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Die vier neuen "Linzer" Re-FREAM Projekte

Ein halbes Jahr ist es her, da präsentierten die ersten zehn Re-FREAM Artists ihre Forschungsergebnisse am Ars Electronica Festival 2020. Ihre Präsentationen bildeten gleichzeitig den Abschluss des 1. Zyklus im Re-FREAM Projekt.

Seither hat sich viel getan: Mehr als 130 Bewerbungen sind nach dem 2. Call im Herbst 2020 eingetroffen, aus denen zehn Projekte der nächsten Runde ausgewählt wurden. Vor Kurzem haben sie ihre Co-Research- und Co-Creation-Arbeit in einem der drei Re-FREAM Research Hubs Berlin, Valencia und Linz begonnen.

Im Linzer Hub liegt der Fokus auf additiven Fertigungsprozessen von Textilien. Unter dem Titel „From 2D to 3D“ forschen sechs Artists an 3D-Druck-Technologien für vier spezifische Anwendungsgebiete.
Das sind die vier neuen „Linzer“ Projekte:

BH-Alternativen für einbrüstige Frauen

Silke Hofmann (Berlin)

Silke ist Modedesignerin und Designforscherin aus Berlin. Ihre Designforschung ist im Bereich der Damenbekleidung und weiblichen Gesundheit angesiedelt und konzentriert sich auf ästhetische und ergonomische BH-Bedürfnisse von Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind und nach einer Mastektomie einbrüstig leben wollen oder müssen. Die individuellen ergonomischen, ästhetischen und auch emotionalen Anforderungen an passende Unterwäsche variieren dabei stark von Frau zu Frau.

In ihrem aktuellen Forschungsprojekt arbeitet sie an einem modularen, individualisierbaren, asymmetrisch designten Post-Mastektomie-BH, der sich nach den Bedürfnissen seiner jeweiligen Trägerin richtet und dabei vor allem eine Alternative zu den herkömmlichen symmetrischen, stark standarisierten Produkten ist. In Re-FREAM erforscht und entwickelt sie 3D-Strick- und 3D-Druckmöglichkeiten, mit denen sich diese Produkte in der Produktion auch massenhaft individualisieren ließen. Gemeinsam mit den Tech-Partnern UFG, PROFACTOR, EMPA und Haratech forscht sie an digitalen Designprozessen, 3D-Scanning- und 3D-Druck-Möglichkeiten sowie an geeigneten Faser- und Materialeigenschaften.

Erfahre mehr über dieses Projekt hier.

 

Übrigens: Silke sucht für ihr Projekt aktuell von Brustkrebs betroffene Frauen rund um Linz, die einbrüstig leben und Interesse haben, eine maßgeschneiderte BH-Alternative nach ihren Bedürfnissen anzufertigen. Melde dich gerne bei uns, wenn du Interesse hast, an ihrem Projekt teilzunehmen!

credits: Models JACOBE and JULIA, Producer / Designer SILKE HOFMANN, Art direction / Styling SONJA HODZODE, Styling JUDITH GÖLZER

Schutzmasken zwischen Ästhetik und Funktionalität

Filippo Nassetti & Vincenzo Reale (Italien/London)

Filippo, Architekt und Desinger, und Vincenzo, Bauingenieur und Architekt, denken in ihrer Arbeit den Begriff der Prothese radikal neu: weg von einem medizinischen Objekt hin zu einem personalisierbaren Fashion-ProduktDafür setzen sie sich mit der Beziehung zwischen Technologie in Form von tragbaren Objekten und dem menschlichen Körper auseinander. Ihre bisherigen Werke sind geprägt von einem Design-Ansatz, welcher fehlende Körperteile nicht schlicht durch Prothesen ersetzt, sondern diesen neben der Wiederherstellung der normalen Körperfunktionalität die Fähigkeit gibt, körperliche Anlagen sogar zu verbessern oder zu übersteigen. 

In ihrem Re-FREAM Projekt widmen sie sich gemeinsam mit den Re-FREAM Tech-Partnern Stratasys, Haratech, Profactor und EMPA speziell der Schutzmaske als solches Objekt, für das sie an neuen Wegen des Tragens, des Designs und der Produktion forschen und medizinische Funktionalität mit ästhetischen Kriterien vereinen. Seit Covid-19 ist uns allen die Schutzmaske gut bekannt, die beiden Künstler sehen die Maske jedoch als ein Objekt, das uns in Zukunft immer öfter begleiten könnte (aufgrund von Störungen unserer Umwelt und des Klimas), und deshalb durchaus Potential hat, als (über)funktionale Prothese unseres Atemsystems erforscht zu werden.

