Teil des Projektes WE ARE SO
Online-Kommunikation war selten so herausfordernd wie heute. Algorithmen entscheiden, wer gesehen wird. Budgets werden knapper. Und KI produziert Content in einem Tempo, das kaum noch zu überbieten ist. In dieser Umgebung stellt sich für Unternehmen und Organisationen eine dringende Frage: Was funktioniert überhaupt noch und worauf kommt es wirklich an?
Was motiviert Menschen, einem Unternehmen auf Social Media zu folgen? Welche Formate schaffen echte Verbindung, nicht nur kurzfristige Reichweite? Und wie gelingt es, mit begrenzten Ressourcen trotzdem sichtbar und relevant zu bleiben?
Fünf Perspektiven aus der Praxis zeigen, wie Sichtbarkeit 2026 wirklich entsteht: auf TikTok und LinkedIn, im Podcast und im Influencer*innen-Beziehungsgeflecht, mit Corporate Creators und KI-gestützter Content-Produktion.
Springe zu:
- TikTok: Content schlägt Marke
- Podcast: Vertrauen aufbauen, nicht Werbung machen
- Influencer Relations: Beziehungsarbeit statt Reichweitenkauf
- Corporate Creator: Die besten Geschichten sitzen im Unternehmen
- LinkedIn skalieren: KI als persönliche Superkraft
TikTok: Content schlägt Marke
Anna Bachner ist Social Media Managerin bei Rosenbauer, dem weltgrößten Exporteur von Feuerwehrfahrzeugen, der in 150 Ländern aktiv ist. Seit 2022 betreibt das Unternehmen einen TikTok-Kanal mit inzwischen rund 100.000 Followern, rein organisch aufgebaut, ohne bezahlte Reichweite.
Ein zentrales Learning: Auf TikTok zählt nicht, wer man ist, sondern was man zeigt. Die Plattform kennt keine Markenhierarchie. Ob Weltkonzern oder Kleinstunternehmen – was zählt, ist einzig, ob der Content die Zielgruppe interessiert.
Das macht TikTok demokratischer als alle anderen Plattformen und gleichzeitig unberechenbarer. Als Beispiel vergleicht Bachner die eigenen TikTok-Zahlen mit denen von Nike und merkt an, dass Rosenbauer zum Teil besser “performt” als die Weltmarke.
„Auf TikTok folgen die Leute keinen Marken. Sie sind wegen dem Content und dem Video dort.“ – Anna Bachner, Social Media Managerin, Rosenbauer Group


Sie beschreibt drei Typen von Unternehmen, für die TikTok funktioniert:
- jene, deren Produkt von sich aus fasziniert. Oft ist hier Feuer, Action, Wasser im Spiel – zu dieser Kategorie zählt auch Rosenbauer selbst.
- jene, die ein mutiges Konzept entwickeln, das heraussticht.
- und jene, bei denen eine Persönlichkeit authentisch in die Kamera spricht.
Was alle drei gemeinsam haben: Sie sind nicht langweilig.
Besonders aufschlussreich ist der demografische Befund: Die Nutzer*innen auf TikTok sind längst nicht mehr nur Teenager. Die Altersverteilung ähnelt zunehmend jener auf Instagram, aber die geografische Reichweite ist deutlich breiter gestreut. Für international tätige Unternehmen ein ernstes Argument. Rosenbauer erreicht auf TikTok Zielgruppen, die auf anderen Kanälen schlicht nicht auftauchen.
Anna unterscheidet zudem drei Kategorien von Content, die auf TikTok funktionieren:
- Das Produkt ist ein visueller Selbstläufer: actionreich, satisfying, spektakulär
- Es braucht ein herausstehendes Konzept. Hier gilt Annas wichtigstes Motto: Je mutiger, desto besser.
- Authentizität schlägt Hochglanz: Eine Person spricht direkt in die Kamera, gibt Einblicke in den Arbeitsalltag, teilt Tipps aus der Praxis.
