Foto: vog.photo

„Es ist toll, wie gut wir verstanden worden sind“: 48 Stunden Hackathon als Win-Win Situation für Creatives und Unternehmen

Von Verena Kroupa, 28. Juni 2021

Letzte Woche hieß es: Hack it! Sieben Teams waren von 22.-24. Juni im Einsatz, um kreative Lösungen für Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen zu erarbeiten. Mit vollem Erfolg – Teilnehmer*innen wie Challenge-Geber*innen waren begeistert. Reini Gruber von den Oberösterreichischen Nachrichten hat uns in der Tabakfabrik Linz besucht und mit den teilnehmenden Firmen gesprochen.

„Die Hacker*innen zeigen uns, wo die Zukunft liegt“

Paul Mohr, Geschäftsführer Vossen


48 Stunden. Nicht viel Zeit, um aus Vorgaben kreative Ideen zu entwickeln, zu veranschaulichen und eine Jury in einer dreiminütigen Präsentation zu überzeugen. Beim ersten „Hackathon“ der Creative Region ging es von 22.-24. Juni in der Tabakfabrik und in der Grand Garage in Linz um Zukunftsthemen wie E-Mobilität, 5G-Anwendungen und neue Anwendungsmöglichkeiten für Frottier inklusive der Verwertung von Verschnitt.

Es ist immer gut, wenn sich verschiedene Welten treffen, wenn sich Praktiker*innen den Blick von außen gönnen, um ihnen, also in ihren Unternehmen, Entwicklungen weiter zu bringen. Dies könnte man sehr vereinfacht als das Wesen eines kreativen „Hackathon“ beschreiben. Das beste Ergebnis ist, wenn alle Beteiligten gewinnen: Neben 10.000 Euro Preisgeldern gab es für Teilnehmer*innen und Firmen jede Menge neue Kontakte, leuchtende Augen und innovative Problemlösungen.

Sieben Teams haben in Linz das Experiment gewagt, innerhalb von 48 Stunden den Vorgaben der Challenge-Geber KTM, Liwest und Vossen mit eigenen Ideen zu begegnen. „Es ist schön, dass ihr euch darauf eingelassen habt“, sagte Georg Tremetzberger, Geschäftsführer der Creative Region, in Richtung der Teilnehmer*innen und Unternehmen.

Die beiden Goldmedaillen, von den Unternehmen mit jeweils 3.000 Euro dotiert, gingen schließlich an Team_ID, bestehend aus Jürgen Ropp und Florian Westermaier für die Lösungsansätze der Liwest Challenge sowie an Team Flor mit Elias Oberlechner, Michaela Kessler und Lisa Fritzsch, die innovative Ideen für die Vossen-Challenge lieferten.

Für die Unternehmen war der Creative Hackathon nicht nur eine interessante, sondern auch eine begeisternde Erfahrung. „Angestupst zu werden, ist gut, um selbst kreativ zu bleiben“, brachte es Paul Mohr, Geschäftsführer von Vossen, treffend auf den Punkt. Und gab zu, dass die Erwartungen der zur Linz Textil Holding gehörenden Firma, bei weitem übertroffen wurden. 

Paul Mohr, Geschäftsführer von Vossen. Credits: vog.photo

 „Wir nehmen vom Hackathon einiges mit“, war auch Andreas Lovric, seit einem Jahr für das Innovationsmanagement bei Liwest zuständig, angetan von den Ergebnissen. Es gab Bestätigung für eigene Überlegungen, aber auch neue Ansätze.  Und Clemens Hutter, Produktmanager von KTM, sprach von einem wertvollen Input, den das Unternehmen hier von außen bekommen habe.

Andreas Lovric, Innovationsmanager bei Liwest. Credits: vog.photo

Im „Klima der Inspiration und positiven Energie“ (Friedrich Schopf, Vorstand Linz Textil Holding und Geschäftsführer Linz Textil) kamen – so viel sei verraten – einige interessante Ideen zu Tage, von denen vielleicht schon in absehbarer Zeit das eine oder andere zur Anwendung kommen könnte.

Was erwarten sich Unternehmen von kreativen jungen Menschen? 

Sie erwarten sich durchaus auch Antworten auf Fragen, die sie sich nicht ausschließlich selbst beantworten wollen. Im Fall von KTM entstand die Idee daraus, dass „wir speziell mit unserer Marke Husqvarna neue Segmente erschließen“ wollen, wie es Clemens Hutter formuliert. Ein wichtiges Element der Zukunft sei die E-Mobilität. „Husqvarna ist genau die Marke, mit der wir glauben, im urbanen Bereich die Elektromobilität vorantreiben zu können.“

Clemens Hutter, Head of E-Mobility bei KTM. Credits: vog.photo

Vor allem in den Städten wird die schadstofffreie, leise Form der Fortbewegung zum Zukunftsthema. Zwischen E-Scooter und dem Auto gibt es einen Markt, der einer „sehr jungen Generation einen Einstieg in die E-Mobilität“ ermöglichen würde. Die Husqvarna Vektor kann ab 16 Jahren gelenkt werden, ist limitiert auf 45 km/h und soll das klassische 50ccm-Moped ablösen.

Dazu braucht es Verständnis für die Elektromobilität, die man in die Köpfe der Menschen bringen müsste, so Hutter. Und wer sei dafür besser geeignet, als junge Menschen, die erfahren haben, wie sich das neue Fahren anfühlt? Im Visier hat KTM mit seiner Marke Husqvarna vor allem die jungen Frauen. „Gerade die Damen haben für mein Verständnis den Anspruch, dass das Bike ruhiger und gleichmäßiger läuft, wollen sich weniger damit beschäftigen, was drunter passiert, sondern im Normalfall nur draufdrücken und losfahren“, sagt Hutter. Ganz abgesehen davon, dass der Benzingeruch eines Zweitakters an der Kleidung „für die meisten auch nicht hundertprozentig attraktiv ist“.

