Design kann der Funktion folgen. Es kann knallhart auf ein Minimum reduziert sein, wie bei Dieter Rams oder Kenya Hara. Design kann aber auch schlicht sein und trotzdem etwas Sinnliches haben. Einfach, schlicht, schön. Diesen Weg geht das Designstudio Lucy.D und zeigt, dass Form auch immer etwas mit Freude und Leichtigkeit zu tun hat.
„Das Wunderbare ist immer schön; jegliches Wunderbare ist schön; schön ist überhaupt nur das Wunderbare.”, diese Worte von André Breton drängen sich mir auf, als ich auf die Dinge blicke, die die Designerinnen Barbara Ambrosz und Karin Santorso von Lucy.D gestaltet haben. Die beiden arbeiten interdisziplinär und sind mit verschiedensten Technologien vom Handwerk bis zum Roboter vertraut. Sie planen Konzepte mit Feingefühl für die Marke und für das Material und begleiten in der Umsetzung und Produktion bis zum fertigen Produkt. “Unsere grundsätzliche Herangehensweise ist es, die Poesie im Alltäglichen zu ergründen. Das ist der Ausgangspunkt für die Entwicklung von inspirierenden wie praktischen Produkten. Wir suchen die Balance zwischen Tradition und Innovation, Sinn und Sinnesfreude sowie Detail und Ensemble.”, erklären Karin und Barbara.

Gemeinsam, getrennt, gemeinsam.
Der Raum der sich dazwischen auftut, befruchtet das Denken und Gestalten.
Barbara Ambrosz und Karin Santorso sind Lucy.D. Beide haben gemeinsam an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studiert und sind danach einige Jahre beruflich getrennte Wege gegangen, bevor sie 2003 ihr Designstudio in Wien gründeten. In der Anfangsphase von Lucy.D experimentierten sie zunächst viel, bauten jede Menge Prototypen und besuchten viele internationale Messen. Die kontinuierliche Entwicklung der eigenen Identität als Designerinnenduo und eine intensive Kommunikationsarbeit führten zum Erfolg.

Nach 10 Jahren Arbeit von Wien aus – unter anderem für Alessi, Lobmeyr, Augarten, Wiesner-Hager oder Wombats – zog es die Wienerin Barbara Ambrosz nach Sierning bei Steyr auf einen Bauernhof, während die Oberösterreicherin Karin Santorso in der Hauptstadt blieb. Wo sich andere mit getrennten Lebens- und Arbeitswelten schwer tun, tat sich für die beiden eine ungeahnte Nähe im Denken und Gestalten auf. „Die Trennung hat uns zusammengeschweißt. Im Grunde hat uns die räumliche Trennung auf ein anderes gestalterisches Niveau gebracht.“, erzählt Barbara Ambrosz. Seit sieben Jahren sind sie nun auf diese Weise erfolgreich.
Teatime is Tèotime.

Auf die Frage, was ein typisches Produkt für die Art der sinnlich schlichten Gestaltung sei, steht Barbara kurz auf und kommt mit einem etwas anderen Teelöffel und einer Tasse zurück. Dieser Entwurf für Alessi namens „Tèo“, ist ein Löffel, der neben seiner üblichen Funktion auch zum Ausdrücken der nass-heißen Teesäckchen dient – und zwar ohne dabei das Geschick der Teetrinker*innen auf die Probe zu stellen. “Der Stiel des Edelstahllöffels hat eine schmal zulaufende Öffnung. Das Säckchen kommt samt Löffel in den Tee, wobei die Schnur entlang der Innenwölbung des Löffelstiels verläuft. Das Etikett fixiert den Faden, damit er nicht ins heiße Wasser fällt. Nachdem der Tee eine gewisse Zeit gezogen hat, hebt man den Löffel aus der Flüssigkeit, zieht am hinteren Ende der Schnur und dabei den Teebeutel in die konische Öffnung des Löffelstiels. Auf diese Weise drückt man die verbleibende Flüssigkeit aus. Diese fließt über den Löffel zurück in die Tasse. Voila!“
Neu? Ja! Neu/Zeug halt!

Was Lucy.D vielleicht auch von anderen Designstudios unterscheidet ist die unglaubliche Bandbreite des eigenen Tuns. So entstehen Produkte in den Kategorien Produkt, Architektur und Corporate Design. Von A bis Z alles aus einer Denke. Warum also nicht ein eigenes Label kreieren? 2017 war es soweit: NEU/ZEUG – das Label für hochwertig entworfene und regional produzierte Porzellanlampen aus Oberösterreich, das Lucy.D gemeinsam mit Beate Seckauer, Inhaberin der Porzellanmanufaktur Neuzeughammer aus Neuzeug bei Steyr, gegründet haben. Der Name lag also von Anfang an auf der Hand. Der Crossover zwischen Design und Manufaktur ist inspirierend für beide Seiten. In einer Manufaktur hergestellte Produkte haben eine Seele, sie transportieren eine Geschichte und sind auf vielfältige Art einzigartig. „Wir kreieren Leuchtendes, gebrannt aus Erde.” Einleuchtend, wie viele Ideen von Lucy.D.




