Tipps für eure „Open Studios“

Von Nina Hawrylow, 27. April 2021

Raus aus der Kreativ-Bubble: Zeigt der Öffentlichkeit, was ihr drauf habt!

Die Türen öffnen und die Öffentlichkeit in eure Projekte und eure Arbeitsräume schauen lassen – darum geht es beim den Open Studios. Die Creative Region möchte den Mehrwert, den Kreativunternehmer*innen täglich erbringen, die Services und Produkte, die sie in der Region anbieten und herstellen, und die Arbeitsplätze, die sie dadurch schaffen, sichtbar machen. Wir haben unsere Erfahrungen damit zusammengefasst und möchten Kreativ-Communities dazu ermutigen, selbst Formate wie die Open Studios auszuprobieren. Hier erfährt ihr, worauf es sich lohnt zu achten, wenn ihr einen solchen „Tag der offenen Tür“ plant.



Einblick in unser Büro 😉

Wozu das Ganze?

Die Kreativwirtschaft ist eine Branche mit Zukunft, bringt Innovationen hervor und trägt so maßgeblich zur Transformation anderer Branchen, der Gesellschaft und der Verwaltung, kurzum ganzer Regionen bei. Mit ihren unkonventionellen Ansätzen, spannenden Geschäftsmodellen und nutzer*innenorientierten Produkten und Services schaffen Unternehmen der Kreativwirtschaft einen Mehrwert für die Region, in der sie tätig sind. Zu oft ist dieser Mehrwert der breiten Bevölkerung aber kein Begriff und die kreativen Köpfe bleiben relativ ungesehen im Hintergrund – wenn sie beispielsweise Projekte mit großen Unternehmen, mit Verbänden und der öffentlichen Verwaltung umsetzen. Die Kreativszene ist oft eine Kreativblase – und das wollen wir ändern!

Die Idee der Open Studios

Mit den Open Studios wollen wir diese Szene für Menschen in der unmittelbaren Umgebung zugänglich machen. Worum geht es uns dabei?

  • Bewusstsein für die Arbeit der kreativwirtschaftlichen Unternehmen in der Region schaffen und ihnen eine Bühne geben
  • Das transformative und innovative Potential von Kreativität für ganze Regionen aufzeigen
  • Die Wertschöpfung der Kreativwirtschaft sichtbar machen
  • Die Kreativwirtschaft als Arbeitgeberin präsentieren und so Jobmöglichkeiten und Karriereoptionen verdeutlichen
  • Impulse für Projekte und Kooperationen zwischen kreativwirtschaftlichen Unternehmen und anderen Branchen setzen

Das Zielpublikum der Open Studios sind also nicht die Kolleg*innen der eigenen Branche, sondern die Öffentlichkeit. Je nach Fokus der Veranstaltung können das auch konkretere Zielgruppen sein, die mit der Kreativwirtschaft noch wenig Berührungspunkte haben – Schüler*innen vor der Studienwahl, Student*innen vor dem Berufseinstieg, Unternehmer*innen anderer Branchen, Mitarbeiter*innen der Verwaltungen, etc.

Tipps für eure Open Studios

Ihr habt Lust, eure Kreativ-Community der Öffentlichkeit zu präsentieren? Wir haben hier einige Tipps aus unserer Praxis gesammelt. Gerne unterstützen wir euch auch dabei, eine Open Studios Veranstaltung zu organisieren! Setzt euch dafür einfach mit uns in Verbindung.

Legt zu Beginn die Zielgruppe genau fest – wen wollt ihr erreichen? 

Die Zielgruppe, die ihr ansprechen wollt, bestimmt die weitere Ausrichtung der Veranstaltung. Das können zB sein

  • Entscheidungsträger*innen aus der Region,
  • potentielle neue Mitarbeiter*innen oder Praktikant*innen,
  • potentielle neue Kund*innen,
  • die weitläufigere „Nachbarschaft“
  • potentielle neue Kooperationspartner*innen
  • eine Kombination aus diesen
  • etc.

Überlegt euch, welche Botschaft ihr dieser Zielgruppe vermitteln wollt.

Was soll euren Besucher*innen im Nachhinein in Erinnerung bleiben? Welchen Aspekt eurer Arbeit wollt ihr vermitteln? Hier ein paar Ideen:

  • Wir schaffen/haben Arbeitsplätze in der Region!
    Wir möchten Besucher*innen für Jobs in der Kreativwirtschaft begeistern. Oder wir möchten Praktikant*innen gewinnen.
  • Wir sind international erfolgreich!
    Wir möchten unsere Erfolge zeigen.
  • Dieses und jenes könnte sich für uns verbessern!
    Wir möchten Kontakt zu Entscheidungsträger*innen aufbauen. Oder wir möchten einen konkreten Bedarf auf die Agenda bringen.
  • Schaut her, welche Unternehmen in eurem direkten Umfeld tätig sind!
    Wir möchten, dass unsere Services und Produkte in der Region nachgefragt werden. Oder wir möchten, dass wir bei Ausschreibungen mitberücksichtigt werden. Oder wir möchten Bewusstsein dafür schaffen, was in der Region angeboten wird.
  • Wir sind offen für Kooperationen und können dieses und jenes anbieten!
    Wir möchten als Kooperationspartner wahrgenommen werden. Oder wir möchten konkrete Kooperationsidee platzieren. Oder wir möchten Kontakte sammeln.

