Verena Traunmüller und Wolfgang Gumpelmaier-Mach arbeiten in einem internationalen Team an der Mode der Zukunft. Foto: Volker Weihbold

Wie die Mode der Zukunft zwischen Linz, Berlin und Valencia entsteht

Von Verena Kroupa, 26. August 2020

Projekt Re-FREAM fördert kreative Ideen für nachhaltige und "gesunde" Bekleidung

Reini Gruber von den Oberösterreichischen Nachrichten hat unsere KollegInnen Verena Traunmüller und Wolfgang Gumpelmaier-Mach zur Mode- und Textilindustrie der Zukunft befragt. Das Interview zum Nachlesen gibt’s hier:


Berlin, Valencia, Linz – diese Achse verbindet. Denn in den drei Städten forschen kreative Köpfe beim Projekt Re-FREAM seit neun Monaten daran, wie die Modeproduktion der Zukunft aussehen könnte. Dabei geht es um den Einsatz von Technologien und um Fragen der Nachhaltigkeit, die sich natürlich nicht ganz von Design und Funktionalität loslösen können. „Es geht um Visionen, aber schon auch darum, zu zeigen, was möglich ist“, sagt Verena Traunmüller von der CREATIVE REGION. Das Unternehmen leitet das Projekt in Hauptverantwortung und koordiniert von Linz aus die europaweiten Aktivitäten.

Verena Traunmüller und Wolfgang Gumpelmaier-Mach arbeiten in einem internationalen Team an der Mode der Zukunft. Foto: Volker Weihbold
Verena Traunmüller & Wolfgang Gumpelmaier-Mach arbeiten in einem internationalen Team an der Mode der Zukunft. Foto: Volker Weihbold

Wenn beim Ars Electronica Festival vom 9. bis 13. September die zehn ausgewählten Projekte virtuell präsentiert werden – persönliche Auftritte verhinderte die Corona-Krise –, dann wird sichtbar, welche Ideen Schritte nach vorne gemacht haben.

Von 2D auf 3D

In der Linzer Tabakfabrik, wo Traunmüller und ihr Kollege Wolfgang Gumpelmaier-Mach das Projekt „Re-FREAM“ betreuen, ist der Fokus auf die Technologie gerichtet. Die Fragestellung lautet: Warum nutzen wir moderne Technologie nicht auch für die Mode?

Eine Antwort darauf entwickeln Michael Wieser und Viktor Weichselbaumer von Yokai Studios. Ihre Vision: ein Roboter, der vom 3D-Scan des Körpers über das Schnittmuster bis zum fertig gedruckten Textilprodukt individuelle Kleidung produziert. Dieser „Schritt zurück zur Maßschneiderei“ würde auch die Möglichkeit eröffnen, die Modeproduktion wieder aus Billiglohnländern dorthin zu holen, wo die Mode dann getragen wird.

Viktor Weichselbaumer und Michael Wieser von YOKAI STUDIOS in der Tabakfabrik Linz. Foto: Volker Weihbold
Viktor Weichselbaumer und Michael Wieser von YOKAI STUDIOS in der Tabakfabrik Linz. Foto: Alexander Schwarzl

Die Kraft der Co-Creation

„Re-FREAM“ sollte nach Ansicht von Gumpelmaier-Mach auch nicht als rein künstlerisches Projekt wahrgenommen werden: „Was nützt die coolste Entwicklung, wenn sie nicht in einen Markt überführbar ist?“ Hier werde in Linz, Berlin und Valencia Pionierarbeit geleistet.

Beispiele gefällig? Der Spanier Fabio Molinas stellt aus Korkverschlüssen von Weinflaschen veganes Leder her. Die Israelin Ganit Goldstein versucht in ihrem Projekt, eine Verbindung zwischen der traditionellen Handwerksmethode des Webens und 3D-Druck herzustellen, indem sie einen Algorithmus entwickelt hat, damit der Drucker die Webstruktur samt Farbverlauf digital so herstellt, dass es designt aussieht.

Youyang Song kocht buchstäblich neue Materialien, indem sie Bioabfälle wie Bananen- und Orangenschalen oder Sojamilch mit einem natürlichen Bindemittel kombiniert und daraus ein zu 100 Prozent abbaubares, abfallfreies Naturprodukt herstellt, welches zum Beispiel vergleichbar wie Leder eingesetzt werden kann.

Giulia Tomasello stellt Unterwäsche für Frauen her, die pH-Wert und Laktobakterien misst und die Informationen via Handy-App an die Trägerin übermittelt. Damit soll ein Beitrag zur Gesundheit geleistet werden. Und Jessica Smarsch bietet mit einem Sensor-Shirt Schlaganfall-Patienten eine Rehabilitationsmethode, weil dadurch Berührungen neuronale Bahnen stimulieren und zur Genesung der PatientInnen beitragen können. „Alle zehn Projekte zeigen sehr schön, dass wir in diesem Projekt nichts wollen, das ganz normal und leicht zu erklären ist“, so Gumpelmaier-Mach. „Wir wollen neue visionäre Ideen, die gemeinsam in Teams erarbeitet werden und neue Konzepte ergeben.“

Bis 30. September werden erneut KünstlerInnen und DesignerInnen gesucht, die in Zusammenarbeit mit Technologiepartnern die Mode- und Textilindustrie neu denken wollen, um gemeinsam einen weiteren Schritt in die Modeproduktion der Zukunft zu machen.

Text: Reinhold Gruber



Du willst die Mode- und Textilindustrie neu denken?

Aktuell sind wir wieder auf der Suche nach Artists für den zweiten Call – HIER geht’s zur Ausschreibung!

Im Rahmen ihres Re-FREAM Projekts erhalten KünstlerInnen bis zu 55.000 Euro Unterstützung sowie technischen Support für die Umsetzung ihrer Projektidee. Re-FREAM ist ein Projekt im Rahmen des EU Horizon 2020 Programms und gehört zur STARTS Familie. Das Team besteht aus einem internationalen Partnerkonsortium aus den Bereichen Creative / Fashion, Technologie, Industrie und Science.

Lerne Projekte und Artists im Rahmen des ARS ELECTRONICA FESTIVALS kennen!

Von 9. – 13. September stellen die Re-FREAM Artists des ersten Calls ihre Projekte im Rahmen des ARS ELECTRONICA FESTIVALS digital vor. HIER geht es zur Programmübersicht.

Re-think fashion! „Re-FREAM“ ist ein Begriff aus den USA der 50er Jahre. Er beschreibt Menschen, die aus der Norm fallen; all jene, die Dinge anders machen. Unter dem Motto „rethink fashion“ arbeitet das internationale Re-FREAM Team mit genau solchen Menschen: Artists, Designer*innen und Technolog*innen aus ganz Europa denken in Co-Creation die Modeindustrie neu.

Re-FREAM ist ein Projekt im Rahmen des EU Horizon 2020 Programms und gehört zur STARTS Familie. Unser Team besteht aus einem internationalen Partnerkonsortium aus dem Bereich Creative/Fashion, Technologie, Industrie und Science.

Webseite zum Projekt: https://re-fream.eu


Geschrieben von Verena Kroupa

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