Dazu hat Anna eine Liste an konkreten Hacks, die den Unterschied (für den Algorithmus) machen:
- Viel Zeit in der App verbringen, auch an Tagen ohne eigene Posts.
- In der TikTok-App schneiden, nicht in externen Tools.
- Die kommerzielle Musik-Library nutzen.
- TikTok Sounds verwenden.
- Sofort mit dem Hook starten, kein langes Intro.
- Videos nie doppelt posten, weder auf demselben Kanal noch auf anderen Plattformen.
- Und: 1:1 Instagram-Content funktioniert selten.
Zur Orientierung hinsichtlich Performance gibt Anna folgende Richtwerte an: für kleinere Accounts gelten 500 bis 2.000 Views pro Video als guter Wert, ab 5.000 ist es sehr gut. Die Engagement-Rate (Likes, Kommentare und Shares geteilt durch die Views mal 100) sollte zwischen 6% und 10% liegen. Zahlen, die helfen, aber nicht entscheiden – TikTok verzeiht vieles, aber keine Langeweile.

Podcast: Vertrauen aufbauen, nicht Werbung machen
Johannes Pracher leitet die Startrampe, den Start-up-Hub der Sparkasse Oberösterreich – und betreibt seit April 2020 den #glaubandich-Podcast. Entstanden mitten im ersten Lockdown, aus einer Mischung aus Notwendigkeit und Mut: Als der Open Space des Hubs nicht mehr offen sein durfte, musste ein anderer Weg her.
Der Start war alles andere als professionell: Mikrofon vom Mediamarkt, Software auf dem privaten Notebook und ein Vorstand, der auf die Ankündigung des Podcasts nur ein knappes „Aha“ übrig hatte, so Johannes.
„Ein Aha ist kein Nein. Und wenn es kein Nein ist, ist es eine andere Form von Ja.“ – Johannes Pracher, Startrampe Sparkasse OÖ
Heute hat sich der Kanal als eines der wirkungsstärksten Kommunikationsmittel etabliert. Wöchentlich hören zwischen 400 und 2.500 Menschen hinein, abhängig vom Gast und der Bewerbung dahinter. Die Completion Rate, also der Anteil der Folge, den Hörer*innen tatsächlich zu Ende hören, liegt bei 60 bis 70 Prozent. Der Branchendurchschnitt liegt bei 30 Prozent.
Was ihn trägt, ist weniger Reichweite als Beziehung: Johannes lädt keine Werbespot-Gäste ein, sondern Unternehmer*innen, Innovator*innen und Gründer*innen, die etwas zu erzählen haben. Bankprodukte kommen nicht vor. Die Folgen dauern maximal 30 bis 40 Minuten, denn das entspricht einer Pendelstrecke.
„Es gibt drei Dinge auf der Welt, wo wirklich gelogen wird: in der Jagd, in der Fischerei und bei Podcast-Hörer*innenzahlen.“ – Johannes Pracher, Startrampe Sparkasse OÖ


Die Wirkung des Podcasts entfaltet sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
- Der Podcast ist Door Opener für Gespräche, die sonst schwer zustande kämen.
- Er ist ein Personal Branding-Tool für den Host selbst. Johannes Pracher ist heute als Gesicht der Startrampe weit über die Sparkasse hinaus bekannt.
- Der Podcast liefert Content für LinkedIn und Instagram.
- Er ist ein stiller Vertriebskanal. Nicht im Sinne von Produktwerbung, sondern im Sinne von Beziehungsaufbau, der irgendwann in echte Geschäftskontakte mündet.
- Und er ist ein Alleinstellungsmerkmal, das kaum kopierbar ist: Die Kombination aus Thema, Haltung und Persönlichkeit macht den Unterschied.
Der Aufwand pro Folge ist überschaubar: rund vier bis fünf Stunden. Eine Stunde Aufnahme, eine Stunde Planung, eine Stunde Schnitt, ein bis zwei Stunden für Aufbereitung und Social Media. Was es braucht, ist nicht Perfektion, sondern Regelmäßigkeit.
