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Wie die Kreativwirtschaft mit der Corona-Krise umgeht

Die aktuelle Situation stellt die Gesellschaft und die (Kreativ-)Wirtschaft vor ungeahnte Herausforderungen, nicht zuletzt aufgrund abgesagter Aufträge und Veranstaltungen. Wir sammeln News zu Unterstützungspaketen in unserem Blogbeitrag „CORONAVIRUS: INFOS FÜR DIE (KREATIV-)WIRTSCHAFT„, listen Tipps zur Arbeit im Home Office auf, geben Tipps, wie du deine Zeit zuhause für dich nutzen kannst… und hören uns unter Kreativschaffenden um, wie sie mit der aktuellen Situation umgehen und veröffentlichen ihre Statements laufend in diesem Blogbeitrag. 

Statements von Kreativschaffenden

„In unserer digitalen Arbeitswelt findet eine Revolution ungeahnten Ausmaßes statt. War vor ein paar Wochen das Homeoffice noch ein fancy Benefit der Digitalnomaden, die von Start-Ups unerlässlich ausgespuckt werden, ist es jetzt Realität für abertausende von Menschen. Wir erleben einen Einbruch der Wirklichkeit, wie er in Europa seit Generationen nicht stattgefunden hat. Bei allen Dystopien, die im Raum stehen, wird es dennoch ein „danach“ geben. So wie wir Arbeit jetzt leben, wird richtungsweisend sein für die Zeit nach der Notwendigkeit. Wir erfahren eine Radikalkur an Selbstorganisation, Eigenverantwortung und Solidarität – Eigenschaften, die in unserer Gesellschaft über Dekaden verkümmert sind. Ob wir an dieser Herausforderung wachsen oder scheitern, wird den Blick auf diese Zeit und alles, was danach kommt, deutlich mitprägen.

Für meine Frau und mich ist die Umstellung nicht sonderlich dramatisch, da wir schon bisher sehr flexibel von Zuhause aus gearbeitet haben. Organisatorisch sind wir gefordert, weil auch unsere beiden Kinder jetzt zuhause sind und betreut werden müssen. Wir versuchen, unseren Tag mit wenigen Eckpfeilern zu strukturieren. Jeder hat ausgewiesene Lern- und Arbeitszeiten, eine Trennung von Arbeit und Freizeit ist im Homeoffice besonders wichtig. Unser Arbeitgeber Fredmansky hat großartig und sehr vorausschauend auf die Situation reagiert, binnen kürzester Zeit wurde – auch dank des internen Zusammenhaltes – eine standortunabhängige, voll funktionsfähige Struktur geschaffen.“

  • Sulejman Ganibegovic, Head of Digital Strategy (mogree.com)

„Wir sind intern in so genannten „Squads“ organisiert. Diese agieren vollkommen autonom, d.h. ohne Flaschenhals (also ohne Personen, die etwas außerhalb des Squads freigeben müssen), sie organisieren sich alleine (Planung, Task Zuteilung etc.) und arbeiten auf diese Weise eigenständig mit den ihnen zugeteilten Kunden. All unsere MitarbeiterInnen arbeiten seit Montag von zuhause aus. Durch diese Gegebenheit ändert sich bei uns aber nichts. Wir sind praktisch mit Slack, Google Hangout und “Flexiblität” aufgewachsen und groß geworden. Unser Motto ist immer „tech and people will win“, egal wie die Gegebenheiten sind. Diese Situation hat das bestätigt.“

  • Tanja Weidinger, HR Managerin (fretello):

„Für uns bei Fretello ist Heimarbeit keine Neuerung oder Reaktion auf die aktuelle Situation, sondern unsere gewöhnliche Weise der Zusammenarbeit. Da wir ein remote-first Unternehmen sind, sprich, unsere Strukturen, Tools und Prozesse auf diese Arbeitsweise ausgelegt sind, hat die Coronavirus-Krise keinen direkten Einfluss auf unser tägliches Arbeiten. Natürlich versuchen wir, unser Team regelmäßig über Entwicklungen zum Thema Coronavirus upzudaten, ihnen Ängste zu nehmen und Eltern, deren Kinder daheim sind, zu entlasten oder ganz freizustellen. Wir nehmen die Situation ernst und sind uns unserer Fürsorgepflicht absolut bewusst. Aus diesem Grund haben wir Erwartungen in Bezug auf interne Deadlines und Ziele angepasst und dies entsprechend kommuniziert. Aus Unternehmensperspektive sind wir in der glücklichen Position, unsere Nutzer in der schweren Zeit daheim begleiten zu dürfen und ihnen durch das (vertiefte) digitale Erlernen eines Musikinstruments Freude bereiten zu können.

