formquadrat – Ein Synonym für über 25 Jahre funktionales und ästhetisches Industrie- und Produktdesign aus Linz. Bei der aktuellen Creative Coffee Break erzählen die beiden Kreativ-Urgesteine Stefan Degn und Mario Zeppetzauer wie sie an Projekte herangehen und wie sich Designprozesse in den letzten drei Jahrzehnten verändert haben. Mario Zeppetzauer ist außerdem Studiengangsleiter und Universitätsprofessor für Industrial Design an der Kunstuniversität Linz. Er erklärt, was das Besondere an diesem Studiengang ist und warum auf 60 Studierende gleich 30 Vortragende kommen.
Creative Coffee Break #35 mit formquadrat zum Nachlesen
Wolfgang/Creative Region: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe der Creative Coffee Break. Mein Name ist Wolfgang und heute sprechen wir mit den kreativen Köpfen hinter dem Linzer Studio formquadrat. Stefan Degn und Mario Zeppetzauer haben formquadrat mittlerweile vor über 25 Jahren gegründet und werden uns heute bei einer Tasse Kaffee über den Werdegang von Projekten erzählen und was man in Zukunft noch von ihnen erwarten kann.

Creative Region: Was macht formquadrat?
Stefan: formquadart ist eine klassische Produktdesignagentur. Unser Fokus liegt auf Produktgestaltung. Wir machen mittlerweile sehr viel mit dem Fokus auf Markengestaltung im Produktdesignbereich, also corporate product design.
Was versteht man unter Industriedesign?
Mario: Es gibt klassische Definitionen, was Industriedesign ist. Die kann man auf Wikipedia usw. nachlesen. Da geht es um die Gestaltung in Serie produzierter Produkte oder von der Industrie produzierten Produkten. Das ist alles längst überholt und momentan sind wir in einer Phase, in der man sich fast täglich neu erfinden muss und Disziplinen neu zusammengewürfelt werden. Wir denken, dass es um Gestaltung von Produkten geht und die müssen holistisch betrachtet werden. Das heißt, man muss nicht nur darauf achten, ob sie gut gestaltet sind oder was die Gestaltung ausmacht, sondern auch die Funktion und Materialität müssen stimmen. Und es muss für die Gesellschaft passen – Stichwort Nachhaltigkeit. Da kommt einiges zusammen.
Wie kann man sich einen Designprozess bei euch vorstellen?
Stefan Degn: Früher hat man gezeichnet, ein Modell gebaut, das Modell wurde abgenommen und dann ist ein Serienteil entstanden. Mittlerweile zeichnet man am Papier vielleicht noch ganz zu Beginn bei der „Ideation“ oder um Grobkonzepte zu generieren. Danach ist man sofort in der 3D-Welt. Man hinterlegt den 3D-Bausatz und „sketched“ am Computer. Damit ist man viel näher am finalen Ergebnis. Über die Sozialen Medien kann man die Ergebnisse mit den Kunden interaktiv abstimmen. So kann der Kunde nicht mehr nur ein zweidimensionales Bild sehen, sondern dreidimensional Abstimmungsarbeit liefern und relativ schnell sagen, was funktioniert und was nicht. Man ist viel effizienter und während des Entwicklungsprozesses viel näher am Serienergebnis.
Warum ist es wichtig, dass sich Industriedesigner*innen einbringen und über wesentliche Elemente eines Produkts mitentscheiden können?
Stefan Degn: Neben den klassischen Marken gibt es nicht nur in Österreich, sondern weltweit sehr viele Einzelunternehmen, sehr viele Kleinstunternehmen, die auch Produkte umsetzen und Produkte generieren wollen und genauso eine eigenständige Produktaussage benötigen. Dann treten wir als „Helferlein“ auf und versuchen zu verstehen, wo sie hinwollen, wie sie denken und was das Ziel des Produktes sein soll und wen sie ansprechen wollen. Genau diese Eckpunkte sind wichtig. Das machen wir im Prinzip für ganz großen Aktienunternehmen bis zu Einzelunternehmen.
Besitzt ihr so etwas wie eine eigene „Designsprache“ oder gestaltet ihr jeden Auftrag ganz individuell?
