen anderen Kontext gesetzt. „Diese Fülle habe ich transportiert, in dem ich eine Geige mit Nudeln bespannt habe oder Spaghetti-Schnürsenkel gemacht habe.“ Pasta-Obsession heißt die Serie.

Als bekennender Freigeist bekennt sie sich auch zum Weg der Unikate. „Am Ende sollte es jede Fotografie von mir nur einmal zum Verkauf geben“, sagt sie. Die Einzelstücke hätten dann einfach mehr Wertigkeit. Kleine Serien von zehn Bildern schließt sie nicht aus, aber sie hat da auch die Idee im Kopf, ihr kreatives Bild maßgeschneidert auf die Wand des Käufers zu fertigen. Eine schöne Vorstellung von einem Bild am optimalen Platz.

Ihre Ziele sind klar definiert. Junge Künstler möchte sie später einmal fördern. Im Moment ist sie selbst noch jung. Und: Sie will nie verlernen, die Menschen mit ihren Bildern zu erreichen. „Ich wünsche mir, dass da immer eine Verbindung besteht.“ Ness Rubey will Mut machen. Sie will andere dazu animieren, dass sie sich mehr zutrauen. „Die Menschen unterschätzen sich maßlos“, sagt sie. Ness Rubey glaubt an sich. Dass ihre Kreativität sie verlassen könnte, davor hat sie keine Angst. „Ich bin ein einziger Wasserfall, habe am Tag drei Ideen.“ Und: „Ich bin die Quelle und muss nicht nach Inspiration suchen.“ Mag sein, dass dies die Erklärung dafür ist, dass sie andere Fotografen nicht als Konkurrenz betrachtet und deshalb den Austausch mit anderen Künstlern so liebt.

Austausch und Netzwerk als wichtiger Karrierefaktor

Einen solchen guten Austausch findet sie in den elf kreativen Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Passion, die sie im Lehrgang „For Your Inspiration“ der CREATIVE REGION in der Linzer Tabakfabrik gefunden. „Ich folge der Creative Region, kenne das Angebot sehr gut und wollte bei dem Lehrgang unbedingt dabei sein, weil ich mir davon neben dem intensiven Kontakt mit anderen Kreativen auch Hilfestellungen durch die Zusammenarbeit erwartet habe“, sagt Ness und sieht diesen Wunsch in den aktuellen Lehrgangsteilnehmern mehr als erfüllt.

Da passt es dazu, dass die 25-Jährige niemanden als Gefahr sieht. „Ich will andere bestärken, ihren Weg zu gehen, mutig zu sein, um das zu verwirklichen, was sie wollen“, sagt sie. Und wenn andere ihr dabei helfen, ihren Weg weitergehen zu können, dann haben alle etwas davon.

Sei authentisch, sei echt, werde glücklich. Das wünschen sich viele. Ness Rubey kann sagen, dass sie dieses Glück schon gefunden hat.

Text: Reinhold Gruber


Die zwölf TeilnehmerInnen des Creative Business-Lehrgangs For Your Inspiration, gemeinsam mit Workshopleiterin Doris Rothauer, Julia Pohn und Georg Tremetzberger. Foto: Voggeneder

For Your Inspiration Truppe by Florian Voggeneder

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Der Creative Business-Lehrgang For Your Inspiration wurde durch die Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

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