Bei Fretello nutzen wir Slack als Kommunikations- und Kollaborationstool. Unsere Channels sind öffentlich, so ermöglichen wir unseren Mitarbeitern freien Zugang zu Informationen und Updates aus den verschiedenen Bereichen. Außerdem bekommt jeder die Gelegenheit, Input oder Feedback zu einem geposteten Thema zu geben. Im Produktteam entwickeln wir nach dem Scrum-Prinzip, das tägliche, kurze Team-Alignments vorsieht. Auch in den anderen Teams gibt es tägliche oder wöchentliche Abstimmungsmeetings via Video Call. Fortschritte und aktuelle Entwicklungen in den Bereichen werden manchmal sogar mehrmals täglich in Slack geteilt, so schaffen wir Transparenz und Verbindlichkeit.

Die aktuelle Krise ist auch eine Chance, sich als Unternehmen neu zu entdecken, eine starke Bindung zu seinen Mitarbeitern aufzubauen und festgefahrene Prozesse komplett neu zu denken.“

„Meine Mitarbeiterin Sarah und ich arbeiten seit jeher Cloud-basiert (Dropbox Business, Adobe Cloud), sprich, unsere bestehende Infrastruktur musste nicht umgestellt oder angepasst werden und wir konnten mit Freitag ins Heimoffice wechseln und sofort weiter arbeiten. Somit können alle laufenden Projekte termingerecht fertig gestellt werden.

Was darüber hinaus passiert, ist für uns komplett ungewiss. 90% unserer Kunden sind aus dem Kunst- und Kulturbereich und sind derzeit selber in einer komplett unsicheren Situation. Hier gilt es abzuwarten, wie lange der Shutdown Bestand hat und welche Maßnahmenpakete die Regierung ausarbeitet. Noch profitieren in erster Linie größere Institutionen, weniger EPUs. Herabsetzung Steuervorauszahlung und der SVS Beiträge greift zu kurz, denn die meisten kreativen EPUs werden kaum Rücklagen haben bzw. diese in den nächsten ein bis zwei Monaten aufbrauchen. Kurzarbeit ist für MitarbeiterInnen derzeit nicht leistbar, wenn Urlaubsguthaben und Zeitguthaben zuerst konsumiert werden müssen… auch ist es für uns schwierig Umsatzrückgänge nachzuweisen, bei potentiellen Aufträgen, die in Aussicht gestellt wurden und derzeit on Hold sind.

Wir sind aber nicht umsonst aus der Kreativbranche und daher auch optimistisch hier neue Wege und Dienstleistungen anbieten zu können! Wichtig ist es bis dahin finanzielle Unterstützung zu erhalten, bis sich die Wirtschaft wieder fängt und unsere Dienstleistung bitter nötig haben wird, denn die Zeit danach wird viele Veränderungen mit sich bringen. Also, helft uns jetzt (schnell, unbürokratisch und direkt) und wir werden euch beim Wiederaufbau helfen!“

 

„Als Selbstständige arbeite ich ja sonst auch oft im Home Office, da ist die Umstellung nicht allzu groß. In der Regel arbeite ich aber mit vielen Menschen in Projekten oder Workshops zusammen. Diese wurden nun verschoben und erste Formate finden virtuell statt. Ich sehe das als Chance, mich näher mit den digitalen Tools im Bereich Design Thinking und Kollaboration zu beschäftigen.

