Teil des Projektes x-Inno Radar
Kreativwirtschaft ist mehr als Gestaltung. Sie bringt neue Perspektiven in Prozesse, stellt Fragen, die sonst niemand stellt und macht aus einer Idee etwas, das am Markt besteht. Wenn Unternehmen und Kreative früh und auf Augenhöhe zusammenarbeiten, entstehen nicht nur schönere, sondern bessere, manchmal völlig neue Produkte und Services.
Drei Projekte aus Oberösterreich zeigen, wie das konkret aussieht: was sie angetrieben hat, was sie gelernt haben und warum sie immer noch zusammenarbeiten.
FalkenOhr: Wenn gemeinsames Tüfteln ein Produkt international macht
Robert Mayr hatte eine klare Idee: ein Klangmöbel, das nicht nur schön ist, sondern wirklich funktioniert und Technologie, Handwerk und Design vereint. Ein HiFi-Rack für Menschen, die Audiosysteme im sechsstelligen Eurobereich betreiben und die wissen, dass das beste System nur so gut klingt wie das Möbel, auf dem es steht.
Was er nicht hatte: das Material dafür. Es gab schlicht keines am Markt, das alle Anforderungen erfüllte.
Die Lösung entstand gemeinsam mit Claudia Haslinger und der SFK Technologie Manufaktur in Kirchham, einer Tischlerei, die mit 5-Achs-CNC-Technologie alles von Holz bis Aluminium bearbeitet und Kund*innen von Designstudios bis zur Flugzeugindustrie bedient.
Aus einem gemeinsamen Netzwerk zusammengefunden, haben die beiden über Jahre ein eigenes Verbundmaterial entwickelt, das es in dieser Form vorher nicht gab. Kein fertiger Plan, kein garantiertes Ergebnis, nur die gemeinsame Überzeugung, dass es eine Lösung geben muss.
„Es hat nie geheißen: Wenn wir das probieren, kostet es. Sondern einfach: Okay, das ist die Aufgabenstellung, probieren wir es einfach. Die Kernthematik ist dabei immer: Wie können wir das lösen? Und das ist in einer Zusammenarbeit extrem wichtig und extrem bereichernd.“ Robert Mayr, Falkenohr
Diese Haltung prägt eine Partnerschaft, die mittlerweile fast ein Jahrzehnt hält – und die im Alltag so aussieht: Robert hat einen Schlüssel zur SFK-Werkstatt und baut seine Möbel direkt dort zusammen, abends, am Wochenende, wann immer es passt. Kein Auftrag, kein Abgabetermin, kein Rechnungsdenken, sondern zwei Partner*innen, die gemeinsam an etwas glauben.
Das Ergebnis: FalkenOhr wird heute weltweit verkauft, in die USA, nach Asien, überall dort, wo HiFi ernst genommen wird. Nicht weil es einen großen Plan gab, sondern weil die Kombination aus Offenheit, Vertrauen und handwerklicher Präzision ein Produkt entstehen ließ, das für sich selbst spricht.
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Robert Mayr, Falkenohr & Claudia Haslinger, SFK Technologie Manufaktur
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Robert Mayr, Falkenohr & Claudia Haslinger, SFK Technologie Manufaktur
Johannes Scherr & Christian Schweighofer: 25 Jahre, die zeigen, was Kontinuität wert ist
Manche Partnerschaften beginnen mit einem Zufall. Diese hier begann damit, dass zwei Leute ins gleiche Team gesteckt wurden und dann einfach nicht mehr aufgehört haben, zusammenzuarbeiten.
Johannes Scherr und Christian Schweighofer lernten sich 2001 bei Bene kennen. Johannes als Produktdesigner, Christian in einer Managementrolle. Was aus dieser ersten gemeinsamen Arbeit an Büromöbeln wurde, ist eine der bemerkenswertesten Kollaborationsgeschichten der oberösterreichischen Kreativwirtschaft.
Als Christian zu einem Wasserfahrzeug-Startup wechselte, rief er Johannes an. Der fuhr an einem Wochenende nach St. Peter und gemeinsam entstand in zwei Tagen die Designfläche des ersten Modells. Zwei Jahre später holte dieses Fahrzeug die ersten Weltmeistertitel. Es folgten Kollaborationen für ZKW, einem der größten Scheinwerferhersteller Europas und schließlich Aspöck Systems. Das Unternehmen entwickelt Beleuchtungssysteme für Nutzfahrzeuge, Christian ist dort seit 2018 als COO/CTO tätig.
Heute fahren auf fast jedem zweiten europäischen LKW Leuchten, an denen die beiden mitgearbeitet haben. Was diese Partnerschaft so stabil macht: Wenn kurzfristig etwas gebraucht wird, ruft Christian einfach an. Johannes reagiert. Kein großes Briefing, kein langer Prozess. Das geht, weil beide wissen, was der andere braucht und weil Wertschätzung auf beiden Seiten gelebt wird, nicht nur versprochen.
„Persönliches Vertrauen hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Und die Flexibilität, das ist ein Thema.“ – Christian Schweighofer
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Christian Schweighofer, Aspöck Systems
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Johannes Scherr, Produktdesigner
co/LAB Gmunden: Wenn Marke, Raum und Mut zusammenkommen
Manchmal braucht es nur den Mut, eine Nachricht zu schicken.
