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David Kitzmüller, Co-Founder des Linzer Startups OKTAV, hat mehrfach erfolgreich Förderungen eingereicht - und verrät dir hier, worauf's ankommt

David Kitzmüller und Toni Luong haben 2017 gemeinsam die Klaviernoten-Plattform OKTAV gegründet. Sie erkannten die Musiknoten-Nische als Milliardenmarkt und starteten kurz daraufhin das „Spotify für Klaviernoten“. Die Geschäftsidee des Linzer Founder-Duos, das vor wenigen Monaten ein 500.000 Euro Investment von karriere.at – Mitgründer Oliver Sonnleithner erhielt, entstand im Rahmen einer Fördereinreichung.

Davids Finanzierungs-Erfolgsrezept lautet: Förderchancen effektiv nutzen!

Worauf du bei der Einreichung von Förderungen besonders achten solltest, verrät dir David Kitzmüller im Interview. Für sein Startups hat er bereits mehrere Förderungen im Rahmen von aws und FFG Calls erhalten.

CREATIVE REGION: Stichwort Förderdschungel: Viele (angehende) GründerInnen stehen dem Thema Fördereinreichung unsicher gegenüber. Begründet?

DAVID: Klar, es beansprucht Zeit, sich zu informieren. Aber man muss sich nicht alleine durchkämpfen – es gibt tolle Angebote und Beratungen, wenn es darum geht, die richtige Förderung für seine Idee zu finden. Mir haben z.B. die Beratungen mit euch definitiv geholfen, mich gut auf meine Einreichungen vorzubereiten.

In Österreich ist es zu Beginn außerdem schwieriger, InvestorInnen zu finden als eine passende Förderung zu lukrieren. Gerade InvestorInnen reagieren positiv auf erfolgreiche Förderungen, weil eine positive Juryentscheidung in einer frühen Ideenphase eindeutig einen Vertrauensvorschuss schafft.

Eine Förderung hat neben finanziellen Effekten auch eine Art Gütesiegel-Faktor: Es wirkt vertrauensbildend und ist somit die perfekte Basis für weitere Schritte eines Startups.

CREATIVE REGION: Eure erste erfolgreiche Förderung war 2017 die aws XS (mittlerweile heißt der Call aws Creative Impact) – warum war diese so relevant für euch?

DAVID: Sie war sicherlich unsere Startgrundlage. Ich weiß nicht, ob es OKTAV ohne die aws XS überhaupt geben würde. Mit den 50.000 Euro konnten Co-Founder Toni und ich unsere Ideenphase perfekt finanzieren. Das hieß in unserem Fall: Den Prototypen entwickeln und unsere Eigenkosten decken – das hat einfach mal das Blut in den Kreislauf gepumpt.

CREATIVE REGION: Was sind deine Top 3 Tipps für aws – ErsteinreicherInnen?

DAVID: 

  • Tipp 1: Nur einreichen, wenn die Idee wirklich passt!

Bei der aws XS ging es z.B. um kreativwirtschaftliche Ideen. „Werbeagenturen zählen auch zu unseren Kunden“ ist einfach zu wenig, um hier weiterzukommen. Im Idealfall passt man in eine der Kategorien, wie z.B. Musik, Architektur, Textil, etc. oder man baut sein Produkt spezifisch für eine der Zielgruppen, wie z.B. Tonstudios etc. Wenn das Produkt nur weitgehend der Kreativwirtschaft zuzurechnen ist, kann man sich zu jeder Geschäftsidee innovative Komponenten einfallen lassen. Auch Kundengewinnung oder Pressearbeit kann kreativ und innovativ gedacht werden – und dieser Innovationscharakter muss auch nachgewiesen werden, denn darauf schaut die Jury besonders.

  • Tipp 2: Vermeide Buzzwords!

Trendbegriffe wie Machine Learning, AI, Chatbot ohne Verankerung im Antrag wahllos zu droppen ist definitiv kontraproduktiv – was zählt, ist die konkrete Idee und der Innovationsgrad. Also etwas, das es in einer vergleichbaren Art und Weise noch nicht gibt bzw. noch nicht auf diesem Level existiert, den du einreichst.

  • Tipp 3: Niemals von einer Absage demotivieren lassen!

Stattdessen einfach die Chance nutzen, wieder einzureichen. Wenn der Antrag nicht genehmigt wird, einfach nachjustieren und herausfinden, was der ausschlaggebende Grund war, warum man nicht weitergekommen ist. Also: nachrufen und fragen, woran es gescheitert ist und diesen Punkt im zweiten Antrag einbauen und optimieren.