Die Kinder und mein Mann sind zuhause, das ist anders als sonst. Aber wir genießen die gemeinsame Zeit und dank unserem Garten können wir auch das schöne Wetter nutzen. Hausunterricht für einen 8-jährigen ist auch neu für mich, aber mit meinen ganzen Workshop Materialien lässt sich viel machen. Post-Its korrekt abziehen kann er schon, Video-Prototyping steht als nächstes an 😉

Beruflich sehe ich die Herausforderung darin, wie größere Gruppen über die Distanz zusammenarbeiten können. Gemeinsam mit einer Kollegin bereite ich gerade eine virtuelle 3-tägige „Design Thinking“ Vorlesung vor. Hier stellen sich viele spannende Fragen vorab: Wie stabil sind Internetverbindungen? Wie entstehen virtuelle Gruppendynamiken? Wie bauen wir virtuelle Prototypen? usw.

Mein Mann arbeitet auch im Homeoffice und wir wechseln uns ab mit der Kinderbetreuung oder erledigen halt Dinge am Abend. Die Auswirkungen sind natürlich zu spüren, abgesagte Workshops, verschobene Projekte etc. Aber ich bin guter Dinge, dass vieles einfach zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird. Oder eben virtuell.

„Wir sind bereits in der zweiten Woche im Home Office und haben vergleichsweise früh reagiert. Da wir ein 100 Prozent digitales Produkt haben, können wir von überall aus arbeiten. Einmal abgesehen davon, dass die Technik funktionieren muss, ist bei einem vollständig verteiltem Team wichtig, dass Ziele definiert werden, es klare Regeln für Meetings gibt und alle verlässlich tun, was vereinbart wurde. Auch wenn es gut funktioniert und derzeit viele Startups über ihre Home-Office-Fähigkeit jubeln, ist das hoffentlich kein Dauerzustand. Kreatives Arbeiten funktioniert natürlich besser, wenn man es zusammen an einem Ort macht.“

  • Florian Hieß, Head of Digital Marketing (Swat.io):
„Als SaaS Unternehmen sind wir bei Swat.io ein schnelles und agiles Umfeld und das digitale Arbeiten gewöhnt. Die Vorbereitung beziehungsweise Umstellung vom normalen Arbeitsumfeld ins Home Office ging daher auch sehr schnell. Wir waren bereits am Dienstag vor der Pressekonferenz der Regierung auf die Umstellung vorbereitet und mit Freitag dann zu 100% im Home Office. Für uns ist das Arbeitsleben insofern nicht lahmgelegt, sondern hat sich nun nur nach Hause verschoben.
Wir evaluieren aktuell täglich wie sich die Situation weiterentwickelt und wie sich die Veränderungen auf unsere Marketing Aktivitäten auswirken. Daher haben wir auch beschlossen bis Ende März unsere Werbeausgaben auf Paid Channels stark zu reduzieren und Messen, Kongresse und Konferenzen, sowie Sponsorings in diesen Bereichen zu pausieren. Der Fokus liegt jetzt stattdessen auf strategischen und gemeinnützigen Projekten.
Daher haben wir am vergangenen Wochenende entschieden, eine Aktion zu starten, um gemeinnützige und sozial orientierte NGOs, NPOs und Charities zu unterstützen, die sich in in der aktuellen Corona-Virus Situation besonderen Herausforderungen in der Kommunikation auf Social Media stellen. Diese unterstützen wir mit einer kostenlosen Lizenz im Rahmen unseres Social Media Krisenpakets und der nötigen Starthilfe.“
„Ich habe mir zu Hause ein kleines Office eingerichtet, kann aber grundsätzlich ohne Probleme von überall aus arbeiten. Nachdem wir generell versuchen, New Work so gut es geht in unserem Büro-Alltag zu leben, war der Weg zum Heimbüro relativ unproblematisch. Lediglich das Team fehlt, auch wenn wir mit digitalen Lunch-Sessions und Prosexy nach 17:00 Uhr versuchen, dem entgegen zu wirken.“
  • Martin Mühl, Geschäftsführer, und Thomas Weber, Herausgeber, (Biorama)
Martin Mühl: „Wir haben bei uns am Dienstag 10. März beschlossen, dass wir den Kolleginnen und Kollegen die freie Wahl stellen, ob sie ins Büro kommen wollen oder lieber nicht. In den Tagen darauf haben wir dies auf eine klare Empfehlung von zu Hause zu arbeiten geändert. Seitdem arbeiten die meisten Kolleginnen und Kollegen von daheim. 

