Foto: Florian Voggeneder

Die digital-analoge Zukunft von Brand Experiences

Von Ulrike Schwarz, 25. August 2021

Warum wir uns nach realen Markenerlebnissen sehnen

Ein Markt, in dem Produkte und Services mehr oder minder ident und 24/7 in annähernd gleicher Qualität verfügbar sind, macht es Marken schwer, sich von der Masse abzuheben oder gar herauszustechen. Kund*innen entscheiden heute nicht mehr nur aufgrund der offensichtlichen Benefits eines Produkts oder Services, sondern viel mehr anhand der emotionalen Beziehung, die sie mit einer Marke verbindet.

Das wissen auch die Unternehmen, die auf Brand Experience (BX) setzen und für ihre Zielgruppen reale Markenerlebnisse kreieren. Beim WE ARE SO experience sprachen Franz Riebenbauer von Studio Riebenbauer, Veronika Leibetseder von dynatrace und Markus Pargfrieder von Responsive Spaces über ihre Zugänge zu Brand Experiences.

WE ARE SO experience @ dynatrace

BX … what?

Brand Experience, oder kurz BX, ist nicht wirklich neu. Seit sich viele Angebote gleichen – und der Trend wird durch Globalisierung und Konnektivität beschleunigt – müssen Marken neue Wege finden, um sich vom Mitbewerb abzuheben und bei ihren Zielgruppen in Erinnerung zu bleiben. Einer, der weiß, wie Marken erlebbar werden, ist Franz Riebenbauer. Das Studio Riebenbauer arbeitet mit unkonventionellen und ganzheitlichen Konzepten daran, Marken emotional spürbar zu machen. Und genau das ist die Quintessenz der Brand Experience.

Brand Experiences sind ganzheitliche Erlebnisse, die Menschen dazu veranlassen, eine anhaltende und bedeutungsvolle Beziehung mit einer Marke einzugehen.

Franz Riebenbauer

Markenerlebnisse statt „sell and forget“

Schon 1998 hießen uns Joseph Pine und James Gilmore in der Experience Economy willkommen. Inzwischen geht es lange nicht mehr nur darum, Produkte und Services zu verkaufen, sondern einnehmende, real erlebbare Situationen zu schaffen, um die Zielgruppe von einer Marke zu überzeugen. Bei all den digitalen Touchpoints, die uns fürs Informieren über Brands und ihre Angebote zur Verfügung stehen, verlassen wir uns bei Entscheidungen oft auf das Gefühl, das die Marke bei uns hinterlassen hat.

Markus Pargfrieder, credits: Florian Voggeneder

Dabei geht es gar nicht vorrangig darum, dass Brand Experiences am Produkt kleben wie die Klette. Markus Pargfrieder, von Responsive Spaces, das Linzer Design- und Technologiestudio, das immersive und interaktive Markenerlebnisse konzipiert und umsetzt, erklärt das Phänomen:

Es ist nicht wichtig, dass das Markenerlebnis streng rund um das Produkt selbst aufgebaut wird. Jede Erfahrung ist eine Markenerfahrung, solange sie in irgendeiner Form im Kontext der Marke und ihren Werten entsteht.

Markus Pargfrieder

Das beweist zum Beispiel das schwedische Fashionlable Acne Studios. Die reduzierten und beinahe leeren Shops versetzen einen ins Staunen: Will das Label überhaupt Mode verkaufen? Schaut man jedoch genauer hin, erschließen sich einem die Absichten. Denn die Stores dienen in erster Linie dazu, die „Vibes“ von Acne Studios zu vermitteln.

Betreten sie einen Acne Shop, bekommen die Besucher*innen sofort ein Gefühl dafür, wofür die Marke steht. Acne schafft außerdem die Überleitung vom Analogen ins Digitale, indem ein reales Markenerlebnis geschaffen wird und die Kund*innen vor Ort die Möglichkeit haben, digital zu shoppen. Schräges Konzept? Wer schon einmal in einem Acne-Studios Shop war, wird es so schnell nicht vergessen – Brand Experience eben.