Johannes Prachers wichtigsten Strategie-Learnings:
- Interne Kritik kommt und geht. Wer einen neuen Kanal startet, muss mit Skepsis rechnen. Seine Antwort: gelassen stehen lassen und weitermachen.
- Der entscheidende Moment kommt meistens von außen. Bei Johannes war es ein Vorstandsmitglied, das anrief, weil ein Kunde unbedingt in den Podcast wollte. Ab diesem Punkt war der Kanal intern legitimiert.
- Video ist kein Muss. Ganz im Gegenteil. Ein Video-Podcast erhöht die Hemmschwelle bei den Gästen enorm. Audio reicht und senkt die Hürde für alle Beteiligten.
- Regelmäßigkeit schlägt Perfektion. Ein fixer Produktionstag im Kalender, konsequent eingehalten, macht alles plan- und machbar.
Sein stärkstes Argument für alle, die selbst überlegen: Nicht zu viel planen!
Die Sparkasse Oberösterreich hat eineinhalb Jahre an einem vierseitigen Strategiepapier für einen Podcast gearbeitet und ihn nie umgesetzt. Johannes hat einfach angefangen und ist heute bei über 250 Folgen, einem 1. Platz beim Ö3-Podcast-Award 2025 in der Kategorie “Corporate” und einer Community, die ihm (gerne und immer wieder) zuhört.
-> Der Startrampe #glaubandich Podcast

Influencer Relations: Beziehungsarbeit statt Reichweitenkauf
Christina Strauss ist PR-Leaderin bei IKEA Österreich und beim Thema Influencer*innen ist bei IKEA nicht nur die Marketing-, sondern auch die Presseabteilung federführend. Das ist kein Zufall, sondern Programm: Bei IKEA werden Influencer*innen nicht als Mediastrategie verstanden, sondern als Beziehung. Deswegen spricht Christina hier von Influencer Relations statt Influencer Marketing.

Das bedeutet: keine Rabattcodes, keine reinen Performance-Kampagnen, sondern langfristige Partnerschaften mit Menschen, die zur Marke passen, sowohl was die Werte betrifft, als auch inhaltlich und menschlich.
Sie unterscheidet dabei drei Einsatzgebiete:
- Produkte: Influencer*innen integrieren Neuheiten und Kollektionen authentisch in ihren Alltag. Nicht als Werbebotschaft, sondern als echten Erfahrungsbericht. Das Produkt wird erlebt, nicht inszeniert.
- Positioning: Werte nach außen sichtbar machen. Etwa rund um Inklusion, LGBTQIA+ oder Nachhaltigkeit. Hier geht es nicht um Reichweite, sondern um Glaubwürdigkeit. Wer Haltung zeigen will, braucht Partner*innen, die diese Haltung auch wirklich leben.
- Fokusthema: Jedes Jahr wählt IKEA ein inhaltliches Schwerpunktthema, das alle Influencer*innen-Aktivitäten bündelt. Aktuell heißt das Thema “Freude am Kochen”, davor war das Thema “Schlaf”.
Rund um dieses Fokusthema entstanden auch zwei Cases mit klarer Strategie und messbarem Outcome, die beispielhaft für die Influencer Relations von IKEA stehen:
Case 1: Worst Sleepover Ever
Im September 2024 übernachteten 16 Influencer*innen sowie vier per Golden Ticket ausgewählte Community-Mitglieder im IKEA Wien Westbahnhof. Aufgeteilt in vier Teams absolvierten sie sieben Social-Media-Challenges rund ums Thema Schlaf – live auf TikTok und Instagram, drei Stunden lang, mit TV-Kooperation im Frühstücksfernsehen.