Wir nutzen die klassischen Tools, die wir auch zuvor genutzt haben zur Organisation und zum Austausch: Einen Taskmanager, ein Chat-Programm, Email, Kurznachrichten und das Telefon. In den meisten Situationen sind diese ausreichend. Vereinzelt fahren Kolleginnen und Kollegen abgestimmt stundenweise ins Büro.“

Thomas Weber: „Das Arbeitspensum ist nicht wirklich weniger, aber ich habe das Gefühl, dass alle Kolleginnen und Kollegen noch fokussierter vorgehen als sonst. Bei einigen von uns wird die sonst ewig lange To-Do-Liste aktuell etwas kürzer.“
Martin Mühl: „Am direktesten betroffen sind wir beim Craft Bier Fest, dessen nächste Ausgabe Mitte Mai hätte stattfinden sollen. Derzeit sind wir unsicher, ob das auch so sein wird. Hier gibt es auch die direktesten finanziellen Auswirkungen.“

 

Thomas Weber: „Bei unseren eigenen Publikationen geht gerade alles langsamer. Es kam auch zu Verschiebungen von Anzeigen und vereinzelt zur Stornierungen. Diese treffen uns  natürlich hart, denn die finanzielle Situation ist bei uns nie wirklich entspannt. Wir verstehen vollkommen, dass Kunden ihre Kampagnen absagen oder verschieben, wenn es etwa um Events geht, die nun nicht stattfinden können. Interessanterweise gibt es aber auch Kunden, deren Geschäft gerade nochmal deutlich besser läuft – und die gerade deswegen aktuell auf Werbung verzichten.“

Martin Mühl: „Die aktuelle Situation mit einer gerade aktuellen Magazinproduktion unseres Hauptheftes BIORAMA – in die mehr Personen involviert sind als bei anderen Projekten – ist eine Herausforderung. Alle sind darum bemüht, die nötigen Schritte zu erledigen, darauf zu fokussieren und etwaige Meinungsverschiedenheiten hintan zu stellen. Gerade, dass diesmal alles etwas anders läuft, macht aber auch Details sichtbarer, die man später durchaus angehen und klären kann, weil es Abläufe gibt, die nicht ideal sind.

Bei den Dienstleistungen und Fremdaufträgen kam es bisher zu keinen Verschiebungen und Stornierungen – allerdings müssen wir damit rechnen, dass diese teilweise noch kommen. Hier ist auch alles einfach langsamer und die Abstimmung mit Kunden, Lieferanten und Projektpartnern ist derzeit eher stockend und langsam.“

Thomas Weber: „Schwierig ist, dass einige wirklich spannende Projekte, die in Vorbereitung waren und für die wir mit Arbeitseinsatz in Vorleistung gegangen sind, jetzt einmal on hold sind. Im besten Falle verschiebt sich alles einfach. Absehen kann das aktuell natürlich niemand.“
Martin Mühl: „Wir werden einige Kolleginnen und Kollegen für Kurzarbeit anmelden und hoffen, dass diese gewährt wird. Aktuell hoffen wir, durch diese Schritte ohne Kündigungen auszukommen.“

Etienne Koo, CEO & Co-Creator (Show My Size):

Bei Show my Size haben wir noch am gleichen Tag der Anordnungen der Bundesregierung unser Büro geräumt. Alle Mitarbeiter bekamen das nötige Equipment für Home Office zur Verfügung gestellt und seit über 2 Wochen arbeiten wir nun vollständig remote und bleiben alle zu Hause. Für uns hat sich, außer dem Arbeitsort, nichts geändert da wir zuvor auch hauptsächlich digital gearbeitet haben. Das gesamte Team chattet zweimal täglich mit Video und ist untertags laufend in Kontakt. Unsere App Show my Size bietet vielen Usern jetzt eine gute Ablenkung, sowohl für sozialen Kontakt als auch Zugehörigkeit und den Beitrag zu einem zukünftigen nachhaltigen Shoppingverhalten. Wir halten sowohl an unserer Firma, als auch an unseren Mitarbeitern fest und arbeiten weiterhin für eine nachhaltige Zukunft in der Bekleidungsindustrie.


