Die Modeindustrie, insbesondere die Fast Fashion der internationalen Konzerne ist mit ihren Produktionsmethoden in Verruf gekommen und zählt mit zu den größten Verursachern von Umweltverschmutzung. Dem gegenüber steht die Vision von Viktor Weichselbaumer und Michael Wieser von Yokai Studios: Neue Wege in der Produktion von Textilien und Bekleidung zu gehen und damit Europa in der Bekleidungsindustrie wieder konkurrenzfähig zu machen. Die Automatisierung und Digitalisierung des Herstellungsverfahrens ermöglichen außerdem besondere Designs und eine neue Ästhetik.
Am Anfang stand der Gedanke, die Modeindustrie wieder nach Europa zu bringen. Michael Wiesers Familiengeschichte hat ihn darauf gebracht. Sein Urgroßvater war Schneider und sein Vater Polsterer und Sattlermeister. Berufe, die in Europa immer seltener werden. Vielleicht wäre Michael auch nie in Linz gelandet, wenn nicht 2015 auf der Kunstuniversität erstmals das Bachelor Studium Fashion & Technology (FAT) angeboten worden wäre. Er gehörte zu den ersten Student*innen. Fashion & Technology begreift Technologie als Katalysator für innovative und nachhaltige Designlösungen und alternative ästhetische Konzepte im Zeichen der Toleranz. Ziel der Ausbildung ist es, die Studierenden auf neu entstehende Anforderungen und Berufsbilder im Spannungsfeld von Mode und Technologie vorzubereiten. Im Laufe des Studiums wird dabei ein Bogen zwischen modernen und traditionellen Technologien gespannt. So weit. So gut. Aber wie kam es zu Yokai Studios? Richtigen Schub bekam die Idee, als Michael während seines Studiums im Labor für kreative Robotik Viktor kennenlernte. Beide waren von den Möglichkeiten angetan, begannen über die Zukunft der Modeindustrie nachzudenken und entwickelten daraus ein eigenes Forschungsprojekt, aus dem das Start-up Yokai Studios hervorgehen sollte.
Yōkai (jap. 妖怪) sind Figuren des japanischen Volksglaubens und mit Dämonen vergleichbar. Yōkai besitzen übernatürliche Kräfte, so dass Begegnungen mit ihnen gefährlich sein können. Yōkai sind oft auch von undurchsichtigen Motiven und Plänen getrieben. Einige von ihnen sind Formenwandler.
Re-FREAM. Re-THINK fashion!
Mittlerweile haben sich die Yokai Studios einen Namen gemacht, gewinnen Innovationspreise und erhalten Förderungen. 2020 waren sie Artists im Re-FREAM Projekt. “Re-fream” ist ein Begriff aus den USA der 1950er Jahre. Er beschreibt Menschen, die aus der Norm fallen – also all jene, die Dinge anders machen. Unter dem Motto „re-thinking fashion“ arbeitet das internationale Re-FREAM Team mit genau solchen Menschen: Artists, Designer*innen und Technolog*innen aus ganz Europa, die in Co-Creation die Modeindustrie neu denken. Dies ist längst an der Zeit. Denn die Modeindustrie ist noch immer eine der umweltverschmutzendsten Industrien. Das Re-FREAM Team hat sich vorgenommen, das zu ändern: Internationalen Projektpartner*innen bietet das Projekt Zugang zu einem technologischen Playground an modernsten Produktionstechniken, die die Basis für die Umsetzung von innovativen, visionären Ideen bilden. Klar, dass Yokai Studios hier perfekt reinpassten.
Schau vorbei beim Re-THINK Fashion Garden am Ars Electronica Festival! Du findest uns von 8.-12. Sept. 2021 in der Bibliothek der JKU Linz.
In einem Zug über die Zukunft der Mode sprechen.
Nicht nur die Mode ist im Umbruch, im Zuge der Pandemie auch unsere gesamte Gesellschaft. Diese Ausgabe hätte ohne Videocalls wahrscheinlich nicht erscheinen können. Ich treffe mich mit Michael virtuell. Er sitzt im Zug irgendwo bei Hallein auf dem Weg in die Tabakfabrik Linz, wo der Yokai Roboterarm steht. Was ich als Erstes wissen will: Wie es zu diesem Namen kam. Ich assoziiere Yokai eher mit Dämonen aus der japanischen Fabelwelt. Stimmt nicht ganz, werde ich aufgeklärt. Unter den Yokai gibt es auch Formenwandler (Henge Yokais) und genau darauf bezieht sich der Name des Start-ups. Man will die Fashionindustrie verwandeln. Zum Guten hin. Klar.

Die beiden Gründer wollen ein voll integrierbares Produktionssystem schaffen, das keine sinnlosen Ressourcen verschwendet, sich durch kurze Wege auszeichnet und lokal On-Demand Mode produziert. Ihre Vision ist es, ein Technologie-Provider für die Modeproduktion in Europa zu sein. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Aber Viktor Weichselbaumer und Michael Wieser sind guter Dinge. Lediglich das Zuschneiden der Textilien macht im Moment noch Schwierigkeiten, scheint aber in den nächsten Jahren lösbar zu sein.
Der Kern des Ansatzes von Yokai Studios ist das Loma-Bond, eine Technologie, die die Naht im Kleidungsstück ersetzt. Die beiden wollen den Produktionsprozess vollständig automatisieren: Gleich dem manuellen Vorgang soll der Roboter das Schneidewerkzeug in die Hand nehmen, das Kleidungsstück zuschneiden, dann das Schneidewerkzeug gegen das Werkzeug für das Loma-Bond austauschen und die Schnittteile zusammenfügen. Derzeit nutzen sie für den Zuschnitt noch einen Lasercutter. Aber das wird sich bald ändern. Der große Vorteil beim Bonden ist die cleane und wasserdichte Verbindung, die sich besonders für Outdoor-Bekleidung eignet. Und genau in diesem Bereich passiert gerade einiges: Der Yokai Studios Roboter Prototyp wird gerade in die bestehende Microfactory von [a]industri, einem schwedischen Partner in Göteborg, integriert. Dort sollen sobald wie möglich die ersten Teile einer Eigenmarke fabriziert werden.

Man darf also gespannt sein. Die Learnings daraus werden über die Zukunft der Technologie entscheiden. Michael Wieser und Viktor Weichselbaumer glauben jedenfalls fest daran, dass die Technologien, an denen sie jetzt arbeiten, spätesten in 5 bis 10 Jahren zur vollen Marktreife geführt werden können. Dass sich bis dahin die Modeindustrie zum Besseren gewandelt hat und die Technologien neue Jobs und Möglichkeiten entstehen lassen. Mitten in Europa.
Workshop: Generatives Printdesign mit dem Roboter
Am 29. Sept. 2021 kannst du den generativen Designprozess mit dem Roboter selbst ausprobieren – im Workshop mit Yokai Studios.
Der generative digitale Designprozess erzeugt für jedes T-shirt/Sweater ein neues und einmaliges Grafikdesign, dadurch entstehen einzigartige und individuelle Unikate. Keine Grafik wiederholt sich, weil das digitale Designprogramm lernt und jedes Mal einen neuen Weg berechnet, um den definierten Druckraum am effizientesten zu füllen. Bedruckt wird ein hochwertiges T-Shirt aus organischem soft-touch Baumwolljersey von Das Merch. Der 3D-Druck wird mit Thermotechnik aufgebracht und fixiert, ist extrem haltbar, flexibel und waschbar.
Tickets gibt’s hier.



