Wer sich selbstständig macht, muss sich präsentieren können. Daran führt kein Weg vorbei. In einigen wenigen Sätzen soll gesagt werden, was gesagt werden muss. Kund*innen, Projektpartner*innen, Lieferant*innen und die breite Öffentlichkeit müssen schließlich wissen, was Unternehmer*innen zu bieten haben. Dabei ist es gar nicht so einfach, sich pointiert zu präsentieren.
Georg Tremetzberger hat sich beim vierten „For Your Inspiration“-Talk mit Wojciech Czaja und Bettina Wegleiter darüber unterhalten, wie Präsentationen, Pitches und Moderationen spannend gestaltet werden können. Die wichtigste Botschaft gleich vorweg: Es geht darum, Dinge auf den Punkt zu bringen.
Drama, Baby! Drama!
Für den richtigen Aufbau einer Präsentation, eines Vortrags oder Pitches braucht es den richtigen Ablauf. Die klassische Gliederung in Einleitung, Hauptteil und Schluss muss dabei zeitlich nicht gedrittelt sein. Viel wichtiger ist, dass der dramaturgische Aufbau durchdacht ist.
Ein mitreißender Spannungsbogen kann z. B. gelingen, wenn man auf das Thema hinführt, kurz vor Schluss eine überraschende dramaturgische Wende einbaut und dann eine thematische Punktlandung hinlegt.
Bettina Wegleiter
Genauso effizient ist es aber auch, mit einem thematischen „Urknall“ zu beginnen, der Aufmerksamkeit erregt und das Publikum überrascht. Im weiteren Verlauf kann eine solche dramaturgische Irritation dann aufgelöst werden. Und mit einem Zitat, einer rhetorischen Frage, einem eigenen Learning, einem Appell an die Zuhörerschaft oder einem persönlichen Commitment gelingt auch der Abschluss einer Präsentation.
Pitch und Präsentation: Keep it short and simple
Manche Vortragende lieben es, ihr Publikum mit ausschweifenden Gedankenbildern zu versorgen, sie mit Unmengen an Information zu beglücken und sie an ihrem Wissen ausführlich teilhaben zu lassen. Das ist grundsätzlich edelmütig, immerhin geht es bei Präsentationen ja meistens darum, Wissen zu vermitteln und andere an dem einen Gedanken teilhaben zu lassen. Gleichzeitig birgt das jedoch die Gefahr der Überladung. Bettina Wegleiter, die gemeinsam mit Wojciech Czaja Seminare und Workshops übers spannende Präsentieren veranstaltet, sieht genau darin den größten Fehler beim Vortragen.

Die meisten Präsentationen leiden unter einem Informations-Overload. Konzentration aufs Wesentliche ist der Schlüssel zu einer spannenden Rede.
Bettina Wegleiter
Stolpersteine überwinden
Gerät man während des Vortrags ins Stocken oder verliert man sich in seinen Gedanken, hilft es, einen Blick von außen auf sich selbst zu wagen:
- kurz innehalten
- Situation analysieren
- sich auf das Gegenüber konzentrieren
- dem Publikum in die Augen sehen
- den Zeitpunkt bewusst wahrnehmen
- und sich wieder auf die inhaltliche Nussschale konzentrieren.
Verliert man den Faden, ist es also wichtig, eine Pause zu machen. Um schnell wieder ins Thema zu finden, kann es hilfreich sein, sich vorab Stichworte gedanklich an Körperteile zu heften oder an Gegenstände im Raum zu hängen. Außerdem ist nichts Verwerfliches daran, Hänger auch vor dem Publikum anzusprechen. Auch das kann Sprecher*innen über den Stolperstein helfen.
Peinliche Stille im Auditorium kann durch eine direkte Aufforderung an eine*n Anwesende*n übergangen werden. Hilft auch das nichts: Themenwechsel oder weitersprechen. Und Fragen, auf die man spontan keine Antwort hat, auf einen späteren Zeitpunkt vertagen, indem man ein Gespräch im Anschluss an die Präsentation anbietet.
So holst du dein Publikum ab
Durch Fragen, die man seinen Zuhörer*innen stellt, holt man sich das Publikum ins Boot. Dadurch können Gemeinsamkeiten mit den Anwesenden eruiert und eine Gesprächsbasis gefunden werden. Das ist vor allem in Präsentationssituation ratsam, bei denen das Publikum relativ heterogen ist und unterschiedliches Vorwissen, Erwartungen und Interessen am Vorgetragenen hat, z. B. bei einer Mischung aus Laienpublikum und Fachleuten.