Florian Knogler
, Geschäftsführer & Creative Director (Zunder)

Nach über einer Woche im Home Office kann ich sagen – es funktioniert. Wir arbeiten seit Jahren Cloud-basiert, das macht sich nun bemerkbar. Wir haben keine Einschränkungen, können unseren Kunden die gleiche Qualität bieten und lachen jetzt einfach via Screen zusammen. Hier muss ich meinen Mitarbeiterinnen auch ein großes Lob aussprechen, sie sind sehr motiviert und gemeinsam versuchen wir positiv und locker mit der Situation umzugehen. Wir wollen gestärkt und mit viel Selbstvertrauen aus dieser Zeit herausgehen. Unsere Welt und unser Verhalten verändern sich und idealerweise gehen wir alle diesen Weg mit. #bettertogether

Persönlich ist für mich als Familienvater eine Work-Life-Balance sehr wichtig. Wir haben seit Jahren eine Vier-Tage-Woche im Büro, daher ist es für mich nichts neues von zu Hause aus zu arbeiten. Meine Frau und ich wechseln uns mit der Kinderbetreuung ab, wir arbeiten und genießen die Zeit zusammen – es funktioniert.

Es wird sich so viel ändern, wir alle können noch nicht sehen, was die Zukunft bringt. In über einer Woche hat sich bereits so viel getan: Es gibt neue Online-Plattformen für den heimischen Handel, Rezepte für Medikamente können digital ausgestellt werden, eine neue Solidarität entsteht und wir reisen gefühlt nicht mehr um die Welt für einen Termin.

Nichts desto trotz, befinden wir uns selbst schon mitten in der Krise und es wird nicht einfacher. Entscheidend werden für uns alle wohl die nächsten Monate sein. Wie reagieren unsere Kunden? Wir müssen es beobachten. Es wird funktionieren. #bettertogether

Barbara Ambrosz, Designerin und Geschäftsführerin (Lucy.D & NEU/ZEUG)

Ich bin als Designerin und Mutter an digitales und vor allem sehr flexibles Arbeiten gewöhnt. Meine Geschäftspartnerin Karin Santorso sitzt in der Wiener Dependance unseres Designstudios und ich arbeite von Steyr aus. Wir entwickeln Produkte und Möbel für unterschiedliche Produzenten. Eines unserer wichtigsten Kerngebiete ist das Thema „New Work“, wofür wir schon diverse Möbelserien entworfen haben. HOME Office in geballter Ladung mit HOME Schooling ist jedoch für die versiertesten New Worker eine sehr große Herausforderung. 
In den letzten beiden Wochen war meine Aufgabe vor allem einen geordneten und konzentrierten Arbeitsplatz für meine Kinder zu schaffen, den Schulablauf zu verstehen und auf uns zugeschnitten umzusetzen – also eine Art Real-Life Design Thinking Prozess. Sieht man es positiv, ist hier ein großes experimentelles Potential! Wir starten mittlerweile den Tag mit ein paar Yoga-Übungen und gehen dann in ein Fussball Training über, danach gehts ans Lernen. Noch etwas hat sich stark verändert – wir sind alle am Hof! Wir leben als Familie auf einer Generationen übergreifenden Bio-Landwirtschaft. Seit Anfang der „Quarantäne“ setzen wir Projekte um, die schon lange warten – jetzt ist die Zeit dafür gekommen!
Als Designstudio merken wir die wirtschaftliche Unsicherheit teilweise sehr stark. Es werden Projekte verschoben und abgesagt. Es ist also von einem Tag zum nächsten langsamer geworden. Das bringt eine neue Qualität mit sich: denn auf die Entwicklungen, die trotzdem weiterlaufen, legen wir ein besonderes Augenmerk. Schon jetzt beschäftigt uns die Frage, was ist nach Corona, wie verändert es unsere Art zusammen zu leben, zu kommunizieren, zu arbeiten? 
Meine Devise: vertrauen, loslassen, denn aus Leerräumen entsteht Neues!