Das Ergebnis der Aktion:
- Über 35.500 Interaktionen im Livestream
- Mehr als 400 organische Content-Pieces von Influencer*innen
- Eine Content-Interaction-Steigerung von 781 Prozent auf den IKEA-eigenen Kanälen
- 3,3 Millionen organische Influencer Impressions
50 Prozent der Zuseher*innen waren aus der Gen Z. Eine Kampagne, die ohne echte Beziehungen zu den Influencer*innen so nicht funktioniert hätte.
Case 2: Pride-Kampagne
Für die Pride-Kampagne arbeitete IKEA mit den Drag-Artists Pandora Nox und Liam Choclit zusammen. Der Slogan: „Schlaf gut. Egal mit wem.“ Die Kampagne lief auf mehreren Ebenen gleichzeitig: Out-of-Home-Werbung in der Stadt, eine Bushaltestelle direkt am Rathausplatz während der Regenbogenparade und Co-Autor-Posts auf Social Media, die gemeinsam mit den Künstler*innen entwickelt wurden, nicht für sie. Der Unterschied ist entscheidend: Pandora Nox und Liam Choclit waren keine gebuchten Werbeflächen, sondern echte Stimmen der Kampagne.
Das Ergebnis:
- 1,2 Millionen Impressions beim ersten Post
- 29.000 Likes
- Engagement Rate von über 14 Prozent (die Benchmark bei Konzernen liegt bei 1 bis 2 Prozent)
- Die Kampagne wurde zwar beim Werberat angezeigt, das Community-Feedback war dennoch überwältigend positiv
Was wirklich dahintersteckt
Der Erfolg beider Kampagnen ist kein Zufall und auch nicht reproduzierbar, wenn das Fundament fehlt. Christina betont: Influencer Relations funktionieren nur, wenn die Basis stimmt.
„Man muss sich diesen Groundwork erarbeitet haben. Von heute auf morgen mit einer 360-Grad-Pride-Kampagne rauszugehen, ohne vorher in der Community präsent gewesen zu sein, wird euch niemand glauben.“ – Christina Strauss, PR-Lead, IKEA Österreich
Drei Prinzipien, die sich durch beide Cases ziehen:
- Authentisches Briefing statt strikter Vorgaben. Influencer*innen bekommen Raum, die Kampagne mit ihrer eigenen Persönlichkeit zu füllen. Das Ergebnis ist echter und performt besser.
- Brand & Topic Alignment vor Reichweite. Ob jemand zur Marke passt, ist wichtiger als die Follower*innen-Zahl. Eine kleinere Community mit echter Bindung schlägt eine große mit wenig Engagement.
- Influencer Relations in-house führen. Bei IKEA läuft das nicht nur über Agenturen, sondern wird intern mitgesteuert. Weil echte Beziehungen persönliche Kontinuität brauchen.
IKEA hat hier nicht versucht, Glaubwürdigkeit zu kaufen. Die Marke hat investiert: in Erlebnisse, in Haltung, in Menschen, die in ihrer Community bereits Vertrauen genießen.

Corporate Creator: Die besten Geschichten sitzen im Unternehmen
Anna Turner vom 1000 Things Media House und Joan Hoban von Generali Österreich verantworten gemeinsam die Social-Media-Strategie der Generali – inklusive Instagram. Keine klassische Agentur-Kundin-Beziehung, sondern echte Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Während organische Reichweiten sinken, organisches Engagement zurückgeht und selbst bei jüngeren Zielgruppen die Zugriffszahlen fallen, steigt auf der anderen Seite bei genau dieser Generation die Sehnsucht nach echter Verbindung. Sie suchen Räume für Austausch – online wie offline. Gemeinsam haben Anna und Joan versucht, diese Räume zu öffnen und in ihre Strategie zu integrieren.
„Algorithmen schaffen Reichweite. Menschen schaffen Verbindung.“ – Anna Turner, 1000 Things Media House

Dabei war der Start für Joan alles andere als einfach – nach langen Jahren in Unternehmen mit großen Marketingabteilungen war der Wechsel zu Generali ein Kulturschock. Das Unternehmen existiert seit 1831, hat 4.000+ Mitarbeitende und ist – wie Joan es selbst beschreibt – „sehr bürgerlich und konservativ“.