Mehr Infos zu dem Projekt findest du hier.

credits: design and photography Filippo Nassetti

Neue Funktionsdesigns für 3D-gedruckte Schuhe

Assa Ashuach (London)

Assa ist Produktdesigner und Industrial Researcher aus London. Er arbeitet bereits seit vielen Jahren im Bereich des Produktdesign und der industriellen Forschung sowie an digitalen Designs und der hybriden Fertigung mit 3D-Druck-Technologien. Im Rahmen seines Re-FREAM-Projekts „Footwear time-based design“ forscht er an der Entwicklung eines Schuh-Designs, das sich im Laufe der Zeit immer besser an die Bedingungen seines Trägers/seiner Trägerin anpasst. Die Dimension Zeit wird dabei wesentlich in den Designprozess integriert.

Gemeinsam mit den Re-FREAM Partnern Stratasys, Haratech und Profactor wird daran geforscht, wie biometrische Daten des Schuhträgers/der Schuhträgerin und ergonomische Parameter für den Designentwicklungsprozess genutzt werden können und welche Materialien und additive Fertigungstechnologien für diesen Ansatz infrage kommen.

Hier geht’s zu den Details.

credits: Assa Ashuach

Biobasierte Schuhe aus additiver Fertigung

Sophia Guggenberger & Eugenia Morpurgo (Wien/Venedig)

Sophia und Eugenia sind beide Designerinnen und gemeinsam forschen sie in ihrem Re-FREAM-Projekt „Syntropia“ zusammen mit den Re-FREAM Tech Partnern Haratech, UFG und EMPA an flexiblen Prozessen für die Schuhproduktion und neuen Möglichkeiten für den Einsatz von biobasierten Materialien in additiven Fertigungstechnologien wie dem 3D-Druck.

Die Grundlage des Projekts „Syntropia“ bilden die beiden Einzelprojekte „Ra(h)menschuh“ von Sophia Guggenberger und „Syntropic Materials“ von Eugenia Morpurgo. „Ra(h)menschuh“ ist eine Untersuchung alternativer Konstruktionsmethoden für die Schuhproduktion. Sie minimiert bis zu 40 Komponenten auf 4 essenzielle, verzichtet auf Klebstoff und die Einzelteile bleiben, im Gegensatz zu herkömmlichen Produktionsweisen, reparierbar sowie getrennt entsorgbar. 

Für Re-FREAM kombinieren die beiden nun Sophias Ansatz der Schuhproduktion mit Eugenias Projekt „Syntropic Materials“, das sich mit alternativen agrar- ökologischen Modellen wie regenerativen landwirtschaftlichen Praktiken auseinandersetzt und versucht, diese mit den neuesten Entwicklungen in der Erforschung von natürlichen Materialien zu kombinieren, um regenerative Prozesse für die pflanzlich/tierische Materialproduktion zu entwerfen.

Das Projekt „Syntropia“ schlägt vor, die Art und Weise, wie wir Ressourcen und die damit hergestellten Produkte produzieren, zu überdenken und neu zu konzipieren. Mehr Infos zu diesem spannenden Projekt sind hier zu finden.
"Syntropia" von Sophia Guggenberger & Eugenia Morpurgo

Über Re-FREAM

Design is a team sport. Re-FREAM reveals opportunities for cross-functional collaboration and co-creation. The program brings together a diverse mix of most talented people from Science, Art, and Technology, sharing their viewpoints and getting them to work together – that’s when magic & great stuff happens. The program facilitates a natural environment for collaboration and unlocking creativity in order to develop best class innovation and designs to make tomorrow’s fashion sustainable and more purposeful.

Tapani Jokinen Re-FREAM Jury member, Strategic & Ecodesign expert

Re-FREAM ist ein Projekt im Rahmen des EU Horizon 2020 Programms und gehört zur STARTS Familie. Unser Team besteht aus einem internationalen Partnerkonsortium aus dem Bereich Creative/Fashion, Technologie, Industrie und Science.

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