Vor einiger Zeit hat Catherine Finkenzeller-Hazotte hatte die Arbeiten von Patricia Plasser und ihrer Agentur doppelpaula entdeckt und ihr einfach geschrieben. Kein Auftrag, kein konkretes Projekt. Nur echte Bewunderung und der Wunsch, gemeinsam etwas zu machen. Patricia war ehrlich: die Kapazität fehlte gerade. Catherine blieb dran.
Heute arbeiten die beiden als Schwesternstudios zusammen: CHCHCH für digitale Kommunikation und Branding, doppelpaula für Design. Und sie haben gemeinsam bewiesen, was passiert, wenn kreative Disziplinen wirklich zusammengedacht werden.
Das Projekt, das das am deutlichsten zeigt: das co/LAB Gmunden. Architektin Vitalija Saleh Pascha wollte einen Raum schaffen, der mehr ist als Co-Working. Einen Ort mit Haltung, der Selbstständige und wachsende Unternehmen anzieht und gleichzeitig Gmundens Innenstadt belebt. Sie wusste von Anfang an: Architekturqualität allein reicht nicht. Ein solcher Ort braucht eine Marke, eine Sprache, eine Kommunikation, die erklärt, warum dieser Raum existiert. Also holte sie Catherine und Patricia an Bord.
Die Zusammenarbeit begann mit einem Café-Gespräch und entwickelte sich zu einem ganzheitlichen Prozess: Marke, Website, Social Media, PR, alles auf mindestens ein Jahr gemeinsam geplant. Nicht als Auftrag, sondern als echte Ko-Kreation.
„Das, was die Kreativszene als selbstverständlich sieht, dieses Arbeiten zusammen auf Augenhöhe, das Erkennen des Werts anderer Disziplinen, das kennt man in anderen Branchen nicht unbedingt in der Art und Weise.“ Catherine Finkenzeller-Hazotte
Inzwischen hat sich die Zusammenarbeit weiterentwickelt und sogar gedreht: CHCHCH und doppelpaula beauftragen nun ihrerseits Vitalija für ein eigenes Raumprojekt. Die Rollen tauschen sich. Was als Bewunderung begann, ist zu einer echten, gleichwertigen Partnerschaft geworden und zu einem Modell dafür, wie kreative Kollaboration Leerstand in Bedeutung verwandeln kann.
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Vitalija Saleh Pascha, co/LAB Gmunden & Catherine Finkenzeller-Hazotte, CHCHCH
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Vitalija Saleh Pascha, co/LAB Gmunden & Catherine Finkenzeller-Hazotte, CHCHCH
Was alle drei verbindet
So unterschiedlich die Projekte sind, so ähnlich klingen die Erfahrungen dahinter. Bei FalkenOhr war es die Lösungsorientierung und die Bereitschaft zur Vorleistung, die ein Produkt entstehen ließ, das es vorher nicht gab. Bei Johannes Scherr und Christian Schweighofer ist es Handschlagqualität und Flexibilität, die eine Partnerschaft über 25 Jahre und mehrere Unternehmensstationen trägt. Und beim co/LAB Gmunden war es der Mut zum ersten Schritt und das Denken in Systemen statt in Einzelaufträgen.
Was alle drei gemeinsam haben: wertschätzende Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Vertrauen, Offenheit, Agilität und die Fähigkeit, in Lösungen zu denken statt in Problemen. Das sind keine weichen Faktoren. Das sind die Grundlagen, auf denen echte Innovationen entstehen.
Kreativwirtschaftliche Zusammenarbeit entfaltet ihre Wirkung nicht im ersten Briefing. Sie wächst. Über Projekte, über Stationen, über Vertrauen, das sich aufbaut. Wer bereit ist, sich darauf einzulassen, bekommt mehr als ein gutes Ergebnis. Er bekommt eine Perspektive, die das eigene Unternehmen weiterbringt.
Die drei Projekte wurden im Rahmen des Talks „Kreativität & Design als Erfolgsfaktoren für Unternehmen“ in Gmunden vorgestellt. Eine Veranstaltung im Rahmen von x-Inno Radar, in Kooperation mit der WKO Oberösterreich / WKO Gmunden.
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Match Making vor dem Talk „Kreativität & Design als Erfolgsfaktoren für Unternehmen“
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Vortragende & Organisator*innen von „Kreativität & Design als Erfolgsfaktoren für Unternehmen“
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Moderator Wolfgang Gumpelmaier-Mach, Creative Region Linz & Upper Austria
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Sigrid Schuster, WKO Gmunden
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TALK: Kreativität & Design als Erfolgsfaktoren für Unternehmen
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Match Making vor dem Talk „Kreativität & Design als Erfolgsfaktoren für Unternehmen“
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Match Making vor dem Talk „Kreativität & Design als Erfolgsfaktoren für Unternehmen“
Credits Artikelbild: Hanna Burgstaller / Creative Region
x-Inno Radar setzt die Europäische Skills Agenda 2020 um, indem es Soft Skills in industriellen Umgebungen fördert. Acht Unternehmensförderungsagenturen und ein Thinktank-Netzwerk arbeiten zusammen, um neue Ansätze zur Stärkung dieser Fähigkeiten zu entwickeln und umzusetzen.
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