Die Kunst ist es, die Balance zu finden, sodass den Expertinnen und Experten nicht fad wird und gleichzeitig das Laienpublikum folgen kann. Das hat sehr viel mit Sprache zu tun und dem Einsatz von Fachvokabular.
Wojciech Czaja

Bei schwer verständlichen Dialekten sollte man eher die Schriftsprache bevorzugen, bei leichter verständlichen Dialekten darf ruhig Lokalkolorit hörbar sein. Denn Dialekt ist Ausdruck von Identität und vermittelt Authentizität. Wenn es nicht vermeidbar ist, Fachvokabeln einzusetzen, sollten sie erklärt werden. Außerdem helfen Beispiele dem Laienpublikum, die Inhalte besser zu verstehen. Hier macht es Sinn, die auszuwählen, die auch für die Expert*innen vielleicht neu sind. So findet man die Balance und holt auch heterogene Zuhörerschaften ab.
Und auch Humor darf keinesfalls fehlen, denn Humor kann ein Catcher sein, der dein Publikum abholt und mitreißt.
Wojciech Czaja
Bei den Längen und Mengen auf Präsentationsfolien empfehlen die Profis, sich generell kurz zu halten. Überladene Folien können oft gar nicht richtig aufgenommen werden. Wenige Worte auf einer Präsentationsfolie reichen häufig aus, um das Gesagte grafisch zu untermauern.
Nicht alles, was man sagt, muss auf den Folien stehen. Das lenkt ab, man liest automatisch auf den Folien mit und konzentriert sich weniger auf die Sprecherin oder den Sprecher.
Wojciech Czaja
Für spontane Sprecher*innen, die gerne intuitiv Inhalte beim Vortrag selbst einbauen, ist es ratsam, weniger Inhalte für die vorgegebene Zeit vorzubereiten, damit die Zeit bei der tatsächlichen Präsentation nicht zu knapp wird.
5 Tipps, um bei Pitches auf den Punkt zu kommen
Wie es gelingt, sich bei Präsentationen aufs Wesentliche zu konzentrieren, ist vor allen Dingen eine Frage der Einstellung. Bettina Wegleiter hat fünf Tipps, die es leichter machen, auf den Punkt zu kommen und das Publikum mitzureißen.
- Stell dich mit Energie und Leidenschaft der Präsentationssituation!
- Sei authentisch!
- Achte auf deine Körpersprache und Mimik, erde dich und gehe einen Schritt in den Raum, aufs Publikum zu!
- Hab Mut, Pausen zu machen!
- Nutze jede Möglichkeit einer Präsentation oder eines Pitches, denn Übung macht bekanntlich die Meisterin!
Moderation: Talkgäste anleiten
Präsentationen sind das eine. Ist man aber Moderator*in einer Gesprächsrunde, hat man auch die Verantwortung, nicht nur seine eigene Präsentation, sondern auch die Gäste anzuleiten und das Gespräch im Thema zu halten. Schon die Einleitung einer Talkrunde wirft Fragen auf. Dem Host bieten sich im Prinzip zwei Möglichkeiten, die Gäste anzukündigen. Entweder gibt man den Gästen das Wort für eine Vorstellungsrunde oder man stellt sie selbst vor.
Letzteres hat den Vorteil, dass man das Zepter in der Hand behält und im Fall der Fälle statt eines gesamten Lebenslaufs nur die für den Talk relevanten Eckpunkte der Gäste präsentieren kann – denn auch bei Moderationen gilt: In der Kürze liegt die Würze. Geschlossene Fragen können dabei helfen, die Antworten der Befragten relativ kurz zu halten. Besonders redselige Gäste müssen aber manchmal trotzdem unterbrochen werden. Eine elegante Möglichkeit, jemanden zu unterbrechen, ist einen Stopp durch eine körperliche Bewegung auszulösen.
Wir haben den Talk für dich aufgezeichnet. Schau einfach mal rein, um dir noch mehr Tipps zu holen:
For Your Inspiration Talkreihe
In der Talkreihe „For Your Inspiration“ sprechen Patrick Rammerstorfer, Doris Rothauer, Bernhard Buchegger, Bettina Wegleiter und Oliver Kronawittleithner über Schwerpunktthemen der Selbstständigkeit in der Kreativwirtschaft. Das Ziel: Inspiration holen, Diskussionen anregen, Austausch ermöglichen, Netzwerk erweitern.
Am 20.10.2021 um 18:00 Uhr geht’s weiter mit dem Talk „The New Art of Selling“ mit Oliver Kronawittleithner und Claus Zerenko. Komm vorbei!



