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4 MILLIONEN EURO FÜR DIE REVOLUTION DER MODEINDUSTRIE

Seit einem Jahr forschen im Projekt Re-FREAM KünstlerInnen und TechnologInnen aus ganz Europa an der Mode der Zukunft. Wie Co-Creation-Prozesse zwischen Creatives und TechnologInnen die Modeindustrie grundlegend verändern können, erzählt Verena Traunmüller – Hub Managerin für Additive Manufacturing – im Interview.

 

 

Warum ist das Thema Mode- und Bekleidungsindustrie so aktuell wie selten zuvor?

Verena Traunmüller:

„Die Modeindustrie ist nach der Luftfahrt der zweitgrößte Umweltverschmutzer unserer Zeit – und produziert jährlich 92 Tonnen Abfall. Die Gründe liegen nich nur in der Massenproduktion von Kleidungsstücken, die von KonsumentInnen oft nur wenige Male getragen und umgehend weggeworfen werden. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Mode- und Designforscherin Kirsi Niinimaki zeigte, dass sich seit 2005 die durchschnittliche Verwendungsdauer um 36 Prozent verringert hat. Brennende Themen sind auch lange Transportwege, der immense Wasserverbrauch und umweltschädigende Verfahren. Es ist daher essentiell, dass wir an geschlossenen Kreisläufen, umweltschonenden Herstellungsverfahren und Konzepten zur Wiederverwertung arbeiten. Gleichzeitig gilt es, ressourcenschonende Technologien zu entwickeln, damit Kleidung nicht billig in Fernost produziert und auf langen Transportwegen in die Welt verschifft werden muss. Das verschafft auch örtliche Unabhängigkeit – in Zeiten der Corona-Krise definitiv relevanter als je zuvor.“

Welche Potenziale birgt die Forschung im Bereich Fashion & Technology?

Verena Traunmüller:

„Durch die Zusammenarbeit von DesignerInnen, KünstlerInnen und TechnologInnen können Verfahren und Prozesse ganz neu und anders gedacht werden. Das betrifft neben neuen Herstellungsverfahren auch die Eigenschaften der Textilien selbst: Smart Textiles können auf Hitze, Schweiß oder andere Umwelteinflüsse reagieren, und könnten ihre TrägerInnen künftig auch vor Krankheitserregern oder Luftverschmutzungen warnen. Auch ein auf die eigenen Maße abgestimmtes Kleid aus dem lokalen 3D-Drucker ist keine Zukunftsmusik mehr. Die Weiterentwicklung modernster Technologien wird ausschlaggebend sein, in Zukunft Ressourcen und Transportwege möglichst gering zu halten. Der Fachbegriff für die lokale Produktion lautet Urban Manufacturing  – und ist eine wichtige Schlüsselkomponente, die in unserem Projekt intensiv beforscht wird.“

Stichwort “Urban Manufacturing” - kannst du hier aktuelle Beispiele nennen?

Verena Traunmüller:

„Gerade in Zeiten der Corona-Krise gibt es viele lokale 3D-Druck-Unternehmen die einen wichtigen Beitrag für die Produktion von Beatmungsmasken liefern. Unsere Projektpartner HARATECH in Linz oder CONSORZIO ARCA leisten hier seit Beginn der Krise einen wichtigen Beitrag, was die Produktion und Entwicklung von medizinischen Masken betrifft. Als Hub Managerin für Additive Manufacturing, das sich vor allem rund um 3D-Druck dreht, strebe ich mit meinem Team an, die Produktion wieder zurück in die Regionen zu holen. Neue Konzepte von Urban Manufacturing bergen viel Potenzial, auch für die Alltagsmode.“

Wie wird bei Re-FREAM an der Mode der Zukunft geforscht?

Verena Traunmüller:

„Das Projekt gibt zehn Artists und DesignerInnen die einmalige Chance, gemeinsam in Co-Creation mit unseren technologischen PartnerInnen in ganz Europa neue Produktionsweisen, Produkte und Prozesse zu entwickeln und mit diesen zu experimentieren. Die Methode der art-driven Innovation basiert auf der Erkenntnis, dass die Zusammenführung künstlerischer und technologischer Sichtweisen ganz neue Perspektiven eröffnen kann. So kommt es zu innovativen Ideen, die das Potenzial haben, die Modeindustrie zu revolutionieren. 

