Teil des Projektes KreATivita&InovaCZe
480 Kubikmeter Holz wurden für das Baumwerk in Freistadt verbaut. Entstanden sind 28 Mietwohnungen, die klimabewusste Bauweise, hohe Wohnqualität und ortsübliche Mietpreise miteinander verbinden.
Das Projekt entwickelte sich im Zusammenspiel der Landwirtschaftskammer Oberösterreich mit Tp3 Architekten, regionalen Holzbauunternehmen, Fachplaner*innen und Kommunikationsdesigner*innen. Wir haben mit Andreas Henter von Tp3 darüber gesprochen, wie die unterschiedlichen Kompetenzen zusammenfanden und warum das Baumwerk inzwischen auch für andere Gemeinden interessant ist.

Eine gemeinsame Haltung als Ausgangspunkt
Auf dem Gelände der ehemaligen Landwirtschaftskammer in Freistadt, das zuletzt vor allem als Parkplatz genutzt wurde, sollte neuer Wohnraum entstehen. Im Rahmen eines Planungsverfahrens entwickelte Tp3 Architekten die Idee für einen mehrgeschossigen Holzbau. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich griff diesen Ansatz auf und verband ihn mit einem klaren Anspruch: Nachhaltigkeit sollte das gesamte Projekt prägen: ökologisch, wirtschaftlich und sozial.
„Die Herausforderung beginnt, wenn die Auftraggeberin sagt: Wir wollen wirklich einen nachhaltigen Wohnbau bauen“, erzählt Andreas Henter. „Wenn sie das ernst nimmt, müssen wir es auch konsequent umsetzen. Und genau das ist das Schöne daran.“
Damit war eine gemeinsame Grundlage geschaffen. Tp3 entwickelte und prüfte unterschiedliche räumliche Lösungen. Holzbauunternehmen, Statik, Bauphysik, Brandschutz und Projektmanagement überführten den Entwurf in umsetzbare Konstruktionen. Der Gestaltungsbeirat brachte eine weitere Perspektive in die Anordnung der Gebäude ein. Für die regionale Beschaffung des Holzes entstand gemeinsam mit juristischer Unterstützung ein passendes Vergabemodell. Die Agentur Fredmansky übersetzte die Besonderheiten des Projekts schließlich in einen Namen, ein Erscheinungsbild und eine verständliche Erzählung.
Holz als konsequente Entscheidung
Die neuen Gebäude wurden weitgehend in Holzriegelbauweise errichtet. Holz prägt die Tragstruktur, die Innenräume und die Fassade; lediglich die Tiefgarage und die Stiegenhauskerne bestehen aus Stahlbeton. Sichtbare Stützen, Träger und Oberflächen machen den Baustoff auch für die Bewohner*innen unmittelbar erlebbar.
Der mehrgeschossige Holzbau erforderte eine enge Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen. Fragen zu Statik, Schallschutz, Brandschutz und Bauphysik wurden gemeinsam mit den beteiligten Fachleuten und Obermayr Holzkonstruktionen gelöst. Dabei traf architektonischer Anspruch auf handwerkliche Erfahrung und regionales Produktionswissen.
„Man beginnt gemeinsam zu überlegen: Wie kann man das als Holzbau umsetzen? Dann wird der Vorschlag geprüft und mit Statik, Brandschutz und Bauphysik abgestimmt“, beschreibt Henter den Prozess. „Die Betriebe und das Know-how sind in der Region vorhanden. Man muss sie nur zusammenbringen.“
Dabei entstand Erfahrungswissen, das auch für weitere Vorhaben nutzbar ist.
Verdichtung schafft neuen Freiraum
Das Baumwerk nutzt eine bereits erschlossene Fläche im Zentrum von Freistadt. Stadtzentrum, Busbahnhof, Schulen und Nahversorgung sind zu Fuß erreichbar. Gleichzeitig wurde der zuvor versiegelte Innenbereich begrünt und als gemeinsamer Freiraum neu gestaltet.