Kein Einzelfall: Die Herausforderungen, vor denen viele stehen:
- Geringes Budget: Kommunikationsbudgets sind oft knapper als gewünscht – bei Joan war der Unterschied zu ihren früheren Stationen besonders drastisch.
- Kommunikation ohne internen Stellenwert: In vielen Unternehmen hat der Vertrieb eine Sonderstellung, Kommunikation spielt eine Nebenrolle. Bei Generali auf den Punkt gebracht von Joan selbst: „Vertrieb ist King, der Sonnenkönig. Und Kommunikation steht in der internen Wertigkeit knapp über dem Hausmeister.“
- Transformation in konservativen Strukturen: Wer Innovation und Wandel vorantreiben soll, stößt in gewachsenen Unternehmen schnell auf Widerstand. Joans nüchterne Einschätzung beim Einstieg: „Die werden mich nicht lieben.“
- Kreativität statt Briefing: Wenn das klassische „Hier das Briefing, bitte macht“ nicht mehr funktioniert, muss man selbst zum Gestalter werden – und Lösungen entwickeln, die mit den vorhandenen Mitteln funktionieren.
Die Erkenntnis kam aus der Not: Da weder Budget noch interner Rückenwind vorhanden waren, musste sie etwas erfinden. Bald erkannte sie, was direkt vor ihr lag: 1.800 Vertriebsmitarbeitende, die redegewandt sind, gerne vor die Kamera gehen und täglich Versicherungen verkaufen müssen. Quasi 1.800 potenzielle Corporate Creators, ohne es zu wissen.
Der Ansatz für Instagram: Erst die Menschen, dann die Geschichte
Die Lösung dreht den klassischen Prozess um: Die Agentur erfindet keine Story und sucht dann den passenden Cast. Sondern der Cast bestimmt die Story. Über das interne Tool Sociable posten Mitarbeitende Content, manchmal für die interne Kommunikation, manchmal auch öffentlich. Anna Turner und ihr Team haben Lesezugriff und spielen dort Journalist*innen: Sie scouten Geschichten, die sich für externen Content eignen.
„Die besten Geschichten findet man bei sich im Unternehmen. Man muss nur neugierig und ein bisschen nervig sein.“ – Joan Hoban, Generali Österreich

Zwei Beispiele machen deutlich, wie das in der Praxis auf Instagram aussieht:
- Johannes ist Kundenbetreuer bei Generali und seit jeher auch Christbaumverkäufer im Waldviertel. Drei Reels, gedreht auf dem Christbaumhof, erzählen seine Geschichte. Kein Kamerateam, kein Drehbuch, kein Art Director. Nur ein Smartphone und eine echte Geschichte, die die Werte der Generali überzeugender transportiert als jede Hochglanzkampagne.
- Stefan aus Kitzbühel, Kundenbetreuer und Skifahrer, filmt sich selbst auf der Piste kurz vor dem Hahnenkammrennen. Entstanden ist ein Reel, das Reichweite erzielt, weil es echt ist. Und weil Menschen spüren, wenn jemand nicht spielt.
Die Ergebnisse geben dem Ansatz recht:
- Engagement-Rate bei Corporate-Influencer-Content: durchschnittlich 35,63 Prozent, der Plattformdurchschnitt liegt bei 29,13 Prozent
- Thruplay-Rate, also der Anteil der Menschen, die ein Video bis zum Ende anschauen: 11,89 Prozent gegenüber 8,30 Prozent im Schnitt
- Cost-per-Mille: 4,46 Euro gegenüber dem Durchschnitt von 5,17 Euro. Das bedeutet: mehr Reichweite bei gleichem Budget
- Employee Content generiert bei Generali 54 Prozent mehr Sales Leads als klassische Werbung
Was das gesellschaftlich bedeutet, zeigt eine aktuelle Studie der Österreichischen Marketinggesellschaft: 45 Prozent der Befragten bewerten Werbung mit Mitarbeitenden positiv, Platz zwei nach Werbung mit echten Kund*innen, weit vor Prominenten (16,9 Prozent) und Social-Media-Influencer*innen (10,5 Prozent). Fast zwei Drittel empfinden solche Inhalte sympathischer als Auftritte professioneller Darsteller*innen.