Philipp Baldauf
 – Co-Founder & CEO (butleroy)
Die größte Herausforderung im Home Office sehen wir darin, dass man zu lange und zu viel arbeitet. Das klingt auf den ersten Blick verdreht, ist aber logisch. Wenn dein zu Hause dein Arbeitsplatz ist, bist du nämlich immer in der Arbeit. Hier muss man gezielt dagegen arbeiten, besonders auch um langfristig Erfolg im Home Office zu haben. Am Anfang haben wir uns oft dabei ertappt auch sehr spät in der Nacht noch in die Tasten zu hauen. Langfristig ist das für die eigene Gesundheit aber alles andere als optimal. Am besten ist es daher, regelmäßige Pausen ein zu planen und zu versuchen die eigenen Arbeitszeiten ähnlich wie früher zu gestalten. Gerade in der Corona Krise, bei der außerhalb der eigenen vier Wände nichts passiert, ist das natürlich doppelt schwierig. Hinzu kommt, das man vieles jetzt per Telefon oder Zoom Call klären muss, was sich bei falscher Verwendung auch auf die Produktivität im Unternehmen schlagen kann. Klare Empfehlung daher, alle Aufgaben und Termine für die kommende Woche genau planen. Dann steht dem Erfolg im Home Office nichts im Weg.

Gertrude Kurzmann – CFO (rudygames)

Wir haben Anfang März schrittweise auf Home Office umgestellt, während zunächst noch jeder die freie Wahl hatte, sind wir den Empfehlungen der Experten gefolgt und haben in Folge das gesamte Team auf Home Office umgestellt. Als Start-Up sind wir ohnehin digital gut aufgestellt und organisiert. Während wir über Dropbox unsere Daten mobil halten, verwenden wir Slack zum Austausch und für den täglichen Video Call im Team, das funktioniert bis dato sehr gut.

Wirtschaftlich trifft uns vor allem die Schließung des stationären Spielefachhandels gerade in der Ostersaison voll, teilweise können wir das Online kompensieren. Generell bin ich jedoch der Meinung, dass die Krise neben den vielen Herausforderungen und auch Chancen bietet.


Paul Lanzerstorfer
, CEO (pulpmedia)

Ich sitze im Kinderzimmer meiner Tochter, die nun das Wohnzimmer belagert. Aus dem Büro hab ich Bürosessel und Zweitmonitor mitgenommen, das Setup ist also wie in der Agentur. Nur dass halt ein Puppenhaus hinter mir steht, was bei so mancher Videokonferenz schon zur Erheiterung geführt hat.

Nach 3 Wochen Pulpmedia Homeoffice kehrt wieder sowas wie eine Alltags-Routine ein. Ich starte jeden Tag um die gleiche Zeit und versuche, Arbeits- und Familienzeit zu blocken. Letzteres spielt jetzt eine größere Rolle, was ein schöner Nebeneffekt des ganzen ist.

Manche Kunden haben Projekte auf Eis gelegt, andere setzen jetzt verstärkt auf Online Marketing. Es gibt was zu tun und die Pulpies sind wie immer großartig. Einfallsreichtum, Initiative und eine gesunde Portion Pragmatismus haben schon für die eine oder andere phantastische Idee gesorgt. Dafür bin ich sehr dankbar und das rechne ich allen hoch an: Niemand steckt den Kopf in den Sand, jeder packt an, überlegt, wie man das beste aus der Situation machen kann.

Was mir etwas fehlt, ist der zwischenmenschliche Kontakt mit den Kollegen, das ist in den Videokonferenzen noch nicht ganz so cool. Ich denke aber, dass auch das zum „New Normal“ wird.

Für die Zeit nach der Krise bin ich optimistisch. Manches wird anders, manches wird gleich bleiben. Manches wird sich bessern, manches eine größere Herausforderung. Machen wir das beste draus, ich glaube an die Menschheit.

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