CREATIVE REGION: Stichwort „pitch perfect“: Was waren deine 3 wichtigsten Learnings, wenn es um den perfekten Pitch geht?

DAVID:

  • Tipp 1: Proben, proben, proben! Pitch. Correct. Repeat.

Um dein Produkt der Jury zu präsentieren hast du ein super limitiertes Zeitkontingent. Jedes Wort muss also sitzen – daher empfehlen wir neben dem Text feilen rigoroses Pitch-Training in unterschiedlichen Varianten. Wir haben mit Videoaufnahmen geübt, vor Vertrauenspersonen präsentiert aber auch vor Publikum. Mit dem anschließenden Feedback haben wir abermals Text und Timing optimiert. Ich empfehle ganz besonders das Üben vor Publikum, vor allem Leuten, die man nicht gut kennt. Das hat uns definitiv die Scheu vor der Jury genommen.

  • Tipp 2: Die Idee auf den Punkt bringen.

Es geht nicht um Effekt heischende Präsentationen, sondern dass die Jury versteht, was man meint. Was soll das Produkt und die Idee bringen? Bei der aws XS ging es zwar nicht um 2 Millionen in 2 Minuten, sondern eher 5 Minuten für 50.000 Euro – aber diese fünf Minuten wollen ebenso effizient genutzt werden.

  • Tipp 3: Auf unangenehme Fragen vorbereitetet sein.

Den Antrag von vertrauten Personen und ExpertInnen gegenlesen lassen – ihre Fragen werden auch Fragen der Jury sein. Und ja, besonderes die unangenehmen unter ihnen solltest du besonders gut vorbereiten.

CREATIVE REGION: Wieviel Vorlaufzeit sollte man für eine AWS Fördereinreichung einplanen?

DAVID:  Grob sechs Wochen. Warum? Weil ich ein großer Feedbackfreund bin. Der Antrag selbst ist nicht besonders aufwändig. Außer es ist dein erster Förderantrag, dann sind sechs Wochen etwas knapp bemessen. Sobald du den ersten geschafft hast, gilt für mich die Faustregel: Zwei Wochen für das Antrag schreiben und Überarbeiten, zwei Wochen für das Feedback durch ExpertInnen wie z.B. die CREATIVE REGION oder Buddies aus dem Umfeld, zwei Wochen zum Nachschärfen. Und go!

CREATIVE REGION: Wie war die Kommunikation mit der aws selbst?

DAVID: Sehr unbürokratisch, denn die Förderstelle arbeitet sehr regelbasiert und strukturiert. Durch die große Anzahl an Anträgen ist es so, dass die Kommunikation umso intensiver wird, je weiter man kommt. Bei positiver Förderzuerkennung hat die Auszahlung bei uns maximal vier Wochen gedauert. Und man bekommt einen persönlichen Betreuer bzw. eine Betreuerin, der/die auch immer zur Beratung für alle Fragen wie z.B. Kostenerfassung, Personalkosten etc. zur Verfügung steht.

CREATIVE REGION: Stichwort Finanzierungsposten – welche Kosten konntest du durch die aws XS Förderung abdecken?

DAVID:  Wir hatten einen hohen Eigenleistungsanteil, der nicht ausbezahlt war. Es ist aber so, dass man einen Stundensatz für Gründer einrechnen kann. Posten, die wir eingereicht haben waren unser Prototyp, Eigenkosten, einen Freelancer für technisches Set-Up, Kosten für’s Hosting, Expertise im User-Experience Bereich sowie die Reisekosten für die Gewinnung erster Partner.

Ich empfehle, unbedingt den Prototypen zu finanzieren – denn sobald dieser vorhanden ist, ist die Idee viel greifbarer für weitere Förderstellen (wie z.B. die FFG) oder potentielle InvestorInnen.

CREATIVE REGION: Welche Fördereinreichung wirst du als nächstes vornehmen?

DAVID: Ganz klar die CREATIVE IMPACT Förderung der aws. Das Tolle an dieser Förderung ist, dass sie eine reine Zuschussförderung ist und somit dem Unternehmen keine Darlehen kostet. Sprich: The money is yours!

CREATIVE REGION: Vielen Dank für das Gespräch und die vielen Tipps!

Wir beraten dich gerne!

Du willst dich über die unterschiedlichen Fördermöglichkeiten informieren? Wir stehen jederzeit nach Anfrage per E-Mail für deine Fragen zu diversen Calls zur Verfügung. Konkrete Tipps von ExpertInnen zur aktuellen AWS CREATIVE IMPACT Förderung gibt’s zudem in unserem digitalen FÖRDERBOOTCAMP am 7.und 8. April.

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