Turner und Hoban sind sich einig: In Zeiten von KI und Fake News war es nie wichtiger, echt zu sein. Nicht perfekt – echt. Algorithmen schaffen Reichweite. Menschen schaffen Verbindung.
LinkedIn skalieren: KI als persönliche Superkraft
Sindre Wimberger arbeitet für die Stadt Wien im Bereich Digitalisierung und KI und ist einer, der nicht nur darüber spricht, sondern sie konsequent in seine tägliche Kommunikationsarbeit integriert. Seine Perspektive ist klar: KI ersetzt keine Kommunikation. Sie verstärkt sie.
LinkedIn ist heute einer der wichtigsten Kanäle für B2B-Kommunikation, Personal Branding und Sichtbarkeit und gleichzeitig einer, an dem viele scheitern. Nicht an Ideen, sondern an der Umsetzung. Wer kontinuierlich relevante Inhalte veröffentlichen will, stößt schnell an zeitliche Grenzen. Genau hier setzt Sindre an: KI als Hebel, um Frequenz und Qualität gleichzeitig zu erhöhen.
„KI ist eine Superkraft: Sie gibt uns die Möglichkeit, Dinge selbstständig zu machen, die bisher nicht möglich waren. Wenn man das versteht und nutzt, ist es echtes Empowerment.“ – Sindre Wimberger, Stadt Wien

Was LinkedIn von anderen Plattformen unterscheidet, ist für ihn weniger der Algorithmus als die Art der Inhalte, die dort funktionieren. Besonders wirkungsvoll: PDF-Posts. Präsentationen, die durchgeswiped werden, erzeugen Verweildauer und genau diese Verweildauer belohnt der Algorithmus.
Gleichzeitig zeigt LinkedIn eine seltene Dynamik: Sichtbarkeit ist hier auch ohne großes Budget möglich. Wer Expertise zeigt, regelmäßig postet und seine Inhalte klug aufbereitet, kann sich in kurzer Zeit eine relevante Reichweite aufbauen. Sindre hat das selbst erlebt: sprunghaft steigende Followerzahlen, ohne dass sich sein inhaltlicher Anspruch verändert hätte. Der Unterschied lag in der Systematik.
Der Schlüssel dazu ist nicht die KI allein, sondern das Training der KI. Wer ihr beibringt, wie man denkt, schreibt und welche Perspektiven man einnimmt, bekommt keinen generischen Output, sondern eine Verlängerung der eigenen Stimme.
„Wenn es (das System) einmal gelernt hat von dir, wie du schreibst, wie du denkst, wie deine Denkweise, was deine Themen sind, kann es das unglaublich gut in deinem Stil umsetzen. Da brauchst du quasi nicht mehr viel nachbessern.“ – Sindre Wimberger, Stadt Wien
Das Fundament seiner Content-Strategie ist ein täglicher Newsletter. Jeden Morgen kuratiert er relevante KI-News, ordnet sie ein und übersetzt sie in konkrete Implikationen: Was bedeutet das für uns? Was verändert sich? Was ist jetzt wichtig?
Dieser eine Inhalt wird zur Quelle für alles Weitere: LinkedIn-Posts, Infografiken, Präsentationen, Podcast. Einmal gedacht, vielfach ausgespielt.