Solche Fragestellungen kennt Andreas Lovric nicht. Denn bei Liwest ging es in der Challenge für den „Hackathon“ darum, wie man den 5G-Ausbau zu den Menschen bringt, ihnen klar macht, welche Möglichkeiten sich aus dieser technologischen Entwicklung ergeben. „Die Jungen können uns aus einem externen Blickwinkel Sichtweisen liefern, was draußen gebraucht wird.“

Lovric haben zwei Dinge überrascht. Zum einen die Art und Weise des Zuganges. „Die einen waren technisch im Spezielgebiet der Virtual Reality unterwegs und die anderen kommen aus der Schule.“ Beide hätten mit ihren Ideen überrascht, „weil es Bereiche gab, die wir nicht so auf dem Radar hatten“. Nachsatz: „Man darf einen zweitägigen Hackathon nicht so bewerten, dass man sofort mit einem Produkt auf den Markt gehen und umsetzen kann. Aber man hat einen Startpunkt. Und das ist das Spannende an dem Format.“

Mit jeder Menge Anregungen nach Hause ging die Firma Vossen. „Es ist toll, wie gut wir als Marke verstanden wurden und wie innovativ die Lösungen geworden sind“, ist Geschäftsführer Paul Mohr voll des Lobes. „Man spürt hier in der Tabakfabrik einfach, wie viel Innovation und Kreativität vorhanden ist. Es ist eine richtig ansteckende positive Stimmung und ich glaube, das tut jeder Firma gut, egal aus welcher Branche, über den Tellerrand hinaus zu schauen und ein wenig nach vorne zu blicken und zu schauen, was eigentlich möglich ist.“

Bei Vossen würden sich zwei große Glaubenssätze verbinden, nämlich eine chice und urbane Firma  und nebenbei das nachhaltigste Frottierwerk der Welt zu sein. „Das sind wir in vielen Bereichen auch schon, aber wir spüren natürlich, dass in manchen Produktionsprozessen Abfall entsteht“, so Mohr. Was man daraus machen kann, war eine Fragestellung, die die Teilnehmer mit einer Vielzahl höchst unterschiedlicher und chicer Produkte beantwortet haben. „Jetzt liegt es an uns, das Ganze weiter zu entwickeln.“

Foto: vog.photo

„Die Hacker*innen zeigen uns, wo die Zukunft liegt.“

Die junge Generation denke anders und dieser „unglaubliche Schatz an Ideen und Gedanken“ sei eine totale Bereicherung. „Sie zeigen uns, wo die Zukunft hingeht“, sagte Mohr.


Die Zukunft hat viele Gesichter. Egal ob es nun um die Mobilität, die digitale Vernetzung oder die Verwendung von Handtüchern als Sitzmöbel geht. Wer der Kreativität keine Grenzen setzt, wird weiter denken als über den Tellerrand – und sich dort auch bewegen (Lovric).

Beitrag: Reini Gruber, OÖN


Lust auf noch mehr Hackathon und neue Kontakte?

Dann melde dich gleich jetzt HIER zum Creative Speedathon am 8. Juli an.
Ab 16 Uhr kannst du in lockerer Atmosphäre in der Tabakfabrik Linz Unternehmen aus anderen Branchen kennenlernen – DIE Chance, neue Projekte zu initiieren!

Von Unternehmensseite sind diese Firmen mit dabei:

Wir sehen uns am 8. Juli!

Das internationale InduCCI-Projektteam ist davon überzeugt, dass industriell geprägte Regionen und die Kultur- und Kreativwirtschaft voneinander profitieren und fördert das darin liegende Potential in acht zentraleuropäischen Regionen.

Für Oberösterreich entwickelt die Creative Region entwickelt im Rahmen des Projekts für Oberösterreich unterschiedliche Formate, die die Kreativwirtschaft und deren Zusammenarbeit mit der Industrie stärken. 

InduCCI wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert.


Geschrieben von Verena Kroupa

Weitere Insights

  • Den Nährboden für Innovation schaffenFoto: Sabine Kleinhagauer

    Den Nährboden für Innovation schaffen

    Interview mit Andreas Lovric, Jürgen Ropp und Florian Westermeier über ihr gemeinsames Projekt, die Learnings aus der Innovation Agent Academy und den Mehrwert von Interdisziplinarität.

    Von Verena Kroupa, 21. Januar 2022

  • Kreative Impulse für einen lebenswerten Wirtschaftsraum

    Presseaussendung

    Kreative Impulse für einen lebenswerten Wirtschaftsraum

    Oberösterreich + Kreativwirtschaft = Zukunft Am 8. und 9. März präsentierte die Creative Region am OÖ Zukunftsforum 2022 die Ergebnisse aus drei Jahren Projektarbeit für eine starke Kreativwirtschaft in der…

    Von Nina Hawrylow, 15. März 2022

  • Vom Werkstattschlüssel bis zum Weltmeistertitel – Drei Geschichten über kreative ZusammenarbeitFoto: Hanna Burgstaller / Creative Region

    Vom Werkstattschlüssel bis zum Weltmeistertitel – Drei Geschichten über kreative Zusammenarbeit

    Kreativwirtschaft ist mehr als Gestaltung. Sie bringt neue Perspektiven in Prozesse, stellt Fragen, die sonst niemand stellt und macht aus einer Idee etwas, das am Markt besteht. Wenn Unternehmen und…

    Von Wolfgang Gumpelmaier-Mach, 29. Mai 2026