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MIT KREATIVITÄT REGIONEN NEU DENKEN

Gemeinsam mit einem internationalen Projektteam entwickeln wir Maßnahmen und Formate für Industrieregionen, in der die Kreativwirtschaft und ihre AkteurInnen verstärkt als InnovationstreiberInnen vor den Vorhang geholt werden sollen.
Über Initiativen und Potenziale erzählt Projektmanagerin Julia Pohn im Gespräch.

Julia by Karin Hackl

Seit einem Jahr arbeitest du in einem internationalen Team daran, die Creative Industries als Treiber für Industrieregionen zu forcieren. Welche Chancen tun sich hier auf?

Julia Pohn:
Vorab: Der rege Austausch mit ProjektpartnerInnen aus ganz Europa eröffnet spannende Einblicke in andere Regionen und ihre Best Practice Beispiele. Überall steht die Industrie vor vielen Veränderungen – diese werden sich nicht nur auf Produktionsmethoden sondern auch auf unser Arbeitsumfeld und unsere Gesellschaft auswirken; Stichworte sind hier etwa Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien oder künstliche Intelligenz. Traditionelle Industrieregionen können hier ganz besonders von innovativen Ansätzen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft profitieren – das Querdenkertum ihrer AkteurInnen gilt zu Recht als besonders wegweisend. Gleichzeitig ist es unser Ziel, die Kreativwirtschaft in den Regionen weiter zu stärken und ihren Leistungen eine Bühne zu bieten.

 

 

 

Wie sieht die Situation in Linz und Oberösterreich aus?

Julia Pohn:
Im internationalen Vergleich ist Linz de facto ein Best Practice Beispiel, wenn es um die Entwicklung und Förderung von Kreativwirtschaft und Kreativität geht; das liegt einerseits an den Ausbildungsstätten wie der JKU, Kunstuniversität Linz oder auch der FH Hagenberg. Die Tabakfabrik Linz, in der auch die CREATIVE REGION angesiedelt ist, ist ein gutes Beispiel einer gelungenen Metamorphose: Innerhalb weniger Jahre hat sie sich durch eine spannende Mischung aus Startups, Corporates, Unterstützungseinrichtungen, Kreativen und KünstlerInnen weg vom klassischen Industriebetrieb zu einem wichtigen Innovations-Ökosystem entwickelt. 

Fakt ist: Kreative und innovative Leistungen passieren auch abseits der Ballungszentren, und wir werden die MacherInnen mit unterschiedlichen Angeboten unterstützen.

Welche Formate hast du für die Creatives in Oberösterreich entwickelt?

Julia Pohn:
Insgesamt wird es vier größere Formate geben, die jeweils unterschiedliche Zielgruppen und Zielsetzungen abdecken:

Format 1: FYI … For Your Inspiration – Der CREATIVE BUSINESS Lehrgang für Selbstständige und GründerInnen

Fokus der Workshop-Reihe ist, Selbstständige und potenzielle GründerInnen aus den Creative Industries mit relevanten Skills und Know-How auszustatten, damit sie ihr Business zielgerichtet weiterentwickeln können. 

Die Workshop-Reihe startet im Juni und besteht aus fünf aufeinander abgestimmten Schwerpunkt-Modulen, welche sich mit den relevantesten Themenbereichen für JungunternehmerInnen befassen. Jedes Thema wird von ExpertInnen ihrer Branche vermittelt – praxisrelevantes Wissen ist somit garantiert. Durch die kleine Gruppengröße von maximal 12 TeilnehmerInnen können wir auch einen hohen Individualisierungsgrad der Inhalte gewährleisten, was besonders hilfreich für die einzelnen TeilnehmerInnen ist. Die Teilnahme ist nach erfolgreicher Bewerbung kostenlos – die Anmeldung ist HIER bis 30. April möglich.

Hier noch der Überblick über die Schwerpunkte:

Modul 1: Entrepreneurial Mindset & Skills mit Patrick Rammerstorfer

Fokus: Welche Skills und Einstellung benötigt man als UnternehmerIn überhaupt, um erfolgreich ein Business gründen und führen zu können? 

Modul 2: Vision & Strategie mit Doris Rothauer

Fokus: Wohin will ich mit meinem Unternehmen, und wie komme ich dort hin?

Modul 3: Branding & Kommunikation mit Bernhard Buchegger

Fokus: Wie brande ich mein Business richtig, wie kommuniziere ich mein Business gezielt nach außen?

Modul 4: Sales mit Oliver Kronawittleithner

Fokus: Wie spreche ich die richtige Zielgruppe, auf welche Weise und zur richtigen Zeit an?

Modul 5: Präsentation & Rhetorik mit Bettina Wegleiter & Wojciech Czaja

Souveränes Auftreten, stolperfreie Präsentationen, Verhandlungsgeschick – alles wichtig und erlernbar.

Für wen ist der FYI- Lehrgang geeignet?

Für alle Creatives und JungunternehmerInnen, die sich und ihr Business weiterentwickeln möchten und gerade jetzt den Mut aufbringen (müssen), Neues zu probieren. Also zum Beispiel FotografInnen, ArchitektInnen, App EntwicklerInnen, FilmerInnen, Motion DesignerInnen, GrafikdesignerInnen, IndustriedesignerInnen, IllustratorInnen, TexterInnen, die ihr Business auf solide Beine stellen und ihre Vision mit ExpertInnen und Gleichgesinnten schärfen wollen.