Im Entwurfsprozess prüfte Tp3 unterschiedliche Anordnungen und entwickelte sie gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer und dem Gestaltungsbeirat weiter. Die Entscheidung, die Mitte freizuhalten und die Gebäude an den Rändern zu konzentrieren, schuf einen geschützten Hof mit Grünflächen und Wegen.
Henter beschreibt diese Entwicklung als „Pingpong-Spiel“: Vorschläge wurden präsentiert, diskutiert, überprüft und verdichtet. Die Beteiligten konnten nachvollziehen, welche Möglichkeiten weiterverfolgt wurden und warum. So entstand die räumliche Lösung nicht als fertiger Einzelentwurf, sondern Schritt für Schritt im Austausch.
Die Gliederung in mehrere verbundene Baukörper gibt der Anlage einen überschaubaren Maßstab. „Einzelne, untereinander in Verbindung stehende Baukörper vermitteln das Gefühl einer dörflichen Struktur“, erklärt Henter. Laubengänge, Sichtbeziehungen und der gemeinsame Grünraum schaffen Gelegenheiten für Begegnung. Balkone, Eigengärten und klar definierte private Bereiche bieten zugleich Rückzugsmöglichkeiten. Heute wohnen hier Menschen unterschiedlicher Generationen.

Klimabewusst wohnen zu ortsüblichen Preisen
Der ökologische Anspruch wurde von Beginn an mit der Frage der Leistbarkeit verbunden. Die 28 Wohnungen werden zu ortsüblichen Mietpreisen angeboten. Dafür nahm die Landwirtschaftskammer eine längere Amortisationszeit in Kauf, anstatt die zusätzlichen Investitionen unmittelbar über höhere Mieten weiterzugeben.
„Klimabewusste Architektur in Holzbauweise muss nicht einer kleinen Elite vorbehalten sein, sondern ist für alle möglich.“
Auch der Strom der Photovoltaikanlage auf dem Gründach kommt den Bewohner*innen direkt zugute. Die Anlage umfasst 133 Module mit einer Leistung von 55,25 kWp. Ergänzt wird sie durch eine zentrale Hackschnitzelheizung.
Die große Nachfrage bestätigte den Ansatz: Alle Wohnungen waren lange vor der Fertigstellung vergeben. Für Henter ist das ein wichtiges Signal. Ökologische Qualität, ein attraktives Wohnumfeld und leistbare Mieten können einander ergänzen, wenn sie früh gemeinsam gedacht und von den Verantwortlichen mitgetragen werden.
Wirkung durch viele abgestimmte Entscheidungen
Die Klimabilanz des Baumwerks entsteht aus dem Zusammenspiel von Standort, Material, Konstruktion, Energieversorgung und Freiraumgestaltung. Insgesamt wurden rund 480 Kubikmeter Holz verbaut. Darin bleiben etwa 480 Tonnen CO₂ langfristig gespeichert. Laut Projektberechnung verursacht die Ausführung rund 52 Prozent weniger Treibhausgase als eine vergleichbare mineralische Bauweise.
Auch die Herkunft des Baustoffs war Teil der Planung. Für die Ausschreibung wurde gemeinsam mit juristischer Unterstützung ein Bewertungssystem entwickelt, das kurze Transportwege berücksichtigt. Das eingesetzte Holz stammt aus dem Hausruckviertel und dem Salzkammergut, aus einer Entfernung von rund 100 Kilometern. Die verbaute Menge wächst in Österreichs Wäldern innerhalb weniger Minuten nach.
Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglichte eine präzise Herstellung und effiziente Montage. Begrünte Flächen, das Gründach und wiederverwertbare Bauteile ergänzen das Konzept.
Die Zahlen machen den ökologischen Impact sichtbar. Zugleich verweisen sie auf konkrete Entscheidungen: kurze Transportwege, eine weitgehend hölzerne Konstruktion, erneuerbare Energie und die Nutzung einer zentral gelegenen, bereits erschlossenen Fläche. Ihre Wirkung entsteht, weil diese Maßnahmen von Planung, Auftraggeberin, ausführenden Unternehmen und Fachdisziplinen aufeinander abgestimmt wurden.