Mit zwei bis drei Posts täglich erreicht er 20.000 bis 30.000 Impressions pro Woche – bei rund 12.000 Followern. Was früher Stunden gedauert hätte, entsteht heute in Minuten. Nicht, weil die KI denkt, sondern weil sie strukturiert, formuliert und beschleunigt.
Für Sindre ergeben sich daraus folgende Learnings für LinkedIn:
- KI ist kein Ersatz, sondern ein Verstärker: Die Inhalte, Perspektiven und Meinungen kommen vom Menschen. Die KI hilft, sie schneller und konsistenter nach außen zu bringen.
- System schlägt Inspiration: Ein klarer Content-Flow (z. B. Newsletter → Posts → weitere Formate) macht kontinuierliche Sichtbarkeit überhaupt erst möglich.
- Trainiere deine KI wie einen Mitarbeitenden: Je besser sie deinen Stil, deine Themen und deine Denkweise kennt, desto weniger generisch wird der Output.
- Ein Inhalt kann in viele Formate übersetzt werden: Wer einen Inhalt einmal gut durchdenkt und strukturiert, kann daraus mehrere Touchpoints erzeugen.
- Frequenz ist heute kein Hindernis mehr: Mit den richtigen Tools wird regelmäßige Sichtbarkeit realistisch, ohne Qualität zu opfern.
- Relevanz entsteht im richtigen Moment: Das richtige Thema zur richtigen Zeit kann mehr bewirken als monatelange Planung.
Sindres Blick in die Zukunft ist dabei klar: KI wird Plattformen mit Content fluten. Die Produktionshürde sinkt, die Menge steigt. Und damit auch die Austauschbarkeit.
Was an Wert gewinnt, ist nicht das technisch Perfekte, sondern das Unverwechselbare. Inhalte, die Haltung zeigen. Die Ecken und Kanten haben. Und bei denen spürbar bleibt, dass ein Mensch dahintersteht.
KI macht Content skalierbar. Aber Bedeutung entsteht weiterhin dort, wo Persönlichkeit sichtbar wird.
-> Sindre Wimberger auf Linkedin

Fazit: Sichtbarkeit braucht Haltung – und den Mut, anzufangen
Fünf Kanäle, fünf Perspektiven und ein gemeinsamer Kern: Sichtbarkeit entsteht nicht durch Budget, Frequenz oder perfekte Produktion, sondern durch Relevanz. Und Relevanz entsteht dort, wo Menschen erkennbar werden, wo Geschichten nicht konstruiert, sondern erzählt werden, und wo Unternehmen bereit sind, Haltung zu zeigen.
Das ist keine Gegenthese zur KI. Im Gegenteil: Die entscheidende Frage ist nicht, ob man sie nutzt, sondern wie. TikTok belohnt Mut statt Hochglanz, Podcasts wirken über Vertrauen statt Reichweite, Influencer Relations entstehen durch Beziehung statt Media-Budgets, Corporate Creator machen Unternehmen menschlich und KI bringt Inhalte schneller nach außen, aber nicht die Idee dahinter.
Was dabei immer wichtiger wird, ist Personal Branding: nicht als Selbstinszenierung, sondern als Orientierung. Die stärksten Beispiele zeigen, dass hinter Sichtbarkeit immer ein Mensch steht, nicht nur ein Logo.
Für die Praxis heißt das: Die besten Geschichten sind längst da. Im Unternehmen, im Alltag, in den Menschen, die dort arbeiten. Man muss sie nicht erfinden, sondern sichtbar machen. Nicht perfekt, sondern rechtzeitig. Denn Sichtbarkeit beginnt nicht mit Tools, sondern mit dem Mut, anzufangen.
Die Inhalte dieses Textes basieren auf Vorträgen und Diskussionen, die während der Veranstaltung WE ARE SO in your feed im Behrens Lab der Creative Region stattfanden. Moderiert wurde der Abend von Wolfgang Gumpelmaier-Mach. Die Vorträge wurden transkribiert und mithilfe von KI strukturiert und zusammengefasst.