Teilnahmebedingung ist, dass man max. fünf Jahren kreativwirtschaftlich selbstständig ist oder demnächst vor hat, zu gründen.

Wir vergeben zwölf Stipendien im Wert von je 10.000 Euro!

Format 2: OPEN STUDIOS - Austausch und Bühne für Creatives und InnovatorInnen

Das Format der OPEN STUDIOS ist stets gut besucht und hat mittlerweile über 80 Türen zu Kreativschaffenden und ihren Studios in Linz und Steyr geöffnet. Dieses Jahr werden wir, sobald es wieder möglich ist, neue Studios im Einzelformat vorstellen und möchten auch das kreative Potenzial einer weiterer Regionen in Oberösterreich aufzeigen: Ende September planen wir die zweite, neu gedachte Ausgabe der OPEN STUDIOS STEYR und am 15. Oktober wird das OPEN STUDIOS-Format erstmals in Gmunden rund um den Coworking-Space Cowerk stattfinden. Darüber hinaus wird es auch eine neue Auflage der OPEN STUDIOS in der Tabakfabrik Linz Anfang 2021 geben.

Alle Formate werden natürlich unter Einhaltung aller wichtigen Corona-Maßnahmen abgehalten.

Format 3: CREATIVE HACKATHON - Neue Lösungsansätze für die Industrie

Neue Lösungsansätze, Konzepte und Denkweisen dank motivierter Hacker und neuesten Technologien finden – das ist der Ansatz des CREATIVE HACKATHONS. Anfang März 2021 werden in der GRAND GARAGE innerhalb von 48 Stunden an realen Challenges von Unternehmen “gehackt” und gemeinsam mit ExpertInnen an Lösungen gefeilt. Unternehmen können schon jetzt Herausforderungen einreichen, für die sie gerne neue Perspektiven entwickeln möchten. Die Anmeldung ist HIER möglich.

Format 4: ARTS MEET TECHNOLOGY - Kunst & Technologie Workshops in Sachsen

Anfang 2021 planen wir eine Ausstellung der besonderen Art in Linz: Gemeinsam mit unserem Projektpartner aus Sachsen entwickeln wir ein Workshop-Programm, in dem KünstlerInnen mit neuen Technologien arbeiten können. Die Workshops finden in Sachsen statt, wo sich die TeilnehmerInnen auch mit weiteren AkteurInnen aus Kunst und Technologie austauschen können und von ihren Learnings profitieren können. Die resultierenden Arbeiten werden dann in Linz gemeinsam mit Werken der STARTS-Initiative präsentiert.

Welche internationalen Best Practices haben dich bisher besonders beeindruckt?

Julia Pohn: 
Zwei Beispiele aus unseren Partnerstädten Sachsen (Deutschland) und Vicenza (Italien): Wie Linz sind beide Städte sehr stark von der Industrie geprägt und es gibt dort sehr gelungene Maßnahmen, die mittels kreativen Ansätzen industriellen Leerständen neues Leben einhauchen und der Bevölkerung zugänglich machen.

In Sachsen gibt es seit 2006 das “Ibug”-Festival. Ibug steht für ‘Industry Brownfield Revitalization’. Die Idee des Urban Art Festivals ist es, oft zum Abriss bestimmte Industriegebäude, sogenannte “Brown Fields”, im ländlichen Bereich von internationalen KünstlerInnen mit Malerei, Graffiti, Illustrationen, Installationen und Multimedia-Kunst komplett neu zu inszenieren. Dabei wird auch die Geschichte der Industriebrache ihre Architektur reflektiert. Die Ergebnisse werden an zwei Festivalwochenenden im Rahmen von Workshops, Konzerten und Vorträgen einem internationalen Publikum präsentiert.

IBUG / Foto: Laura Göpfert
IBUG / Foto: Laura Göpfert

 

Mein zweiter Favorit stammt aus Vicenza, einer Industriestadt im nördlichen Italien. Im Projekt “Deus Ex Fabrica” wurden hier alte, industrielle Leerstände neu gedacht und mit kreativen, kulturellen, künstlerischen und technologischen Maßnahmen bespielt.

Deus ex Fabrica in Vicenza / Credit: Deus ex fabrica
Deus ex Fabrica in Vicenza / Credit: Deus ex fabrica

 

 

 

Stichwort COVID-19: Wo siehst du Potenziale für die Kreativwirtschaft?

Julia Pohn:
Klar, die Situation ist sehr herausfordernd und Wirtschaft und Industrie brauchen besonders jetzt ganz neue Ansätze, um diese Krise meistern zu können. Es ist aber auch eine Chance, die Dinge komplett neu zu sehen und zu denken – Kreativität und Innovation sind dadurch gefragt wie selten zuvor. Kreative erfinden sich regelmäßig neu; jetzt ist es an der Zeit, diese Denk- und Handlungsmuster auch in den Industrien zu implementieren. Wir wollen diese schwierige Zeit daher mit Tatendrang und positivem Denken in Angriff nehmen.

 

CREATIVE REGION: Danke für das Gespräch, Julia – #keeponcreating!

 

 

 

Diese Projekte werden mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert. Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung trägt allein der Verfasser; die Kommission haftet nicht für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Angaben.

Hier geht’s zur Website von INDUCCI mit allen Infos!

 

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