Franz Riebenbauer, credits: Florian Voggeneder

Acne Studios kreiert ein konsequentes Erlebniskonzept der Marke, eine ‚artistic brand experience‘. Hier steht nicht das Produkt im Fokus, sondern der Ort, an dem ich das Produkt finde.

Franz Riebenbauer

Spatial Brand Experience: Orte, die Eindruck machen

Für Markus Pargfrieder reicht dafür Storytelling allein nicht aus, es geht um Storyliving, darum in den Dialog zu treten. Damit reale Markenerlebnisse auch tatsächlich ein emotionales Band zwischen Mensch und Marke knüpfen, braucht es also auch Interaktion. 

Spatial Brand Experience ist der Dreiklang von Architektur, Content und Interaktion. Digitale Oberflächen werden so zum integralen Bestandteil von Architektur.

Markus Pargfrieder

Spatial BX-Touchpoints ergeben sich vor allem auf Messen, in Flagshipstores, Showrooms und Brandlands. Der Einsatz von digitalen Tools und neuen Technologien, um an diesen Orten reale Markenerlebnisse zu gestalten, ermöglicht gänzlich neue Perspektiven. Das Publikum wird ein Teil der Markenstory und zur Interaktion angeregt.

Ein Beispiel dafür ist der DC Tower in Wien. Das höchste Gebäude Österreichs empfängt die Besucher mit spektakulären Bildern vom Dach des DC Towers. Tage und Wochen werden per »Time-Slicing« zu Einzelbildern verdichtet und auf einer großen reaktiven LED-Wand im Foyer inszeniert.

Marken definieren sich heute also auch über ihre Brand Spaces und investieren in ihre räumlichen Markenerlebnisse. Einen besonders künstlerischen Zugang hat das koreanische Brillenlabel Gentle Monster gefunden. Ähnlich wie in den Acne Studios sucht man in ihren Stores die Produkte fast vergeblich. Sie verstecken sich geradezu hinter der Brand Experience. 60 Designer*innen arbeiten am Store Design, nur sechs am Design der Brillen. Die Geschichten, die die Gentle-Monster-Stores erzählen, sind an Story kaum zu überbieten – das Auge hängt an den Kunstwerken und kinetischen Installationen. Das macht natürlich mächtig Eindruck und nimmt die Betrachter*innen emotional ein.

Employee Experience

Wie wichtig Räume und die Architektur für die Employee Experience sind, die neben der Customer Experience ebenfalls Teil der Markenwahrnehmung ist, weiß Viktoria Leibetseder von dynatrace. Das Technologieunternehmen hat seine Wurzeln in Oberösterreich. Als das Unternehmen für das aus allen Nähten platzende und nicht mehr zeitgemäße Office in der Linzer Freistädter Straße Ersatz suchte, beschäftige man sich intensiv mit der Frage, wie man die dynatrace-Kultur in ein neues Gebäude transferieren könnte.

Die Unternehmenskultur kann man schwer in eine Umzugskiste packen und im neuen Gebäude wieder auspacken.

Veronika Leibetseder
Veronika Leibetseder, credits: Florian Voggeneder

Die Kultur von dynatrace basiert stark auf Kollaboration, Teamwork und Innovation. Die neuen Räumlichkeiten sollten diese Unternehmenskultur bestmöglich auch architektonisch widerspiegeln.

Bei der Planung des neuen dynatrace Engineering Headquarters in Linz wurden die Mitarbeiter*innen eng eingebunden, damit die Räumlichkeiten bestmöglich und ganzheitlich konzipiert werden konnten. Auf Basis der dynatrace-Unternehmenskultur entstand eine Employee-Experience-Strategie für das Gebäude, die später baulich als vertikaler Campus umgesetzt wurde. Die Architektur, die bedarfsgerechten Raumkonzepte, die offenen Begegnungszonen, ruhigen Arbeitsplätze – all das repräsentiert den dynatrace-Spirit und erzeugt bei den Mitarbeiter*innen eine einzigartige dynatrace-Employee-Experience.


Geschrieben von Ulrike Schwarz

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