Welche Art der Präsentation ist für die gewählte Botschaft am zielführendsten?

Nicht jede Präsentationsform eignet sich gleichermaßen für jedes Ziel.

Macht ihr eine Tour durch die teilnehmenden Studios – von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz? Oder platziert ihr euch mit einer Bühne mitten am Hauptplatz? Geht ihr in Schulen rein? Gibt es einen Ort, der z.B. Transformation durch Kreativität regelrecht symbolisiert und wohin ihr einladen wollt? Oder bleibt ihr vorerst noch lieber online?

Stellt dementsprechend euer Programm zusammen

  • Welche Studios stellen sich vor?
  • Welche Themen müssen wir ansprechen, um unsere Botschaft zu vermitteln?
  • Wie ist der zeitliche Rahmen: Am Wochenende oder lieber unter der Woche? Welche Tageszeit? Hat die Zielgruppe am vorgesehenen Datum Zeit?
  • Welchen Namen trägt eure Veranstaltung?

Ladet gezielt zu eurer Veranstaltung ein und sprecht Vertreter*innen der Zielgruppe direkt an

Denkt dran, dass ihr mit manchen Kommunikationskanälen wahrscheinlich nur eure „Bubble“ erreicht – so z.B. über eure Social Media Kanäle. Sprecht Schulen, Studiengänge, Stadt- oder Gemeindeverwaltungen direkt an, wenn das eure Zielgruppen sind. Und findet heraus, ob es Barrieren für die Teilnahme gibt, die euch nicht bewusst sind (z.B. Ferien-/Urlaubszeiten, Internetverbindung, Parallelveranstaltungen, etc.).

Überlegt euch, wie ihr das Publikum einbeziehen und wie ihr später in Kontakt bleiben könnt.

Vergesst nicht auf einen netten Rahmen: Drinks, Snacks & Goodies sind immer willkommen 😉

Holt euch Feedback ein und berücksichtigt es für eure nächste Veranstaltung

Beispiel: Open CCI digital

Im März 2021 haben wir die Open Studios ins Internet verlegt und drei etablierte Kreativunternehmen für einen Talk vor die Kamera geholt. Die Linzer Studios konnten sich so in einem Livestream präsentieren, aktuelle Projekte vorstellen, Tipps zu Jobmöglichkeiten geben und interessierte Fragen von den Online-Zuseher*innen beantworten.

Um die Checkliste anhand eines konkreten Beispiels zu veranschaulichen, zeigen wir euch hier, wie wir vorgegangen sind:

Zielgruppen: Personen, die an einer Arbeit in Kreativunternehmen interessiert sind, Multiplikatoren dafür, also Lehrer*innen, Schüler*innen, Student*innen.

Botschaft: Abseits von Großkonzernen gibt es coole, kreative Jobs in der Region, in denen man sich verwirklichen kann. Der Weg in diese Jobs soll greifbar werden. Wir möchten die junge Generation für diese Jobs begeistern.

Art der Präsentation: Firmenbesuch, Dialog mit den Zuseher*innen.

Aufgrund der Corona-Pandemie musste der Firmenbesuch ins Netz verlegt werden. Anstelle eines Firmenbesuchs, haben wir drei Unternehmen in einem professionell gefilmten Livestream interviewt. Die Unternehmen brachten Rundgänge durch ihre Büros mit, ihre Projekte wurden im Livestream eingeblendet und besprochen, Fragen aus dem Publikum via sli.do wurden vom Moderator gestellt, die Zuseher*innen konnten sich mithilfe dieses Onlinetools auch bereits gestellten Fragen „anschließen“ und die Fragen gewichten.

Damit sich die Interviews im Rahmen der Berufsorientierung in der Schule integrieren ließen, haben wir für jedes Interview eine Doppelstunde angesetzt und pro Halbtag nur ein Interview gestreamt.

Wir haben uns für etablierte Kreativunternehmen entschieden, die regelmäßig Praktikant*innen oder Mitarbeiter*innen suchen und bereit waren, aus dem Nähkästchen zu plaudern – über ihren Werdegang, Ausbildungswege und Tipps für den Berufseinstieg.

Checkliste zum Download

Du hast Fragen?

Nina Hawrylow

Das internationale InduCCI-Projektteam ist davon überzeugt, dass industriell geprägte Regionen und die Kultur- und Kreativwirtschaft voneinander profitieren und fördert das darin liegende Potential in acht zentraleuropäischen Regionen.

Für Oberösterreich entwickelt die Creative Region entwickelt im Rahmen des Projekts für Oberösterreich unterschiedliche Formate, die die Kreativwirtschaft und deren Zusammenarbeit mit der Industrie stärken. 

InduCCI wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission finanziert.


Geschrieben von Nina Hawrylow

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