Mario Zeppetzauer: Grundsätzlich nicht immer gleich, sondern wir planen für jedes Projekt, für jeden Kunden separat. Nur so kann man möglichst effizient vorwärtskommen. Wenn wir mit einem Unternehmen das erste Mal zusammenarbeiten, haben wir ein Informationsdefizit und müssen viel über das Unternehmen lernen. Und vor allem auch über den Markt, in dem sich das Unternehmen bewegt und über die Kunden des Kunden. Nur wenn man diese Zusammenhänge überblickt, kann man einsteigen und das Gesamtsystem verstehen und was das für die Gestaltung der Formensprache bedeutet. Ohne dieses Verständnis funktioniert der Prozess nicht.
Worauf legt ihr bei euerer Arbeit besonderen Wert?
Stefan Degn: Als Produktdesigner haben wir unterschiedliche Ansätze. Wir wollen natürlich Dinge schaffen, die keine Wegwerfprodukte sind, sondern die lange als Gebrauchsgegenstand verwendbar sind und einen Wert haben – eine Werthaltigkeit haben. Aber in manchen Auftragssituationen wird man dahingehend gezwungen, Dinge zu machen, bei denen man weiß, dass sie einmal verwendet und dann in den Müll geworfen werden. Das ist extrem schade und es liegt in unserer Verantwortung zu überlegen, ob das Sinn macht für die Zukunft.
Was sind für euch Produkthighlights?
Mario Zeppetzauer: Am ehesten wahrscheinlich bei Klassikern. Klassiker, die dann gelernter Teil der Kultur sind und somit eine Bedeutung haben. Kauft man einen Eames-Chair, schaut man sich das Ding natürlich an und man will gar nichts daran verbessern, weil das genau so sein muss, wie es gerade ist. Da habe ich das Erlebnis schon immer wieder. Ansonsten sind es eher punktuelle Highlights, bei denen die Formensprache emotional berührt und man vielleicht auch sagt: „Das ist gut überlegt.“
Ihr habt hundert Design Awards in den letzten 25 Jahren gewonnen. Inwiefern haben euch diese Preise auf eurem beruflichen Weg weitergebracht?
Mario Zeppetzauer: Nicht so viel, wie man vielleicht glaubt. Es ist definitiv nicht so, dass am nächsten Tag deswegen eine Flut an E-Mails kommt oder das Telefon nicht mehr stillsteht.
Stefan Degn: Ich würde es so sagen: Es gibt für beide Seiten – für den Kunden als auch für den Designer Vorteile. Der Kunde kann es fürs Marketing einsetzen und ein Award sagt aus, dass das Produkt werthaltig und hoch qualitativ ist. Für den Designer, in dem Fall für uns, ist es deshalb interessant, weil wir uns nicht mehr erklären müssen, sondern eine zertifizierte Designqualität haben, die wir dem Kunden bieten können.
Was zeichnet die Studienrichtung „Industrial Design“ an der Kunstuniversität Linz aus?
Mario Zeppetzauer: Industrial Design in Linz ist der Ausrichtung treu geblieben. Es geht nach wie vor um Industrial Design. Es gibt bewusst keinen Schwerpunkt. Man kann Möbel machen, man muss es aber nicht. Man kann Automotive machen, muss es aber ebenfalls nicht. Man kann Digitales machen, muss es aber nicht. Viel wichtiger ist der holistische Blick. Design ist ein sehr komplexes Thema und auch der universitäre Aspekt. Als Person muss man sich selbst entwickeln, Eigeninitiative entwickeln, Neugierde entwickeln, damit man in Bereiche vorstößt, die bislang noch nicht bearbeitet wurden. Wir kooperieren mit anderen Studienrichtungen an der Kunstuni, aber auch mit der JKU, der FH Hagenberg usw. Auf 60 Studierende kommen ungefähr 30 Vortragende, weil wir so viele einzelne Lehrveranstaltungen zu einem Lehrplan zusammenführen. Designer*innen brauchen in viele Richtungen Basiswissen.
Bei wem sollten wir unbedingt auf eine Creative Coffee Break vorbeischauen?
Mario Zeppetzauer: IDUKK – Industriedesign Kittler Kurz. Habt ihr bei denen schon eine Runde gedreht? Die sind noch einmal ca. zehn Jahre länger am Markt als wir – quasi noch ältere Hasen und haben mit Sicherheit ganz viel Know-how. Mit denen kann man sicher sehr gut reden.
Stefan Degn: Oder Netural – im IT-Bereich. Die sind auch recht umtriebig und innovativ. Das wären sicher ganz spannende Gesprächspartner.




