Wie entstehen gute Ideen? – Insights vom Young Creative Club mit Marco Steiner

Von Hanna Burgstaller, 30. März 2026

Wie entstehen gute Ideen – und warum kommen sie oft genau dann, wenn man gerade nicht am Schreibtisch sitzt? Diese Frage stand im Zentrum des zweiten Young Creative Club. Zu Gast war Marco Steiner, der seit über 20 Jahren in der Kreativbranche tätig ist und offen über Ideenfindung, kreative Prozesse, Deadlines, KI und die Realität des Arbeitens in der Branche sprach.

In seinem Talk wurde schnell klar: Kreativität ist für Marco nichts Mystisches und auch kein exklusives Talent, das manche haben und andere nicht. Vielmehr ist sie ein Zusammenspiel aus Übung, Erfahrung und Intuition. Kreative Ideen lassen sich nicht einfach planen oder auf Knopfdruck produzieren – sie brauchen Raum, Aufmerksamkeit und einen inneren Fundus, aus dem man schöpfen kann.

Je mehr man einen Schatz an Interessen, Wissen und Erfahrungen in sich aufbaut, desto mehr kann man daraus schöpfen.“
– Marco Steiner

Marco beschrieb Kreativität als etwas, das ständig in Bewegung ist: ein Prozess des Verknüpfens, Verschiebens und Neudenkens. Gute Ideen entstehen für ihn dort, wo plötzlich etwas aufgeht – wo ein Gedanke nicht nur logisch klingt, sondern emotional zündet und andere mitreißt. Besonders in Brainstormings zeige sich schnell, ob eine Idee Substanz hat: nämlich dann, wenn sie anschlussfähig wird und im Raum sofort weitere Gedanken auslöst.

Ein besonders spannender Teil des Gesprächs war Marcos Zugang zum kreativen Arbeiten unter Druck. Gerade in der Kommunikationsbranche gehört es oft zum Alltag, unter Zeitdruck Lösungen zu entwickeln. Um damit umzugehen, hat er für sich Methoden entwickelt, die nicht am Schreibtisch beginnen. Spaziergänge spielen dabei eine zentrale Rolle – als verlässlicher Weg, Gedanken in Bewegung zu bringen und Ideen entstehen zu lassen.

Gleichzeitig sprach er über das Prinzip des „Basislagers“: eine erste solide Idee, die Sicherheit gibt und als Ausgangspunkt dient. Dieses Sicherheitsnetz schafft Freiraum, um weiterzudenken, zu experimentieren und mutigere Wege auszuprobieren. Denn kreative Prozesse brauchen nicht nur Offenheit, sondern auch Vertrauen.

„Es gibt nicht die eine richtige oder falsche Idee.“
– Marco Steiner

Gerade dieser Gedanke zog sich durch den ganzen Abend: Gute kreative Arbeit entsteht nicht dadurch, dass man sofort die perfekte Lösung findet, sondern dadurch, wie man mit Ideen umgeht, sie weiterentwickelt und Entscheidungen trifft. Perspektivwechsel, Offenheit und die Bereitschaft, Dinge nicht vorschnell zu bewerten, sind dafür essenziell.

Auch das Thema Künstliche Intelligenz wurde offen und differenziert diskutiert. Marco sprach darüber, dass KI vieles schneller und einfacher machen kann – vor allem dann, wenn es um Standardlösungen, Zusammenfassungen oder deskriptive Inhalte geht. Gleichzeitig machte er deutlich, wo aus seiner Sicht die Grenze verläuft: Dort, wo es um echte kreative Qualität, Haltung und ungewöhnliche Verknüpfungen geht.

„KI kann nicht kreativ sein – sie liefert die wahrscheinlichste Antwort, nicht die überraschendste.“
– Marco Steiner

Besonders eindrücklich war dabei seine Beobachtung, dass KI die Kreativbranche gerade auch mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert: Vieles, was produziert wird, ist austauschbar. Umso wichtiger wird es, sich nicht auf Beliebigkeit zu verlassen, sondern an Exzellenz, Klarheit und eigener Haltung zu arbeiten. Gleichzeitig betonte Marco aber auch, dass genau darin eine Chance liegt: Wer versteht, wie Marken funktionieren, wer gut kuratieren kann und wer echte Qualität liefert, wird auch in Zukunft gebraucht.

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, wie junge Kreative sich in einer Branche positionieren können, die im Wandel ist. Marco sprach sehr ehrlich über prekäre Einstiege, mangelnde Wertschätzung und darüber, wie wichtig es ist, möglichst früh eine eigene Expertise aufzubauen. Nicht, um sich zu verbiegen – sondern um in einem Bereich wirklich gut zu werden und dafür auch ernst genommen zu werden.

Zum Abschluss gab er den jungen Kreativen im Raum einen klaren Impuls mit: Findet heraus, wie ihr arbeitet. Lernt, eure Ideen zu artikulieren. Baut Wissen auf. Und bleibt nicht bei den kleinen Gelegenheitsjobs stehen, wenn ihr langfristig von kreativer Arbeit leben wollt.

Die 5 wichtigsten Key Learnings aus dem Gespräch mit Marco

1. Kreativität braucht Nahrung
Ideen entstehen nicht im luftleeren Raum. Interessen, Erfahrungen und Wissen bilden die Grundlage für kreative Prozesse.

2. Gute Ideen lassen sich nicht erzwingen
Kreativität entsteht oft dann, wenn man ihr Raum gibt – nicht dann, wenn man sie mit Druck erzwingen will.

3. Es gibt nicht nur eine richtige Lösung
Entscheidend ist nicht die vermeintlich perfekte Idee, sondern wie man mit ihr arbeitet, sie weiterentwickelt und präsentiert.

4. KI kann unterstützen, aber nicht überraschen
Sie ist ein hilfreiches Tool für Standardaufgaben – echte kreative Qualität entsteht aber dort, wo Menschen ungewöhnlich denken und bewusst entscheiden.

5. Expertise ist entscheidend
Wer in einem Bereich wirklich gut ist, schafft Sichtbarkeit, Wert und eine bessere Grundlage, um von kreativer Arbeit leben zu können.

Ein großes Danke an Marco Steiner für die Offenheit, die klaren Worte und die vielen spannenden Einblicke in seine Arbeitsweise und Sicht auf die Branche.

Danke auch an alle, die dabei waren, zugehört, gefragt und mitdiskutiert haben. Wir freuen uns auf viele weitere Abende voller Perspektiven, Austausch und kreativer Denkanstöße.


Der Young Creative Club ist ein Get-Together-Format für Real Talks, Drinks und Themen, die uns manchmal nachts wachhalten: kreative Blockaden, Selbstzweifel, Skills, Geld, Mut. Der Club findet viermal im Jahr für junge Kreative in Linz statt.

Zum Start gibt’s immer ein kurzes Impulsgespräch zum Thema Business, Psyche oder Skillset von spannenden Gäst*innen aus der Branche – danach Drinks, Gespräche und ehrlicher Austausch auf Augenhöhe.

Im Young Creative Club triffst du Menschen, die gestalten, schreiben, filmen, fotografieren, designen oder denken – kurz: Menschen, die dieselbe Leidenschaft teilen wie du.

Drinks sind inklusive. Haltung auch.

Hier findest du alle nächsten Termine zum Young Creative Club.


Geschrieben von Hanna Burgstaller

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