Aktuell arbeiten zehn Artists aus aller Welt gemeinsam mit TechnologInnen an ihren Projekten. Die Truppe ist bunt durchgemischt – von Modestudierenden bis hin zu internationalen 3D-Druck-Koryphäen wie die Architektin Julia Körner, deren Kreationen bereits mit einem Oscar für das Kostümdesign des Marvel-Films Black Panther prämiert wurden.“

Wann werden die Prototypen präsentiert?

Verena Traunmüller:

„Noch im Frühjahr gibt es erste Zwischenergebnisse zu sehen. Leider mussten wir diverse Events dazu aufgrund der aktuellen Corona-Krise absagen. Wir werden die Ergebnisse aber auf jeden Fall digital präsentieren. Im Juni sollen die ersten Prototypen fertig sein – sofern uns COVID-19 hier nicht all zu lange einschränkt.“

Können sich auch andere Mode- und Technologiebegeisterte an der Diskussion beteiligen?

Verena Traunmüller:

„Natürlich! Open Innovation ist ein wichtiger Leitsatz in unserem Projekt. Ein Ziel ist daher, mode- und technologieaffinen Menschen weltweit Austausch mit unserem Team zu ermöglichen. Die im Projekt involvierten Artists, DesignerInnen und TechnologInnen arbeiten in Hubs in ganz Europa – umso relevanter ist dabei der rege Austausch untereinander, gerade auch mit „externen“ Interessierten. Daher meine herzliche Einladung an alle Interessierten, sich unserer LinkedIn Gruppe anzuschließen und mit uns, dem Re-FREAM-Team an TechnologInnen, DesignerInnen  und Co-Creation Teams über aktuelle Themen und Projekte zu diskutieren.“

Was waren bisher deine persönlichen Highlights?

Verena Traunmüller:

„Ich selbst hatte bis jetzt mit der Designperspektive von Fashion wenig zu tun, da ich eigentlich einen wirtschaftlichen bzw. IT-Hintergrund habe. Privat begeistere ich mich für das Arbeiten mit Textilen, allerdings war mir selbst nie bewusst, welche unglaublichen Möglichkeiten sich mit modernster Technologie auftun. Als wir bei einem Projektpartner Meeting in Valencia die Ozone Tecnology  oder State-of-The-Art Lasertechnologie in Action erlebt haben, war ich schwer beeindruckt. Durch diese neuartigen Finishing Methoden werden Energie, Wasser und Chemikalien gespart. Ebenfalls faszinierend ist die Möglichkeiten von Body Scanning, um Kleidungsstücke individuell anpassbar zu machen und so unnötige Versandwege zu minimieren. Mit dem Einsatz von Technologie hat die Fashion Industrie einfach noch unglaubliches Potenzial, nachhaltiger zu werden.“ 

Der nächste Call für alle Fashion & Tech-Aficionados

Du willst die Zukunft der Mode mitgestalten?

Ab 1. Juli kannst du dich HIER für den nächsten Call bewerben. Abermals werden zehn Artists und DesignerInnen aus ganz Europa ausgewählt, mit einem Budget von bis zu je 55.000 Euro an ihren Ideen für die Mode der Zukunft zu arbeiten.

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HIER könnt ihr euch bereits vorab in regen Austausch mit den Artists, DesignerInnen und TechnologInnen begeben.

"Setae Jacket" by Julia Koerner for Stratasys Chro-Morpho Collection 2019.
Close up of a Sample for the 3D printed „Setae“Jacket by Julia Koerner for “Chro-Morpho” Collection Stratasys 2019. Directly 3D-printed on denim utilizing multi-color Polyjet technology on the J-750 printer. A unique visualization of the “Madagascar Sunset Butterfly". The piece shows how 3D printing can work in harmony with textiles to enhance the level of wearer comfort. The design is currently exhibited at the “Designs for different Futures” Exhibit at the Philadelphia Museum of Art.

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