Ein Name macht die Idee zugänglich
Die Zusammenarbeit endete nicht mit Planung und Bau. Gemeinsam mit Fredmansky entstanden der Name „Baumwerk“, das Erscheinungsbild und eine Broschüre, die das Projekt über Fachkreise hinaus verständlich macht.
„Mit dem Namen Baumwerk war es auf einmal etwas anderes“, sagt Henter. „Es wurde greifbar und hat sofort Bilder im Kopf ausgelöst.“
Die Kommunikation übersetzt technische, ökologische und architektonische Inhalte in eine zugängliche Erzählung. Damit unterstützt sie die Vermietung und vermittelt zugleich Wissen über zeitgemäßen Holzbau. Die Broschüre richtet sich an Bewohner*innen ebenso wie an Gemeinden, politische Entscheidungsträger*innen, Forstwirt*innen und künftige Projektverantwortliche.
So erhielt das Gebäude eine Identität, die über den Standort hinauswirkt. Das Kommunikationsdesign macht nachvollziehbar, wie das Gebäude funktioniert, warum bestimmte Entscheidungen getroffen wurden und welchen Nutzen sie bringen. Aus einem komplexen Bauprojekt wurde damit ein Beispiel, das sich vermitteln und weitertragen lässt.

Vom Wohnprojekt zum Vorbild
Heute interessieren sich Gemeinden und Bürgermeister*innen dafür, wie das Baumwerk realisiert wurde. Sie besuchen das Gebäude, sprechen mit den Beteiligten und nehmen Erfahrungen für eigene Vorhaben mit. Auch Tp3 nutzt das Projekt in Gesprächen als anschaulichen Beleg dafür, dass mehrgeschossiger Holzbau im Ortszentrum funktionieren und leistbar bleiben kann.
„Es rufen Bürgermeister*innen bei uns an und fragen: Wie habt ihr das gemacht? Das ist schwer in Zahlen zu messen, aber man merkt, dass das Projekt etwas auslöst.“
Der OÖ Holzbaupreis 2025 und die Nominierung für den Österreichischen Staatspreis Holzbau 2026 erhöhen diese Sichtbarkeit zusätzlich. Entscheidend ist die Wirkung im Alltag und in neuen Gesprächen: 28 bewohnte Wohnungen, direkt nutzbarer PV-Strom, regionale Wertschöpfung und das wachsende Interesse weiterer Gemeinden.
Mit jeder Besichtigung und jeder Frage nach der Umsetzung werden die Erfahrungen aus Freistadt weitergegeben. Das Baumwerk ist damit ein gebautes Beispiel für klimabewusstes und leistbares Wohnen und eine konkrete Grundlage, auf der andere Gemeinden, Planer*innen und Projektverantwortliche aufbauen können.
Das Baumwerk ist Teil der Ausstellung „Creativity Matters“, die im Rahmen des EU-Projekts „KreATivita&InovaCZe“ entstanden ist.
Ziel von „KreATivita&InovaCZe“ ist es, die Sichtbarkeit und Unterstützung der Kreativwirtschaft in Oberösterreich und Südböhmen zu erhöhen, ihre nachhaltige Vernetzung zu fördern sowie Kooperation, Entwicklung und Wissenstransfer zu stärken.
Das Projekt wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission im Programm Interreg Österreich–Tschechien 2021–2027 finanziert.
Ziel von KreATivita&InovaCZe ist es, die Sichtbarkeit und Unterstützung der Kreativwirtschaft in Oberösterreich und Südböhmen zu erhöhen, ihre nachhaltige Vernetzung zu fördern, sowie auf spezifische Bedürfnisse einzugehen und Weiterbildung, Kooperation und Entwicklung zu fördern.
KreATivita&InovaCZe wird mit Unterstützung der Europäischen Kommission im Programm Interreg Österreich-Tschechien 2021-2027 finanziert.
Webseite des Projekts: KreATivita&InovaCZe